Quartierskonzept Heslach Die Zukunft im Blick

Seit einem halben Jahr arbeiten die Bürger im Rahmen des Bürgerdialogs „Heslach im Blick“ daran, ihr Quartier gemeinsam lebenswerter zu gestalten. Das Quartierskonzept soll helfen, verloren gegangene Strukturen wieder zu etablieren.

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S-Süd - Wir werden von Anfragen überrollt“, sagt Alexander Gunsilius von der Stabsstelle Sozialplanung des städtischen Sozialamts. Das Interesse, nach dem Vorbild von „Heslach im Blick“ weitere Quartierskonzepte zu entwickeln, sei in anderen Stadtteilen enorm groß. Heslach im Süden ist neben Raitelsberg im Osten und der Neckarvorstadt in Bad Cannstatt eines der drei Modellprojekte für die Quartierskonzepte. Diese sollen gerade in Stadtteilen, in denen überdurchschnittlich viele sozial schwächere Menschen leben, helfen, die Nachbarschaften und das Miteinander zu stärken.

Der Prozess in Heslach ist am weitesten fortgeschritten. Seit einem halben Jahr arbeiten Bürger mit Vertretern der Stadt in vier Arbeitsgruppen an Ideen für ein besseres Miteinander. Am Mittwoch haben die Teilnehmer diskutiert, welche Ideen sie weiterverfolgen werden und was andere aus ihrem Erfahrungen beim Erarbeiten des Quartierskonzeptes lernen könnten.

Zwischen Anonymität und nachbarschaftlichem Miteinander

Einige der Zwischenergebnisse sind bereits bekannt. Die Arbeitsgruppe „Heslach feiert“ hatte für sich schon früh herausgefunden, dass sie ein Fest für die Nachbarschaft im Quartier organisieren will. „Wenn wir miteinander feiern, fallen Vorurteile und es entstehen Nachbarschaften“, sagte Carola Haegele, die die Gruppe gemeinsam mit Hagen Müller leitete. Die Mitglieder haben entschieden, alle Feste im gesamten Süden samt denen im Heusteigviertel in einem gemeinsamen Flugblatt zu bewerben. 25 000 Exemplare sollen gedruckt werden. „Wir wollen uns gegenseitig unterstützen“, erklärte Hagen Müller, der ebenfalls im Handels-, Gewerbe- und Dienstleistungsverein engagiert ist, den Grund.

Dass ein gemeinsames Fest ein guter Anfang ist, bestätigte die Gruppe Nachbarschaft. Eine Befragung von Anwohnern durch die Studenten der Dualen Hochschule hatte ergeben, dass ein Fest ganz oben auf der Wunschliste steht. Aber nicht jedem Heslacher sei an einem engeren Kontakt gelegen, sagte Stephan Schumacher, einer der Moderatoren der Gruppe. Die Befragung hatte nämlich auch ergeben, dass zwar knapp zwei Drittel der 40 befragten Anwohner ihre Nachbarschaft als gut beurteilen, aber nur wenige überhaupt regelmäßigen Kontakt zu ihren Nachbarn haben. Eine Frau hatte sogar als positiv betont, dass man in Heslach „in Ruhe einsam sterben“ könne. „Ein Teil der Wahrheit ist, dass einige die Anonymität in der Stadt schätzen“, sagte Schumacher. Allerdings habe sich bei der Befragung auch gezeigt, dass der schleichende Rückzug des Gewerbes und der Zuzug von Familien mit südosteuropäischen Migrationshintergrund von einigen Anwohnern als problematisch wahrgenommen werde. Dort will die Gruppe in den nächsten Monaten ansetzen.

Ein eigenes Budget, um die Barrierefreiheit zu verbessern

Auch die Gruppe öffentlicher Raum, in der sich Bezirksvorsteher Rupert Kellermann engagiert, hat noch jede Menge Aufgaben vor sich. Denn für die vielen Stellen in Heslach, die nicht barrierefrei gestaltet sind, die fehlenden Sitzbänke an den Stäffele und zahlreiche andere Kleinmaßnahmen fehlt dem Tiefbauamt das Budget. Der Bezirksbeirat Süd möchte die Bürger in ihrem Engagement bestärken und schlug deshalb vor, dass der Gemeinderat dem Tiefbauamt im nächsten Doppelhaushalt ein Budget für solche Kleinmaßnahmen zur Barrierefreiheit gewährt. „Die Probleme gibt es sicher auch in anderen Stadtteilen“, sagte Kellermann.

Eine der schwierigsten Aufgaben hatte die Gruppe Wohnen, nicht nur, weil die Mieten in Heslach beständig steigen. Neben einer Unterschriftenaktion, die mehr bezahlbaren Wohnraum fordert, will die Gruppe auch älteren Menschen aufzeigen, welche Möglichkeiten sie haben, sich in der eignen Wohnung betreuen zu lassen und so in der vertrauen Umgebung zu leben. Für Juni ist eine Informationsveranstaltung geplant, auf der über das selbst organisierte und generationenübergreifende ausführlich berichtet werden soll.




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