Quatuor Ébène in Stuttgart Eine Ahnung von Unendlichkeit

Von Markus Dippold 

Das Quatuor Ébène hat im Stuttgarter Mozartsaal Streichquartette von Beethoven und Brahms gespielt.

Mit einem Klang wie Ebenholz: das französische Quatuor Ébène Foto: Julien Mignot
Mit einem Klang wie Ebenholz: das französische Quatuor Ébène Foto: Julien Mignot

Stuttgart - Plötzlich legt sich Ruhe über den Konzertsaal. In den scheinbar unendlich wirkenden Linien der Streicher glaubt man, eine Ahnung von Harmonie und Unendlichkeit zu spüren. Was dem Quatuor Ébène im dritten Satz aus Ludwig van Beethovens letztem Streichquartett F-Dur gelingt, kommt dem Ideal der Perfektion sehr nahe. Im fast ausverkauften Mozartsaal lässt das französische Streichquartett seine Klänge aus dem Nichts entstehen. Scheinbar ohne visuelle Kommunikation finden die vier Musiker zu einer verblüffenden Homogenität, in der die Melodien so sinnstiftend, klar und zwingend geformt werden, wie man es nur ganz selten erlebt. Vor allem in den langsamen Sätzen – in Beethovens op. 135 ebenso wie in dessen frühem Quartett F-Dur op. 18 – zaubert das Quatuor Ébène Momente von unfassbarer Schönheit.

Schlank und eher hell ist das grundlegende Timbre, was gut zu dieser Musik passt. Sowohl das draufgängerische Ringen mit der Form in op. 18 als auch die Abgeklärtheit in op. 135 geht in dieser klanglichen Klarheit perfekt auf. Dabei riskiert das Ensemble viel, treibt beispielsweise die Dynamik in den Allegro-Sätzen ins Extrem, lässt die Linien aus der Unhörbarkeit in beinahe orchestrale Dimensionen anwachsen. Zugleich sind auf verblüffende Art Wucht und Leichtigkeit verschmolzen, was bei Beethoven begeistert.

In Johannes Brahms’ Quartett c-Moll op. 51 kommen Pierre Colombet und Gabriel Le Magadure (Violinen) und ihre Partner Marie Chilemme (Viola) und Raphaël Merlin (Cello) diesem Ideal weniger nahe. Zum einen würde man sich mehr klangliche Tiefe wünschen, zum anderen sind – Kritik auf höchstem Niveau – beim ersten Geiger einige Unsauberkeiten in den Figurationen zu hören. Aber auch hier zeigt sich die große Kunst der vier Streicher: Sie nähern sich der Musik mit Ernsthaftigkeit und individueller Prägnanz. Vor allem in den ruhigen Mittelsätzen ereignet sich Großes, wenn scheinbar simple Melodien Bedeutung erlangen.