Quarantäne bei Olympia 2022 Nach Protest werden schlimme Zustände verbessert

Der nordische Kombinierer Eric Frenzel hat sich mit Corona infiziert und steckt in Quarantäne. Foto: imago/Sven Simon

Der deutsche Aufschrei gegen die extrem schlechte Quarantänelage des corona-positiven Olympiasiegers Eric Frenzel bei den Winterspielen in Peking hat eine positive Resonanz ausgelöst.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Zhangjiakou - Die Bilder sind unvergessen. Kakerlaken krabbelten durchs schmutzige Hotelzimmer in Yanqing, in dem der isolierte deutsche Rodler Tobias Arlt nach Testwettkämpfen auf der Olympiabahn im Dezember festsaß. Das Video ging viral, und das Internationale Olympische Komitee (IOC) versprach, dass sich Ähnliches während der Winterspiele nicht wiederholen werde. Hat es auch nicht, zumindest was die Schaben angeht. Unüberhörbare Kritik gab es am Wochenende dennoch. Auch aus dem deutschen Lager.

 

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In Quarantäne befinden sich derzeit die Kombinierer Eric Frenzel und Terence Weber sowie Eiskunstläufer Nolan Seegert. Vor allem Frenzel hatte es dabei zunächst schlecht getroffen. Die Zustände in dessen Hotel seien „unzumutbar“, erklärte Dirk Schimmelpfennig, der Chef de Mission des Teams D, am Samstag. Zu klein sei das Zimmer, nicht sauber, zudem mit schlechter Internetverbindung ausgestattet. „Das ist nicht gerade ein Grand Hotel“, meinte Stefan Pecher, der Arzt der Kombinierer, „ich würde mit meiner Familie da nicht unbedingt Urlaub machen wollen.“ Entsprechend war der Gemütszustand des dreimaligen Olympiasiegers.

Pecher betreut Frenzel bereits seit 17 Jahren – und lernte nun noch eine neue Seite an seinem Schützling kennen. „So habe ich ihn mental noch nie gesehen“, meinte der Mediziner, „nicht bei Niederlagen, nicht bei Situationen mit Pech bei Weltcups, Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen. Er war mental wirklich am Ende.“ Mittlerweile geht es Frenzel aber wieder besser.

IOC schaltet sich ein

Nachdem sich auch das IOC eingeschaltet hatte („Wir müssen das adressieren, das ist unsere Pflicht und Verantwortung“), wurde er in ein größeres und komfortableres Zimmer in einem anderen Hotel umquartiert. Danach hat auch er selbst sich zu Wort gemeldet. „Ich habe zwei Jahre lang alles dafür getan, mich nicht mit diesem Virus anzustecken. Zuletzt hat meine Frau sehr viele Entbehrungen auf sich genommen. Wir sind alle in Isolation gegangen, haben die Kinder aus der Schule und dem Kindergarten genommen. Jetzt reise ich zu den Olympischen Spielen an und bin genau in diesem Moment positiv. Das war ein großer Schock“, sagte er. „Ich habe jetzt glücklicherweise alles, was ich brauche, auch Möglichkeiten, Sport zu machen. Das Essen passt so weit. Ich muss jetzt geduldig bleiben und hoffe, bald hier rauszukommen.“ Dafür sind zwei negative PCR-Tests innerhalb von 24 Stunden notwendig.

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Der erste Wettbewerb der Kombinierer an diesem Mittwoch wird zwar ohne Frenzel und Weber stattfinden, die Ziele aber bleiben das zweite Einzel von der Großschanze und die Staffel in Olympiawoche zwei. Bundestrainer Hermann Weinbuch ist vorsichtig optimistisch: „Die ganze Mannschaft versucht, die beiden in Stimmung zu halten. Eric hat jetzt ein gutes Zimmer, Gott sei Dank. Das ist wichtig, denn das geht aufs Gemüt, und dann bist du mental ausgepowert, wenn du rauskommst.“ Klar ist allerdings, dass bei beiden Medaillenanwärtern keine Risiken eingegangen werden. „Wir reden von Hochleistungssport. Beide sind zwar symptomfrei, ob sie aber fähig sind zu starten, das steht auf einem anderen Blatt“, sagte Pecher, „ich muss sie schützen. Gesundheit geht vor Goldmedaille.“

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Klagen über den Zustand in einem Corona-Hotel gab es nicht nur aus der deutschen Mannschaft. Der russischen Biathletin Valeria Vasnetsova schmeckt vor allem das Essen nicht. Bei Instagram postete sie ein Bild einer ziemlich unappetitlichen Plastikbox. Darin enthalten: ein paar Kartoffeln, Nudeln, Fleisch, eine Sauce. Dieses Spar-Menü bekomme sie dreimal am Tag vor die Tür gestellt, erklärte die 24-Jährige. „Ich bekomme das jetzt seit fünf Tagen zum Frühstück, Mittag- und Abendessen“, schrieb sie weiter. „Ich habe viel Gewicht verloren, und meine Knochen ragen heraus. Ich schlafe den ganzen Tag, weil ich nicht einmal mehr die Kraft habe, aus dem Bett aufzustehen.“

Auf Mitleid darf die Biathletin indes nicht hoffen. Zumindest nicht von Alexander Tichonow (75). Laut „Bild“ attackierte der frühere Präsident des russischen Biathlon-Verbandes in einem Beitrag für das Internetportal „Sport 24“ nicht etwa die Olympiaorganisatoren, sondern seine eigene Athletin. „Bei den Spielen 1980 lebten wir in den USA wie in einem Gefängnis, und niemand hat sich beschwert“, sagte Tichonow, „für solche Klagen würde ich Vasnetsova die Zunge abschneiden. Sie sorgt mit ihrem Rotz für Unruhe im Team. Man muss Probleme in der Mannschaft klären, nicht im Internet jammern.“ Andere Länder, andere Sitten.

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