Punk-und-Nazi-Horror in „Green Room“ Captain Picard kann auch anders

Von Wolfram Hannemann 

Eine Punkband gerät in einen Nazischuppen und in Lebensgefahr in einem mit Humor angereicherten, extrem blutigen Action-Feuerwerk. In einer Hauptrolle als Obernazi: Patrick Stewart alias Captain Picard.

Als Chef einer Neonazibande erinnert Patrick Stewart (Mitte vorn) kaum noch an Captain Picard aus „Star Trek“. Foto: Universum
Als Chef einer Neonazibande erinnert Patrick Stewart (Mitte vorn) kaum noch an Captain Picard aus „Star Trek“. Foto: Universum

Stuttgart - Dankbar für jeden Auftritt in schlechten Zeiten, spielt die abgehalfterte Punkband Ain’t Rights in einem mit Neonazis vollgestopften Konzertschuppen im US-amerikanischen Hinterland – und gibt ausgerechnet den Song „Fuck Off, Nazi Punks!“ zum Besten. Nach dem Konzert werden sie dann auch noch Zeuge eines Mordes: Eine junge Frau liegt mit einem Messer im Kopf regungslos auf dem Boden des Backstage-Raumes. Nur eine Tür trennt jetzt noch Band und Nazis. Und Letztere sind fest dazu entschlossen, die unliebsamen Zeugen zu eliminieren.

Mit bösem Humor gespicktes Schlachtfest

Situation und Ambiente in Jeremy Saulniers hartem Actionfilm erinnern an berühmte Vorbilder wie „Rio Bravo“ oder „Anschlag bei Nacht“, in denen sich eine kleine Minderheit gegen einen zahlenmäßig überlegenen Gegner zur Wehr setzen muss. Nicht ohne ein lausbübisches Grinsen entfacht Saulnier ein extrem blutiges Feuerwerk, das eine Altersfreigabe nicht unter 18 Jahren mehr als rechtfertigt. Dabei ist ihm auch noch ein Besetzungscoup gelungen: Kein Geringerer als Sir Patrick Stewart alias Captain Picard aus „Star Trek – The Next Generation“ mimt den Obernazi, der mit stoischer Ruhe und beängstigender Entschlossenheit seine Schergen auf die armen Punks hetzt. Sie gehen nicht nur mit scharfer Munition und gewetzten Messern gegen die Verbarrikadierten vor, sondern auch mit abgerichteten Kampfhunden – jemand muss ja schließlich dafür sorgen, dass von den lästigen Zeugen nichts übrig bleibt!

Delikates Detail am Rande: Im englischen Original hören die zähnefletschenden Vierbeiner natürlich auf deutsche Kommandos. Das mit viel bösem Humor gespickte Schlachtfest überzeugt in Besetzung (man liebt die Punks, hasst die Glatzen), Kameraarbeit (Cinemascope trotz beengtem Raum) und genreüblichen Splatter-Effekten. Aber Obacht: nichts für zart Besaitete!

Green Room. Action/Thriller, USA 2016. Regie: Jeremy Saulnier. Mit: Imogen Poots, Anton Yelchin, Patrick Stewart, Alia Shawkat. 96 Minuten. Ab 18. Im Metropol, Ufa.