Quartalszahlen Mercedes in gefährlicher Abhängigkeit von den Verbrennern
Verbrenner-Autos retten noch das Quartalsergebnis von Mercedes. Mehr elektrische Unterstützung muss her, und das schnell, meint Peter Stolterfoht.
Verbrenner-Autos retten noch das Quartalsergebnis von Mercedes. Mehr elektrische Unterstützung muss her, und das schnell, meint Peter Stolterfoht.
Wenn bei einem Konzern von einem „soliden Ergebnis“ die Rede ist, gilt es genau hinzuhören. Dieser Begriff aus dem Betriebswirtschaftsdeutsch findet schließlich deshalb so oft Verwendung, weil er dehnbar ist und ein extrabreites Spektrum von Zuversicht bis Enttäuschung abdeckt. „Ein solides Ergebnis“ in Moll war es, mit dem Finanzvorstand Harald Wilhelm die Quartalszahlen von Mercedes jetzt zusammenfasste.
Es liest sich zunächst nicht dramatisch, wenn sich der Mercedes-Umsatz im Jahresvergleich von 37,7 auf 37,2 Milliarden Euro reduziert, der Gewinn um sieben Prozent von 3,99 auf 3,72 Milliarden Euro zurückgeht, was eine Umsatzrendite von 12,4 Prozent bedeutet. Dass sich der rückläufige Trend auch im vierten Quartal fortsetzen wird, ist das eigentliche Problem. Mercedes hebt in diesem Zusammenhang gezielt auf Engpässe bei der Lieferung von 48-Volt-Batterien ab, die den Kraftstoffverbrauch klassischer Verbrennerfahrzeuge reduzieren. Zulieferer Bosch kann damit erst 2024 wieder wie gewünscht dienen.
Dieser Fall zeigt, wie abhängig Mercedes weiterhin vom Verbrenner ist, auf den 90 Prozent des Absatzes entfällt. In China gelten die mit Kraftstoff betankten Stuttgarter Hochpreis-Fahrzeuge als Inbegriff von automobilem Luxus. Dennoch sind sie dort Auslaufmodelle, deren Tagen ganz schnell gezählt sind. Stellt sich doch China in Rekordgeschwindigkeit auf den E-Antrieb um. Der Zeitdruck auf Mercedes erhöht sich durch Chinas Elektro-Vorsprung in der Kombination mit einer erfolgreichen Aufholjagd einheimischer Hersteller im Premiumbereich.
Dem entgegensteuern will Mercedes in China unter anderem mit einer elektrischen G-Klasse. Auf dem weltweit größten Absatzmarkt soll das Mercedes-Geländewagen-Original nächstes Jahr seinem eigenen Klon von BYD entgegengesetzt werden. Ein Duell, das auch wichtige Hinweise liefert, ob Mercedes gut mit seiner Luxusstrategie fährt.