Der Mitteilungsdrang mancher Wahlkämpfer hat bisweilen barbarische Züge – wenn Piraten zum Beispiel die Bühne der Kunst entern. Armin Käfer bloggt über einen, der nicht so recht auf die Bühne passen wollte.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Armin Käfer (kä)

Berlin - Der Wahlkampf bietet viele Bühnen. Aber manchen reichen die eigenen Podeste nicht. Sie halten ihre Propaganda für dermaßen wichtig, dass sie versucht sind, diese anderen förmlich aufzuzwingen. Das kommt auch bei Parteien vor, die sich die Freiheit der Information auf die Fahnen geschrieben haben.

 

Ein Erlebnis aus diesen Tagen erzählt davon: Es spielt in einem Berliner Park, dem so genannten Südgelände im wenig rebellischen Stadtbezirk Steglitz. Da wird an lauen Sommerabenden Shakespeare gespielt. Und passend zum Stück – „Der Sturm“ – stürmt mittendrin ein Zausel die Bühne, der im Personenverzeichnis der Komödie nicht aufgeführt ist, wegen seiner wirren Erscheinung aber auch für Caliban, den Wilden, gehalten werden könnte. Er trägt freilich ein Plakat zur Schau, das ihn als Piraten ausweist.

Die Schauspieler sind zunächst verdutzt. Miranda, die gerade einen Monolog vorträgt, fasst sich aber schnell und improvisiert über die Dreistigkeit mancher Gesellen, welche selbst die Freiheit der Kunst missachteten. Abseits der Bühne wird versucht, den wahlkämpfenden Kulturbanausen hinweg zu komplimentieren. Doch er gibt sich renitent. Bis es Prospero höchstselbst schließlich zu bunt wird, er dem Störenfried sein Plakat entreißt und es unter der Bühne verstaut.

Über Shakespeares fabelhaften Herzog heißt es schließlich schon im Original: „seine Kunst gibt ihm eine so große Gewalt, dass er im Stande wäre, meiner Mutter Gott Setebos zu bezwingen, und einen Vasallen aus ihm zu machen“. So weit gehen seine domestizierenden Bemühungen gegen den politisierenden Pausenclown dann doch nicht. Vielleicht ist ihm auch ein anderes Shakespeare-Zitat in den Sinn gekommen, welches das unerwünschte Intermezzo auf den Punkt bringt: „Der Narr hält sich für weise, aber der Weise weiß, dass er ein Narr ist.“