Puls kontrollieren Herzrasen nach dem Filmdreh: „Da fing ich an, mir Sorgen zu machen“
Wie schnell das Herz aus dem Takt gerät, hat der Schauspieler Marek Erhardt selbst erfahren müssen – was ihm geholfen hat und warum er allen zum Pulscheck rät.
Wie schnell das Herz aus dem Takt gerät, hat der Schauspieler Marek Erhardt selbst erfahren müssen – was ihm geholfen hat und warum er allen zum Pulscheck rät.
Dass der eigene Körper einem nichts vorspielt, musste der Schauspieler Marek Erhardt auf die harte Tour kennenlernen: Nach einem Tennismatch für eine Filmszene wollte sich der damals 54-Jährige kurz ausruhen und merkte, wie sein eigenes Herz Kapriolen schlug: „Erst verspürte ich, dass mein Herz mehrfach gestolpert ist, dann hatte ich Herzrasen“, berichtet Erhardt, der vor allem aus Fernsehfilm-Produktionen wie „Das Traumschiff“ und Serien wie „SOKO Hamburg“ bekannt ist.
Er schob die Kapriolen zunächst auf eine mögliche Überanstrengung beim Dreh und dachte sich nichts dabei. Bis sein Herz erneut aus dem Takt geriet – dieses Mal beim abendlichen Entspannen auf der Couch. „Das fing ich an, mir Sorgen zu machen“, sagt Erhardt. Er ließ sich einen Termin beim Kardiologen geben. Nach einem Langzeit-EKG war die Diagnose klar: Erhardt litt an Vorhofflimmern.
Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung ist das Vorhofflimmern die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung: Bei nahezu zwei Millionen Bundesbürgern führt der Herzrhythmus ein unkontrolliertes Eigenleben. Je älter die Gesellschaft wird, desto häufiger tritt diese Form der Herzrhythmusstörung auf. So wird es in drei Jahrzehnten rund doppelt so viele Vorhofflimmerpatienten wie heute geben.
Für Erhardt ist es ein logischer Schritt gewesen, nach erfolgreicher Behandlung seiner Herzrhythmusstörung an die Öffentlichkeit zu gehen: „Jeder sollte die eigene Gesundheit im Blick haben“, sagt der 56-Jährige. Der TV-Schauspieler ist Botschafter einer Kampagne der Deutschen Herzstiftung und der Arbeitsgruppe Elektrophysiologie und Rhythmologie (AGEP) der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), die sich „Pulseday“ nennt (www.herzstiftung.de/pulseday). Sie hat es sich zum Ziel gemacht, mehr Bewusstsein für die Puls-Selbstmessung zu schaffen – stets am 1. März. Das Datum ist bewusst gewählt: Mindestens einer von drei Menschen in Europa entwickelt im Laufe seines Lebens Herzrhythmusstörungen.
„Regelmäßig den eigenen Puls zu fühlen und zu messen, ist eine einfache Möglichkeit, um zu überprüfen, wie es um die eigene Herzgesundheit steht“, sagt Erhardt. Er hat dafür stets seine Smartwatch am Handgelenk mit EKG-Funktion, die den Puls zuverlässig misst und aufzeichnet.
Doch es geht auch ohne Wearables, versichern die Experten der Deutschen Herzstiftung: Um den Puls am Handgelenk zu fühlen, sollte man sich fünf Minuten hinsetzen. Dann den Zeige- und Mittelfinger an die innere Seite des Handgelenks legen, direkt unterhalb des Daumens, bis ein Pochen zu erspüren ist. Um die Herzfrequenz zu ermitteln, sollte man für 30 Sekunden den Herzschlag zählen und den Wert verdoppeln. Ein Wert von 60 bis 80 Schlägen pro Minute gilt als normal.
Zeigt der Puls Auffälligkeiten, sollte man sie mit dem Arzt besprechen, raten Experten von der Deutschen Herzstiftung. Denn Wearables sollten nicht als Ersatz für professionelle medizinische Beratung dienen. Die Gründe für einen gestörten Pulsschlag könnten vielseitig sein, und nicht jeder Stolperer sei Grund zur Besorgnis: zusätzliche Herzschläge, Extrasystolen genannt, sind ungefährlich, wenn das Herz ansonsten gesund ist.
Anders sieht es bei angeborenen Herzrhythmusstörungen aus – und bei solchen, die aufgrund einer Erkrankung entstanden sind: etwa einer Verengung der Herzkranzgefäße, einem Klappenfehler oder einer Herzschwäche. Nicht zuletzt steigert ein ungesunder Lebensstil das Risiko für eine Herzrhythmusstörung. Denn dieser begünstigt hohen Blutdruck, Diabetes mellitus, Schlafapnoe oder Gefäßerkrankungen.
Hinzu kommt das Alter: So steigt das Risiko für Herzrhythmusstörungen ab 55 Jahren. Das Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Es schränkt die körperliche Belastbarkeit ein und mindert die Lebensqualität. Auch kann es zu weiteren Herzerkrankungen wie einer Herzschwäche führen. Schlimmstenfalls drohen lebensgefährliche Folgen – wie etwa den Schlaganfall.
In den meisten Fällen gelingt es Ärzten, das Herz wieder in Takt zu bringen – etwa mit Medikamenten, einem kurzen Elektroschock oder zunehmend mit einem Verfahren, mit dem auch im Jahr 2023 das Vorhofflimmern des TV-Schauspielers Erhardt erfolgreich therapiert wurde: der Katheterablation.
Weil sein Vater schon mit Mitte Fünfzig einen Schlaganfall erlitten hatte – einer typischen Gefahr, die aus einem Vorhofflimmern folgen kann – wurden bei dem Schauspieler die Muskelzellen in den Vorhöfen, die die störenden Signale aussendeten, verödet. Seitdem verspürt der 56-Jährige keine Herzrhythmusstörung mehr. „Mir ist der Satz meines Chirurgen hängen geblieben, der meinte: Am Herzen lässt sich heute fast alles reparieren – wenn die Erkrankung nur rechtzeitig entdeckt wird“, berichtet Erhardt im Podcast „imPuls“ der Herzstiftung.
Es braucht also mehr Prävention, fordern die Herz-Experten. „Indem mehr Menschen das Selbstmessen des Pulses im Alltag routinemäßig durchführen, können sie sich vor unentdecktem Vorhofflimmern und damit vor den Folgen wie Schlaganfall und Herzschwäche schützen“, betont der Kardiologe Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Auffälligkeiten können so ärztlich geklärt und eine diagnostizierte Rhythmusstörung wie Vorhofflimmern frühzeitig behandelt werden.“
Die Gründer des Pulsedays sind vor allem in den Sozialen Medien aktiv: Dort werden typische Fragen beantwortet – wie hoch etwa der Puls bei bestimmten Aktivitäten wie Joggen, Musikhören oder Arbeiten schnellen kann? Welchen Einfluss haben Genussmittel wie Alkohol und Nikotin auf den Puls? Auch gibt es Tipps, wie sich der Puls beruhigen lässt.
„Wer regelmäßig einen ungewöhnlich hohen Puls in Ruhe von über 100 Schlägen pro Minute bei sich feststellt oder einen sehr niedrigen mit Anzeichen von Herzproblemen wie beispielsweise Schwindel oder Ohnmacht, der sollte unbedingt einen Arzt aufzusuchen“, sagt der Kardiologe Roland Tilz vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Direktor der Klinik für Rhythmologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Er ist Mitglied im Pulseday-Gründungskomitee. Inzwischen gibt es sogar ein eigenes digitales Maskottchen, das „Pulsi“ genannt wird und die Nutzer freundlich an das tägliche Pulsmessen erinnert.
Marek Erhardt kennt inzwischen die Zeichen seines Körpers genau: „Ich achte inzwischen sehr auf meine Gesundheit“, sagt der Schauspieler. Er treibe mehr Sport, habe seine Ernährung umgestellt und mit dem Rauchen aufgehört. Und er geht nun häufiger spazieren. „Ich nehme mir jeden Tag einen Moment Zeit, und versuche mir bewusst zu machen, wie es mir gerade geht“, sagt er. Täglich fühlt er dabei auch seinen Puls – zur Sicherheit.
Erwachsene
Normal ist ein Ruhepuls mit 60 bis 80 Schlägen pro Minute. Ein Wert unter 60 deutet auf einen verlangsamten Herzschlag (medizinisch Bradykardie), wobei erst Werte unter 40 wirklich kritisch sind. Ein Puls mit mehr als 100 Schlägen deutet auf einen beschleunigten Herzschlag (medizinisch Tachykardie). Vor allem im Alter sind etwas höhere Pulswerte normal. Frauen haben einen höheren Ruhepuls als Männer. Das Herz von Frauen schlägt im Schnitt drei Schläge pro Minute schneller.
Kinder
Bei Kindern ist altersabhängig der Puls in der Regel höher. So kann der Puls bei Neugeborenen 120 bis 140 Schläge pro Minute aufweisen, bei Kleinkindern 100 bis 120 Schläge, bei älteren Kindern und Jugendlichen 80 bis 100 Schläge.