Pünktlichkeit in der Schweiz Rekord im Bahn-Paradies
Die Schweizer Bundesbahnen waren 2024 so pünktlich wie nie. Und wenn der deutsche Nachbar nicht wäre, dann könnte sogar noch mehr drin sein.
Die Schweizer Bundesbahnen waren 2024 so pünktlich wie nie. Und wenn der deutsche Nachbar nicht wäre, dann könnte sogar noch mehr drin sein.
Wer als deutscher Bahnreisender über die Grenze in die Schweiz blickt, muss in Depression verfallen. Inzwischen ist der Abstand bei der Zuverlässigkeit der Züge ein Abgrund. Und anstatt kleiner wird er größer. „Die Züge waren im letzten Jahr so pünktlich wie nie zuvor“, vermelden jetzt die Schweizer Bundesbahnen (SBB). Die 92,5 Prozent Pünktlichkeit aus dem Jahr 2023 sind mit 93,2 Prozent noch übertroffen worden. Seit 2019 waren die Züge in keinem Jahr schlechter als zu 90,6 Prozent pünktlich unterwegs.
Die Fernzüge in Deutschland dümpelten hingegen 2024 bei 62,5 Prozent Pünktlichkeit, noch einmal schlechter als 2023. Und selbst wenn man den Nahverkehr nimmt, der laut Deutscher Bahn mit den Distanzen in der Schweiz eher vergleichbar sei, reißt die DB mit 90,3 Prozent die Schweizer Messlatte. Auch diese DB-Züge wurden 2024 unpünktlicher. Die Werte sind für Deutschland noch geschönt: In der Schweiz gelten Züge als pünktlich, wenn sie weniger als drei Minuten verspätet sind – bei der DB sind es sechs Minuten.
Entscheidend ist, dass vielen DB- Fahrgästen der Anschluss vor der Nase wegfährt. Nur 72 Prozent der DB-Fernverkehrskunden erreichen ihr Ziel pünktlich. In der Schweiz lag trotz oft knappster Übergänge die Anschlusspünktlichkeit bei 98,7 Prozent.
Wobei mitzuzählen ist, dass die Schweizer die Alpen und deren Wetterkapriolen bewältigen müssen – hier gab es im November einmal ein Schneechaos. Nach einem schweren Güterzugunfall war zudem im vergangenen Jahr der Gotthard-Basistunnel über Monate gesperrt. Der Ersatzfahrplan lief aber stabil. Das Rezept? „Die hohe Zuverlässigkeit des Rollmaterials und der Infrastrukturanlagen trug maßgeblich zur positiven Entwicklung bei,“ sagen die SBB.
Wenn der deutsche Nachbar nicht wäre, dann wäre in der Deutschschweiz noch mehr drin gewesen. „Die schlechte Qualität des internationalen Personenverkehrs hatte negative Auswirkungen“, sagen die SBB und nennen dabei diplomatisch die DB nicht beim Namen. Die Schweizer lassen inzwischen stark verspätete Züge aus Deutschland gar nicht mehr ins Land.