Putzmeister-Konzern Putzmeister ist sein Lebenswerk

Von Michael Ohnewald 
Das Baugewerbe brummte, der Mittelständler wuchs. Von Neugier getrieben, spezialisierte er sich in den sechziger Jahren auf größere Pumpen für Transportbeton. Die raue Masse lässt sich maximal 150 Meter in die Höhe pumpen, hieß es damals in der Branche. Schlechts patentierte Elefant-Betonpumpe brach den Rekord. 1977 schaffte der Newcomer beim Bau des Frankfurter Fernsehturms 310 Meter. Ein Jahr später waren es bereits 380 Meter beim Gotthardtunnel in der Schweiz, 1994 knackte Putzmeister die 500-Meter-Marke beim Kraftwerk Riva del Garda in Italien. Inzwischen sind 610 Meter das Maß der Dinge, erzielt am Burj Dubai, einem Wolkenkratzer am Persischen Golf.

Verlustfreies Firmenwachstum im Jahr 2005

Wo im großen Stil gebaut wurde, da waren die Ingenieure seiner Firma mit von der Partie. Der Tunnel unter dem Ärmelkanal, die Öresundbrücke zwischen Dänemark und Schweden, die Olympiabauten in Peking. Auch in Fukushima waren Putzmeister-Maschinen gefragt. Sie pumpten Kühlwasser in die Reaktoren.

Was Beschäftigte und Gewinn angeht, kannte Schlechts Firmengruppe über Jahrzehnte nur eine Richtung. 2008 feierte er 50 Jahre verlustfreies Firmenwachstum aus eigener Kraft. Dabei überstieg der Umsatz erstmals die Milliardengrenze. Weltweit standen vor vier Jahren noch 4200 Mitarbeiter auf den Lohnlisten der schwäbischen Firma. An den Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser, auch nicht bei Karl Schlecht. Kurz nach dem Firmenjubiläum schlug die Wirtschaftskrise voll durch. Die Bauboommärkte in Amerika und in Spanien brachen fast vollständig zusammen, in der Aichtaler Zentrale liefen Millionenverluste auf. Erstmals in der Firmengeschichte mussten Hunderte von Mitarbeitern gehen. Bittere Zeiten für die Betroffenen und für den Gründer. Das hat ihn geprägt – und wohl auch den Boden bereitet für den Verkauf an die Chinesen.

Keinen Cent verdient

Ein alter Mann bestellt sein Feld. „Ich habe keinen Cent an diesem Geschäft verdient“, stellt Schlecht klar. Die Chinesen überweisen mehr als 300 Millionen Euro an seine Stiftungen. 1998 hat er sein Unternehmen an die gemeinnützige Karl-Schlecht-Stiftung (KSG) übertragen, die 99 Prozent der Putzmeister-Aktien gehalten hat. Ein Prozent lag bei der Karl-Schlecht-Familien-Stiftung (KSF). Der Namensgeber bewirkt seit Langem Gutes damit. Finanziert wurden zwei Lehrstühle, einer für Unternehmertum an der Universität Hohenheim und einer für Windenergie am Institut für Flugzeugbau der Universität Stuttgart. Verschrieben hat sich Schlecht auch der Weltethos-Idee um den Tübinger Theologen Hans Küng, die er in Zukunft noch mehr fördern will. Dahinter steckt die Vision eines globalen Umdenkens. Schlecht ist überzeugt, „dass das Bewusstsein der Menschen verschiedenen Glaubens gelenkt werden kann auf die doch gleichen elementaren ethischen Werte ihrer Religionsgründer“. So könne das Zusammenwirken in der Wirtschaft dieser Welt menschlicher werden. Wo Religionen eher trennen, trage die Weltethos-Idee dazu bei, „Menschen zu einen“.

„Der Chef von Sany wird sich an Weltethos beteiligen“, kündigt der Patron von China aus an, während zu Hause in seinem Werk die Angst vor der Zukunft umgeht. „Was Besseres“, sagt Karl Schlecht, „konnte Putzmeister gar nicht passieren.“