Mit den prominenten Wahlhelfern Angela Merkels ließe sich problemlos eine neue Folge des „Traumschiffs“ drehen – alles Leute, die unmittelbar den in Friseursalons ausliegenden Hochglanzmagazinen entstiegen sein könnten
Berlin - Der Wahlkampf von Angela Merkel erinnert ein bisschen an einen Friseursalon. Es wird über interessante Dinge gesprochen, über dies und das, was gerade so in den Gazetten steht. Aber der Ton ist eher unverbindlich. Man weiß nicht so recht, was man von diesen und jenen Aussagen halten soll, ob sie wirklich ernst gemeint sind. Es geht auch nicht immer um Politik, eher um die menschliche Seite dieses ansonsten bisweilen drögen Geschäfts.
Apropos, menschlicher Wahlkampf: Eine Kanzlerin findet natürlich immer prominente Unterstützer. Und auch diese glaubt man, irgendwie schon aus dem Friseursalon zu kennen. Das sind Leute, die unmittelbar den dort ausliegenden Hochglanzmagazinen entstiegen sein könnten. Der Modezar Wolfgang Joop zählt dazu, die Schauspieler Heiner Lauterbach, Sascha Hehn („Schwarzwaldklinik“) und Uschi Glas, die Sportidole Uschi Disl (Biathlon), Christine Theiss (Kickboxen) und Hansi Müller (Fußball).
Bei etlichen dieser Namen beschleicht einen das Gefühl, das Verfallsdatum ihrer Werbewirksamkeit könnte schon vor geraumer Frist abgelaufen sein. Aber die CDU ist ja auch eine konservative Partei, als solche schätzt sie womöglich die besondere Faszination vergangener Zeiten. Ausgerechnet die Kampfsportlerin Theiss fühle sich von Merkels „unaufgeregtem Regierungsstil“ angesprochen, so berichtet die CDU-Wahlkampfzentrale. Nach Ansicht von Uschi Glas, zuhause in der Münchner Schickeria, steht Merkel für „Bescheidenheit statt Protzigkeit“.
Die sozialdemokratische Konkurrenz konnte sich einst rühmen, dass viele Intellektuelle den roten Wahlkampf unterstützen. Legendär sind die Kampagnen des Schriftstellers Günter Grass zu Gunsten von Willy Brandt. Aber auch das liegt lange zurück – so lange, dass nicht einmal die Generation der Eltern von Erstwählern sich daran erinnern wird. Nun ist Grass den Genossen zwar treu geblieben. Ob seine Zwischenrufe („schmieriger Verrat“) zu den Aussichten eines Linksbündnisses der SPD im Wahlkampf sonderlich hilfreich ist, mag dahingestellt bleiben.