Publikation Ein Heft rund ums Spitzkraut

  Foto: Jens Noll
  Foto: Jens Noll

Der Autor Herbert Gscheidle und der Fotograf Rolf Rösken haben in einem neuen Heft den Anbau und die Verarbeitung des berühmten und inzwischen geschützten Filderspitzkrauts dokumentiert.

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Filderstadt - Die Krautproduktion läuft derzeit auf Hochtouren. Jörg Kimmich, Sprecher der Interessengemeinschaft Filderkraut und Mitinhaber einer Krautfabrik in Aichtal, hat sich deshalb am Dienstag für die öffentliche Vorstellung eines neuen Heftes über das Filderspitzkraut entschuldigen müssen. Der Autor des Buches, Herbert Gscheidle, hätte Kimmich gern dabei gehabt. Denn der war die treibende Kraft bei dem Vorhaben, das Filderkraut als geschützte geografische Angabe bei der Europäischen Union einzutragen.

Vom Samen zum konservierten Kraut

Seit gut einem Jahr steht das Spitzkraut von den Fildern unter dem Schutz des EU-Siegels. Gscheidle ist sichtlich froh darüber. „Die Flächen für den Anbau von Spitzkraut werden immer kleiner“, sagt er. „Mit dem Spitzkraut ginge ein Produkt verloren, das kennzeichnend für die Filder ist.“

Ein Jahr hat sich Herbert Gscheidle, der stellvertretende Vorsitzende des Geschichts- und Heimatvereins Filderstadt, zusammen mit Rolf Rösken vom Fotoclub Filderstadt intensiv mit dem berühmten Gemüse auseinandergesetzt. Die Texte von Gscheidle und die Fotografien von Rösken sind in dem nun vorgestellten Heft zu finden. Es stellt den kompletten Prozess des Krautanbaus und der Weiterverarbeitung vor. Jörg Kimmich kommt in dem Werk auch vor: Er hat das Schlusswort geschrieben. „Diese Broschüre erklärt anhand der Bilder, wie es vom Samen zum konservierten Produkt Filderkraut kommt“, erzählt der 68-jährige Autor Gscheidle.

Passend zu den Texten hat Rösken, 72 Jahre alt, die verschiedenen Arbeitsschritte mit rund 100 Bildern optisch in Szene gesetzt. In Hilde Abt hat sich auch eine Sielminger Landwirtin gefunden, die demons­triert, wie man traditionell Spitzkraut erntet und Sauerkraut daraus macht.

Die Frage nach der Darstellung, wie man früher Kraut herstellte, war Ausgangspunkt der ehrenamtlichen Arbeit von Rösken und Gscheidle. 2010 hatten die beiden bereits traditionelle Handwerksberufe mit Bild und Text in einem Heft vorgestellt. Dies war der erste Band einer Schriftenreihe des Filderstadt-Museums, die der Geschichts- und Heimatverein und die Stadt Filderstadt herausgegeben haben.

Das klassische Produkt der Filder

„Ich freue mich sehr über das Heft“, sagt Oberbürgermeisterin Gabriele Dönig-Poppensieker über die nun vorliegende zweite Broschüre aus der Schriftenreihe. Sie betont, dass sich das Heft dem klassischen Produkt der Filder schlechthin widme. „Alle Filderstädter Stadtteile spielen beim Krautanbau eine Rolle“, sagt die Rathauschefin. Als verarbeitende Betriebe in der Großen Kreisstadt zählt sie die Sauerkrautfabrik Schlecht in Bernhausen, die Krautfabrik Schweizer in Sielmingen sowie ein halbes Dutzend Landwirte, die ihr Kraut selbst vermarkten, auf.

In ihrem Heft haben Gscheidle und Rösken die Weiterverarbeitung in der Konservenfabrik Schlecht und im Betrieb der Familie Schumacher dargestellt. Eine Text-Bild-Schau ihrer dokumentarischen Arbeit können sich Besucher auch im Stadtmuseum in Bonlanden anschauen.

Selbstverständlich essen die beiden selbst gern Spitzkraut, was für die breite Masse inzwischen nicht mehr gilt. Dabei ist das Gemüse reich an Vitamin C. „Die Leute wollen heute eher Feingemüse essen“, sagt der Stadtarchivar Nikolaus Back. Er weist darauf hin, dass es 14 verschiedene Arten von Spitzkraut gibt. Unter fachlicher Begleitung sei man im Freilichtmuseum Beuren derzeit dabei, alte Sorten zu pflegen und zu erhalten, sagt Back.




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