„Pussy Terror TV“ mit Carolin Kebekus Verschenkte Steilvorlagen

Von Antje Hildebrandt 

Der WDR gibt Carolin Kebekus eine zweite Chance: „Pussy Terror TV“ heißt die neue Show von Deutschlands frivolster Komikerin. Bei der Premiere ist noch reichlich Luft nach oben.

Carolin Kebekus (Zweite von links) mit Gästen in ihrer  neuen Show Foto: ARD
Carolin Kebekus (Zweite von links) mit Gästen in ihrer neuen Show Foto: ARD

Stuttgart - Ja, der Papst war auch da: Der Heilige Vater lächelte entrückt vom Cover einer Illustrierten, die neuerdings auch in Deutschland erscheint. „Mein Papst“, „für die aufgeklärte Frau ab 40“, Kochrezepte und Kreuzworträtsel inklusive. „Pray Boy“ – so nennt ihn Carolin Kebekus. Deutschlands schrägste Komikerin ist mit einer eigenen Show zurück im WDR – jenem Sender, mit dem sie sich über eine harmlose Kirchensatire zerstritten hatte. 2013 hatte Kebekus als Nonne verkleidet eine Kirche gerockt und am Kruzifix geleckt. Deutschlands Bischöfe fanden das nur mittellustig, der WDR strahlte das Video nie aus. Kebekus beklagte daraufhin öffentlich, sie fühle sich vom WDR „enteiert“.

Von ihren Fans wird die 34-Jährige als Ikone eines politisch unkorrekten Feminismus gefeiert. Ihre Salven gegen die katholische Kirche feuerte sie seither als Außen­reporterin der „heute-show“ im ZDF oder in ihrem Liveprogramm „Pussyterror“ ab. Von der Bühne zurück zum WDR war es dann nur ein kleiner Schritt: Der Sender und sein Intendant Tom Buhrow sind dabei, das Programm zu verjüngen. Das Genre Comedy spielt dabei eine wichtige Rolle. An Carolin Kebekus, vom RTL-Branchengipfel der Comedy-Produzenten schon zum zweiten Mal in Folge zu Deutschlands witzigster Frau gewählt, kommt man da nicht vorbei.

„Pussy Terror TV“ heißt die Show, die am Samstag Premiere hatte, wenig überraschend. Carolin Kebekus ist die kleine, ungehobelte Schwester von Anke Engelke. Eine Knallerfrau, die gerne damit kokettiert, dass ihr nichts zu peinlich sei. Sie parodiert Männer noch böser als Frauen, und dabei darf, nein, muss auch gerülpst werden. Doch die Provokation um der Provokation wegen läuft schnell ins Leere, wenn sie zum Selbstzweck wird. Und es war ausgerechnet Anke Engelke, die ihrer jungen Kollegin diesen Rat mit auf den Weg gegeben hat. Im Vorspann sah man die beiden, wie sie in der mit Schaum gefüllten Badewanne saßen, und die große Schwester mit staatstragender Miene zur kleinen sagte, sie trage jetzt die Verantwortung für alle, die stolz darauf seien, eine Vagina zu haben. Ordinäre Ausdrücke und tolle Möpse reichten aber nicht aus. „Dann hätten sie ja auch Melanie Müller fragen können.“

Die Gagschreiber fremdeln mit dem Gender-Mainstreaming

Ob Engelke da geahnt hat, woran „Pussy Terror TV“ krankt? Die erste Ausgabe lässt noch Luft nach oben. Dabei mangelt es nicht an Themen. Das Papst-Magazin, der Sekretärinnen-Porno „Fifty Shades of Grey“, die Frauenquote, die unerklärliche Anziehungskraft der IS-Kämpfer auf junge Europäerinnen. Alles Steilvorlagen für eine Gender-kritische Comedy, wie sie Kebekus massentauglich gemacht hat. Doch entweder hat ihr der WDR doch mehr Regeln auferlegt als die, „dass ich an allem lecken darf außer an Jesus“ (Kebekus). Oder die Gagschreiber fremdelten noch mit dem Gender-Mainstreaming.

Es gab die branchenüblichen Gags über den neuen Trend, dass in Hobbykellern jetzt eher gehauen als gehobelt wird. Jamie Dornan, der „entwurmte und geimpfte“ Hauptdarsteller von „Fifty Shades of Grey“, wurde zur Pussy des Monats gewählt, knapp vor dem Altkanzler Helmut Schmidt. Dessen Geständnis seines Seitensprungs reichte nur für einen schalen Gag: „Er hat mit der Enthüllung gewartet, bis seine eigene Ehefrau den letzten Lungenzug getan hat.“

Kurzum: wo „Pussy Terror TV“ draufsteht, ist immer noch Kebekus drin, ergänzt mit prominenten Gästen wie Thomas D. von den Fantastischen Vier und dem Moderatoren-Kollegen Klaas Heufer-Umlauf („Circus Halligalli“). Der war wohl auch ein kleines bisschen enttäuscht von der Premiere. Das ließ der Satz erahnen, der ihm nach seinem Auftritt über die Lippen rutschte. Gegen das, was er an diesem Abend gesehen habe, sei „Circus Halligalli“ was für Akademiker.




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