Putzmeister-Konzern Das Erbe des Herrn Schlecht

Von Michael Ohnewald 

Karl Schlecht ist ein eigenwilliger Patriarch. Vor fünfzig Jahren legte er den Grundstein für den Putzmeister-Konzern. Jetzt hat er an die Konkurrenz aus China verkauft.

Karl Schlecht in seinem Büro in Aichtal. Foto: Reiner Pfisterer
Karl Schlecht in seinem Büro in Aichtal. Foto: Reiner Pfisterer

Aichtal - Der Rücken schmerzte, die Muskeln brannten. Säcke mit Putz schleppte der Student Schlecht in den Ferien am Bau in die oberen Etagen eines Rohbaus, in dem sein Vater den Speis noch von Hand an die Wand warf. „Wenn’s da bloß a Maschin gäb“, fluchten beide.

Manchmal beginnen auf dieser Art Geschichten schwäbischer Tüftler, und wenn es gutgeht, steht ihr Name am Ende in einer Reihe mit Erfindern wie Leibinger, Stihl oder Kärcher. Bei Karl Schlecht ist es gut gegangen. Nach dem Ingenieurstudium an der Universität Stuttgart konstruierte der Sohn des Gipsermeisters Schlecht aus Bernhausen 1958 als Diplomarbeit eine Verputzmaschine für Vaters Geschäft und nannte sie P1. Mit seinem Slogan „Putzmeister verputzt meisterhaft“ wurde sie zum Grundstock seiner globalen Firmengruppe, die im vergangenen Geschäftsjahr mit 3000 Mitarbeitern einen Umsatz von 570 Millionen Euro eingefahren hat.

Millionär, Hobbyphilosoph und Mäzen

Lange her. Karl Schlecht ist jetzt 79 und vielleicht auch ein kleines bisschen müde. Millionär ist er, Hobbyphilosoph und Mäzen. Noch immer kommt er fast jeden Tag ins Büro der Putzmeister-Firmenzentrale in Aichtal bei Stuttgart. Manchmal bringt er dort philosophische Ergüsse zu Papier, die so eigenwillig sind wie der Autor selbst. „Management by Love“, predigte Schlecht den Seinen und verfasste zur Erbauung der Belegschaft persönliche „Gebote“, die er auf seine Website stellte . Jedem Firmenangehörigen legte er ans Herz, den hausinternen Leitfaden mindestens einmal im Jahr zu lesen. In Abhandlungen mit hübschen Titeln wie „Sexy Six – sechs Kriterien für unternehmerisches Denken“ erklärte der Seniorchef seine Sicht auf die Welt der Umsätze und Grundsätze.

Die Sorge um beide, die Umsätze und die Grundsätze, haben Schlecht jetzt bewogen, sein Lebenswerk aus der Provinz Esslingen in die schaffigen Hände der Konkurrenz aus der Provinz Hunan zu legen. Ein Schritt, der aufhorchen lässt. Es kommt schon mal vor, dass Chinesen in angeschlagene Firmen einsteigen. In diesem Fall verkauft eine gesunde Firma von sich aus. Putzmeister gehört in Zukunft zur Sany Heavy Industry Co. Ltd aus Changsa. In den Augen von Schlecht ist das gut.

Globaler Marktführer für Betonpumpen

Die neuen Eigentümer sind die Nummer eins in China, dem größten und am stärksten wachsenden Markt für Betonpumpen. Der Zusammenschluss mit der Firma Putzmeister, als nach wie vor führendem Anbieter in den meisten Märkten außerhalb Chinas, folge einer klaren Logik. Das Ergebnis sei ein globaler Marktführer für Betonpumpen. „Ich bin überglücklich“, sagt Karl Schlecht. „Das war eine meiner besten Entscheidungen.“

Der Patriarch weilte bei den Chinesen und besuchte ihre Werke. „Wir können uns eine Scheibe von denen abschneiden“, sagt Schlecht, derweil sich zu Hause in Aichtal die Belegschaft fragt, ob sich die Chinesen nicht alsbald die größte Scheibe von Putzmeister abschneiden. Der Firmengründer hält diese Sorge für abwegig. Mit den Partnern aus Fernost liege er auf einer Wellenlänge. „Wir haben intensiv über Werte und über Menschlichkeit gesprochen.“

Diese Werte sind Schlecht wichtig, der als Berater weiter im Hintergrund bleiben will. Putzmeister ist sein Lebenswerk. Das gibt einer wie er nicht einfach auf. Als junger Ingenieur hat Schlecht einst im Gerüstschuppen des Vaters seine erste Firma KS-Maschinenbau gegründet. Beim Dorfschmied schweißte er die Rahmen seiner Apparate, der örtliche Elektriker zog die Kabel, und der Chef montierte in der Garage die Pumpeinheit. Im ersten Jahr produzierte Schlecht 50 Verputzmaschinen, im nächsten Jahr waren es bereits 100. 1961 baute er in Bernhausen sein erstes Produktionswerk und taufte das Unternehmen in Putzmeister um.