Quartier in Stuttgart Bisher seltener Eisspeicher beheizt diese 480 Wohnungen in Stuttgart

, aktualisiert am 18.03.2026 - 16:43 Uhr
Wohngebiet mit 480 Einheiten: Das Rosenstein-Quartier in Stuttgart-Nord ist inzwischen fast fertiggestellt, und die recht seltene Heizungsanlage ebenfalls. Rechts ein Blick in den Eisspeicher während des Baus. Foto: Lichtgut/Stefanie Bacher, Viessmann/privat

Die Bewohner im Rosenstein-Quartier in Stuttgart haben einen Eisspeicher als Energiequelle. Der Verantwortliche sagt: „Die Anlage macht sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch Spaß.“

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

Dem herkömmlichen Gullydeckel im Quartier sieht man nicht an, was er in Wahrheit ist. „Das ist das Mannloch“, erklärt Ulf Kühn. Falls man bei Problemen mal schnell runter müsste. Hier unter dem Spielplatz und den Laufwegen befindet sich ein riesengroßes Betonbecken, das 800 Kubikmeter fasst. Es handelt sich um einen von drei Eisspeichern im Quartier Rosenstein in Stuttgart-Nord. Die anderen beiden haben jeweils 600 Kubikmeter. Und damit wird hier geheizt.

 

Auf dem Gelände von einstmals Auto Staiger ist über die vergangenen Jahre ein Wohngebiet mit 480 Einheiten entstanden, aktuell läuft der vierte und letzte Bauabschnitt. Eine absolute Besonderheit, wegen der auch schon Delegationen aus anderen Ländern, aber auch hiesigen Stadtwerken da waren: wie die Bewohner hier heizen. Von der Stadt Stuttgart gab es einen Umweltpreis.

Ulf Kühn ist der Geschäftsführer von ImmoTherm, er betreut das Stuttgarter Projekt. Foto: Lichgut/Stefanie Bacher

Ulf Kühn ist Geschäftsführer der ImmoTherm, einer Tochter des Siedlungswerks, der Stadtwerke Tübingen und des Stadtwerks am See. Es seien die ersten drei Eisspeicher, die die Firma bisher gebaut habe. Aber die Erfahrung zeige: Es wird nicht die letzte sein. „Diese Anlage macht sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch Spaß.“

Wie der Eisspeicher in Stuttgart-Nord funktioniert

Doch wie bitteschön lässt sich mit Eis heizen? In dem Riesenreservoire befindet sich Wasser. Kühn zeigt auf ein Foto an einer Info-Stele in der Nähe des Gullys. Das Becken ist durchzogen von Wärmetauscher-Schlangen. Eine Großwärmepumpen-Anlage in der Heizzentrale im Keller entzieht dem Wasser Energie, wenn die Bewohner oben die Heizung aufdrehen oder duschen. Sinkt die Temperatur des Wassers im Eisspeicher, gefriert es irgendwann.

Bei der Vereisung wird die sogenannte Kristallisationsenergie freigesetzt – sie entspricht der Energie in einem Abkühlungsprozess von 80 auf 0 Grad Celsius. In dieser Phase kann die Anlage allein aus dem 800-Kubikmeter-Eisspeicher 80 Megawattstunden Wärme herausholen, sagt Kühn. Heißt: Je niedriger die Temperaturen im Eisspeicher sind, desto effizienter läuft der Speicherprozess. Damit könne die am Eisspeicher angeschlossene Wärmepumpenanlage bis zu 70 Prozent des Wärmebedarfs pro Jahr liefern.

So wird der Eisspeicher in Stuttgart aufgetaut

Würde das Wasser komplett bis zum Speicherrand vereisen, wäre der Speicher nicht nur entladen, sondern er würde auch Schaden nehmen. Die Wärmetauscher-Schlangen sind so angeordnet, dass sie dies verhindern. „Das Wasser wird von den Rändern her mittels Regenerationsleitungen immer wieder aufgetaut, vor allem im Sommerhalbjahr“, sagt Kühn. Zum einen über eine PVT-Anlage – ein Mix aus Photovoltaik und Solarthermie – auf den Dächern. Zum anderen aber auch über die Wärme in den Wohnungen. Über die Regelung der Fußbodenheizung können die Bewohner im Sommer sogar Kühlung anfordern; dann werde ganz sachte abgekühlt, erklärt Ulf Kühn.

Der Eisspeicher ist allerdings nicht die einzige Wärmequelle. Er deckt bei den Häusern, die 2017 gebaut wurden, rund 50 Prozent des Bedarfs ab, bei den Häusern der Bauabschnitte drei und vier seien es 70 Prozent, sagt Kühn. Der dritte Eisspeicher sei derzeit noch im Bau.

Der jeweilige Rest ist mit einem Brennwertkessel und einem Blockheizkraftwerk aktuell fossil, aber sehr effizient, wie Kühn betont. Der Wärmepreis liege bei 1,10 Euro pro Quadratmeter, bei einer 100-Quadratmeter-Wohnung seien dies 110 Euro im Monat.

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