Die Leute kamen aus nah und fern. Aber dieses Jahr ist alles anders – auch für den Fellbacher Pyrotechniker. Dabei war alles vorbereitet, wie immer. Vom Ordnungsamt Fellbach war bereits jemand bei ihm gewesen, Notter hatte für den Corona-konformen Verkauf sogar eine zusätzliche Tür in seinen Verkaufsraum gebaut. „Damit es einen Ein- und einen Ausgang gegeben hätte“, sagt er. „Das Ordnungsamt war einverstanden, alles war genehmigt.“ Nun bleiben alle Türen zu.
„Ich bekomme viele Mails und Anrufe“, berichtet Notter von Menschen, die ihn überreden wollen, ihnen doch zumindest privat Knaller und Raketen zu verkaufen. „Das mache ich nicht“, sagt er und hat auch kein Verständnis für die Regelung, dass die Leute zu Silvester auf privatem Grund Feuerwerkskörper zünden dürften, „Dann fahren sie ins Ausland und holen sich dort die Sachen, das ist doch Blödsinn“, warnt er vor möglichen Sicherheitsrisiken.
Verordnungen gut – aber zu spät bekannt gegeben
Vor mehr als 20 Jahren hat Peter Notter die Ausbildung zum Pyrotechniker gemacht und sein Hobby seither immer mehr ausgebaut. Im Hauptberuf ist er allerdings immer Sozialpädagoge geblieben. Damit ist nächstes Jahr Schluss. Peter Notter ist dann 65 und hätte dann noch mehr Zeit für seine Hobbys, Musik machen als Frontmann bei der Molch Combo – und Feuerwerke inszenieren. Beides ruht aktuell wegen Corona.
Aber Peter Notter steckt den Kopf nicht in den Sand. „Ich verstehe die Verordnungen der Landesregierung absolut, sie sind richtig und notwendig.“ Dennoch hätte er sich gewünscht, dass die Regelungen, dass auf öffentlichen Plätzen zu Silvester keine Feuerwerke gezündet werden dürfen und kein Verkauf von Feuerwerkskörpern stattfinden darf, früher bekannt gegeben worden wären. Peter Notter hat nämlich sein Lager voll.
Die Feuerwerkskörper, die er vor Silvester bei seiner Firma Blitz & Donner verkauft hätte, hat er lange im Vorfeld geordert und vor Weihnachten geliefert bekommen. „Es ist keine Kommissionsware“, sagt er, er muss also alles Vorfinanzieren. Jetzt hat er alle Produkte feuersicher in ein Lager verfrachtet, „die Ware ist hochexplosiv“. Immerhin: er kann sie, sobald wieder Feuerwerke erlaubt sind, zu einem späteren Zeitpunkt verwenden. Peter Notter weiß, wie man mit Feuerwerk umgeht. Er hat 1998 die Ausbildung zum Pyrotechniker in Bayern gemacht, alle fünf Jahre erneuert er den Schein. Um ihn zu behalten, muss er jedes Jahr mindestens ein Feuerwerk zünden.
Das hat er in diesem Jahr noch geschafft – im August hat er in Schmiden ein privates Feuerwerk für eine Hochzeit inszeniert. Davor und danach ging indes wegen der Pandemie nichts. Viele Abläufe für Feuerwerke sind in seinem Computer gespeichert. Es sind detailreiche Inszenierungen, auf die Sekunde genau geplant. Auch das Feuerwerk für den Fellbacher Herbst hat er auf der Festplatte gesichert, samt Musik. „Die Stadt Fellbach beauftragt mich nicht nur seit Jahren mit der Zusammenstellung des Feuerwerks, sondern auch mit der Musikauswahl“, erzählt er und schwelgt in Erinnerungen.
Im Jahr als Michael Jackson starb, 2009, habe er das Feuerwerk zum Herbstfest ausschließlich mit dessen Titeln untermalt. „Da kriege ich heute noch Gänsehaut, wenn ich dran denke.“ Die Resonanz sei überwältigend gewesen. Das Feuerwerk zum Herbst hat Tradition, es wird stets am Sonntagabend vom Dach der Schwabenlandhalle gezündet, immer von Peter Notter.
Nach dem letzten Jahr, als auch die Remstal Gartenschau ihm manchen Auftrag bescherte, hatte auch 2020 zunächst gut begonnen. Notter war fest gebucht für das Laternenfest in Waiblingen, zwei Firmenfeiern und ein Fest in Rottenburg. Feuerwerke sind das ganze Jahr über gefragt, nicht nur von Städten und Gemeinden zu Silvester oder anderen Anlässen, sondern auch bei Firmen-Events, Geburtstagen und Hochzeiten. „Spätestens wenn ich brennende Herzen in den Himmel schieße, weint jede Schwiegermutter“, sagt Peter Notter.
Es gibt Raketen, die ein Smiley zeigen
Natürlich habe er erhebliche Einnahmeverluste, sagt er. Aber es geht ihm nicht in erster Linie darum. Ihm fehlt auch das Handwerkliche, das Kreieren von Effekten, der Nervenkitzel, die Herausforderung durch das Wetter. In Aldingen etwa hat es voriges Jahr bei einem Gartenschau-Event in Strömen geregnet. Ihm fehlt zudem die Reaktion des Publikums.
Dieses Jahr sei wie ein Teufelskreis, die Veranstaltungsbranche sei hart gebeutelt. Etwa 30 große Feuerwerker gebe es in Deutschland, die eine riesige Bandbreite anbieten könnten. „Es gibt sogar leise Feuerwerke“, sagt Notter, der auch in diesem Jahr auf Spezialmessen unterwegs war, um die neuesten Effekte und Techniken kennenzulernen und zu ordern. Dazu gehörten Gold-Fächer, Smiley-Raketen, bei denen für eine halbe Sekunde ein Kreis mit zwei Augen und einem Mund sichtbar wird. Die wird er bestimmt in seine ersten Feuerwerke einbauen, die nach Corona wieder gezündet werden dürfen. Das Lachen hat Peter Notter trotz dieses schwierigen Jahres als Pyrotechniker nämlich nicht verlernt.