Kindern radikale Theorien näherzubringen muss nicht kompliziert sein. Das weiß offensichtlich auch der Comicbuchzeichner Thomas Alwin Müller aus Filderstadt. Manchmal reicht es für ein solches Vorhaben, sich einen prominenten Verschwörungserzähler wie Friedemann „Mäckle“ Mack aus dem Kraichgau als Protagonisten auszusuchen, zu dem dann über eine sympathisch anmutende Figur Vertrauen aufgebaut werden soll.
Das klingt dann so: „Unser Mäckle setzt sich für die Wahrheit in dieser Welt ein“ oder „Aber viel mehr wollte unser Mopf Zeit mit Herzmenschen verbringen, die sich für die neue Welt einsetzen“. Mopf ist der Name einer Comicfigur. Sie ist eine Erfindung von Thomas Alwin Müller. Auf seiner Homepage gibt er an, den Charakter im Jahr 2000 erfunden zu haben.
Karikatur mit Trump-Kappe
Im Laufe der Jahre sind mehrere Minibücher mit der Hauptfigur erschienen. So wie vor Kurzem das 11,5 mal 9,5 Zentimeter große Heft mit dem Titel „Mopf trifft Friedemann Mack“. Auf dem Cover ist auch eine Karikatur abgebildet, die den Verschwörungserzähler Mack darstellen soll. Darauf trägt er eine Kappe, auf der ein Logo des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump abgebildet ist. In dem Buch trifft der kuschelige und gut gelaunte Mopf auf den ebenso mit seiner guten Laune werbenden Verschwörungserzähler Mack und lässt sich etwas über angebliche Wahrheiten erzählen.
Wer durch den Telegram-Kanal von Friedemann Mack scrollt, kann einen Eindruck davon erhalten, wie diese Wahrheit und die neue Welt aussehen soll. Laut der Rechercheplattform Lighthouse Reports ist Mack eine der Personen mit der größten Reichweite für die QAnon-Verschwörungserzählungen in Europa. Er verkaufe unter anderem auch Merchandise-Artikel, die auf QAnon schließen lassen. Anhänger dieser Theorie glauben daran, dass ein Kult aus Satanisten und Pädophilen die Regierung kontrollieren würden. Dennoch hat der Verschwörungserzähler aus dem Nordwesten Baden-Württembergs mehr als 124 000 Abonnenten auf seinem Telegram-Kanal, die offenbar regelmäßig seine düsteren Halbwahrheiten konsumieren.
Klimatheorien in Kinderbüchern
In einem Video äußert sich Mack auch zu seiner Zusammenarbeit mit dem Filderstädter Künstler. Er lobt, dass Kindern mit den Büchern Informationen darüber gegeben würden, dass CO2 nichts mit dem Klima zu tun habe – außerdem würden laut Mack auch Fakten dazu vermittelt.
Der Filderstädter Thomas Alwin Müller ist kein unbeschriebenes Blatt. Das Recherchekollektiv „Filder Nazifrei“ hat bereits regelmäßig darüber berichtet, wie Müller von November 2021 an einer der Initiatoren von Anti-Corona-Demonstrationen auf den Fildern gewesen sein soll. Die Stadtverwaltung Filderstadt hatte im Januar 2022 dem Treiben ein Ende bereitet und entschieden, dass die Kundgebungen nicht mehr stattfinden durften. Laut Angaben der Stadt wurden alle Versammlungen, die in der Zeit in Filderstadt stattgefunden haben, ohne vorige Anmeldung organisiert.
Thomas Alwin Müller war im Jahr 2014 zudem als Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl in Weissach angetreten. Er hatte schon damals auch Kinder als eine Zielgruppe ausgemacht und war unter anderem als Clown aufgetreten. Unsere Zeitung hatte ihn damals in einem Porträt vorgestellt. Demnach sei damals schon nicht klar gewesen, ob seine Kandidatur wirklich ernst gemeint gewesen sei. Zumindest war sie damals nicht von Erfolg gekrönt. Müller hatte von den Wählerinnen und Wählern kaum Stimmen erhalten. Inzwischen findet man Videos im Netz, die ihn auf verschiedenen Demonstrationen mit Vertretern der rechten und verschwörerischen Szene zeigen.
*Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes war ein Tweet eingebettet, der auf eine mutmaßliche Mitorganisatorin vermeintlich verschwörungsideologischer Demos verwiesen hat. Diese erwähnte Frau möchte anonym bleiben, distanziert sich aber ausdrücklich von der QAnon-Bewegung.