Dass der Bau des „Pulse“, des neuen Wohn- und Geschäftshauses geglückt ist, das sah man schon am ersten Tag. Bei der Einweihung am Donnerstag saßen die Menschen schon an den Café-Tischen der Bäckerei Veit oder strömten in Massen durch den neuen Durchlass zwischen Olgastraße und Wolfgang-Brumme-Allee, für den sich der Name „Fuge“ eingebürgert hat.
Rainer Ganske, der Chef der Böblinger Baugesellschaft (BBG), hatte mit viel Willenskraft und noch mehr Engagement das alte City-Center ersetzt und das neue Gebäude-Ensemble erschaffen mit Tiefgarage und Wohnungen sowie fünf Geschäften für die Nahversorgung. Am Donnerstag haben sie alle auf einen Schlag eröffnet.
Im Mittelpunkt stand der Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne), der die Maxime seiner Politik so beschrieb: „Nicht die Kraft im Kampf gegen das Alte verschwenden, sondern für das Neue verwenden.“ Dieses Gebäude bringe die Böblinger Unterstadt klar voran, und die vier Jahre Planung und Bau hätten sich gelohnt. Die „Fuge“ lade ein zum Flanieren, vor allem, weil die Architekten alle Eingänge der fünf Geschäfte in die „Fuge“ gelegt hätten. Alles in allem sei der Bau ein entscheidender Schritt von der autogerechten Innenstadt zur menschengerechten Innenstadt.
Lebensmittel en masse
Unter dem Dach des Schweizer Einzelhandelsriesen Migros befindet sich die Fuldaer Lebensmittel-Kette Tegut, die jetzt unter dem Dach des „Pulse“ in Böblingen aktiv ist. Seit zehn Jahren vergrößert sich die Kette auch in Süddeutschland, zuerst in Stuttgart und Ludwigsburg, jetzt auch in Böblingen, wie der Expansionsleiter Martin Kühner berichtet. 15 000 verschiedene Produkte bietet die Filiale an, davon 3200 Bioprodukte und 1000 regionale Erzeugnisse. Knifflig sei es gewesen, das ganze Sortiment auf der Fläche im Pulse unterzukriegen, sagt Kühner. Tegut will nicht nur die Waren für den Wochenendeinkauf bereitstellen, sondern auch für den schnellen Stopp zwischendurch.
Eine Filiale in Bewegung
Keine neue Filiale hat der Sportartikel -Händler Decathlon gebaut, sondern seine alte aus den Mercaden umgezogen, auf eine Fläche, die vier Mal so groß ist. Man sieht den Unterschied deutlich, die Gänge sind breit, man entdeckt Artikel, die man aus der alten Filiale nicht kannte. „Wir können hier viel mehr Sportarten und einen viel umfangreicheren Service anbieten“, sagt der Expansionsleiter Niklas Proyer. 40 Mitarbeiter kümmern sich um die Kunden, fast doppelt so viele wie in der alten Filiale – aber immer noch zu wenig. In den Hauptgeschäftszeiten sollen 60 bis 70 Angestellte hier arbeiten.
Der klassische Discounter
„Das ist eine ganz besondere Filiale“, sagt der Aldi-Immobilien-Chef Andreas Grupp, nicht von der Größe her, da sei es mit etwas über 1000 Quadratmetern eher ein mittlerer Standort, sondern vom Grundriss. Anstelle des gewöhnlichen Grundrisses mit vier Gängen, ist in Böblingen ein quadratischer Raum entstanden, mit einer kompakten Fläche und zahlreichen Regalen. Außergewöhnlich ist auch die offene, schwarz gestrichene Decke, die dem Raum etwas Luftiges verleiht. Vor Ort war auch Sabine Karls, die Geschäftsführerin von Aldi Süd in Aichtal, der 101. Aldi-Markt in ihrem Bezirk. Sabine Karls hatte es an diesem Donnerstag eilig, denn sie musste schon die Eröffnung des 102. Marktes vorbereiten – am Freitag in Tübingen.
Der Ginkgo steht für Gesundheit
Die DM-Filialleiterin Sonja Ober musste am Mittwochabend schon die ersten Einkaufswilligen wegschicken, die sich mit Drogeriewaren eindecken wollten, und auf den Donnerstag verweisen, an dem die Filiale eröffnete – wieder eröffnete, denn zuvor war der DM auf der anderen Straßenseite der Wolfgang-Brumme-Allee untergebracht gewesen. Der Markt ist in Pastellfarben gehalten, optische Elemente, wie aufgemalte Ginkgo-Blätter für den Gesundheitsbereich, helfen den Kunden, sich zu orientieren.
Von Brezeln, Kuchen und Croissants
Vor der neuen Filiale der Bäckerei Veit knüpften die Verkäuferinnen gelbe Luftballons an die Eingangstür und verteilten süße Stückle ans Publikum. 48 Filialen unterhält die Bäckerei-Kette, die von Cornelia Veit geleitet wird. „Wir produzieren mit regionalen Rohstoffen“, sagt die Geschäftsführerin. Sie ist gelernte Innenarchitektin und das schlägt durch: Dezente Fotografien an den Wänden, Bildschirme mit Angeboten und Produkten. Damit die natürlichen Farben der Backwaren besser zur Geltung kommen, hat sie die Einrichtung teils in Schwarz gehalten.