Queen Elizabeth II. London vor der Beisetzung

  Foto: AFP/Loic Venance

In der britischen Hauptstadt sind am Wochenende 500 Präsidenten, Regierungschefs und andere hohe Gäste aus aller Welt eingetroffen, um beim Begräbnis der Queen dabei zu sein. Die sichere Unterbringung und der Transport stellten die Organisatoren vor Herausforderungen.

Korrespondenten: Peter Nonnenmacher (non)

 

So viele Staats und Regierungschefs sind in London angereist, um Königin Elizabeth am Montag das letzte Geleit zu geben, dass die britische Hauptstadt schon am Wochenende völlig überwältigt schien. 500 hohe Repräsentanten aus fast allen Ländern der Erde haben sich zu einem Ereignis versammelt, das als das spektakulärste seiner Art in der neueren Geschichte gelten darf.

Allein die Organisation des Anflugs so vieler hochrangiger Gäste hat enorme Probleme aufgeworfen. Die Regierung hatte die Anreisenden gebeten, kommerzielle Flüge zu benützen statt privater Maschinen. Aber auch so war Heathrow Airport, Europas größter Flughafen, komplett überfordert. Stansted wurde zusammen mit anderen Flughäfen als „Überlaufbecken“ benutzt.

Busse für die Staatschefs

Auch die gleichzeitige sichere Unterbringung und der Transport so vieler Präsidenten, Regierungschefs, Botschafter und anderer Topgäste aus so vielen Ländern war „ein Albtraum“, wie entnervte Mitarbeiter des Außenministeriums gestanden. Für die Beförderung der Betreffenden durch die Stadt hatte man spezielle Busse organisiert, um eine Verstopfung der Straßen durch Limousinen und Konvois zu vermeiden.

Diese Idee hatte vor allem in Washington ungläubiges Gelächter ausgelöst. Joe Bidens „Beast“, der vielfach gepanzerte Dienstwagen amerikanischer Präsidenten, war denn auch schon vor Tagen im Vereinigten Königreich angeliefert worden. Auch Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron konnte sich schlecht vorstellen, dass er sich zur Teilnahme an einem Staatsbegräbnis in einen Bus würde drängen müssen.

Am Rande wird Politik gemacht

Mit Joe Biden hatte sich unterdessen Großbritanniens neue Premierministerin Liz Truss für Sonntag zu einem bilateralen Treffen verabredet – schon um die „besondere Beziehung“ zu den USA herauszustreichen, wie das in London Usus ist. Aber die Zusammenkunft wurde kurzfristig auf kommenden Mittwoch verschoben: Auf einen Tag, an dem beide, Truss und Biden, auf der UN-Vollversammlung in New York sind.

So musste Truss, die schon als Außenministerin ihre englischsprachigen Verbündeten in fernen Ländern gern als den Anker eines „globalen Britannien“ feierte und die ungern von Europa redet, sich mit den Regierungschefs Australiens, Neuseelands und Kanadas begnügen, die sie teils auf ihrem Landsitz Chevening, teils in No 10 Downing Street empfing.

König Charles versucht, den Commonwealth zu retten

Froh, mit Australiens Anthony Albanese, Neuseelands Jacinda Ardern und Kanadas Justin Trudeau reden zu können, war freilich auch König Charles III. Allerdings aus anderen Gründen. Charles beobachtet mit Sorge republikanische Bestrebungen in allen drei Staaten in jüngster Zeit. Darüber hinaus sucht er mit Mühe ein zunehmend orientierungsloses Commonwealth zusammenzuhalten, das von der Krone immer weniger wissen will.

Insbesondere in Commonwealth-Staaten, die früher einmal britische Sklavenkolonien waren, hat sich die Absetzbewegung von London merklich beschleunigt. Nachdem sich Barbados voriges Jahr bereits zur Republik erklärte, wollen nun auch Jamaika und ein halbes Dutzend anderer karibischer Staaten wenn nicht vom Commonwealth, so doch vom Königtum Abschied nehmen. In der Hoffnung, diesen Prozess verzögern zu können, hat König Charles zusammen mit Prinz William und dessen Familie für nächstes Jahr bereits eine mächtige Charme-Offensive in diesem Teil der Welt vorgesehen.

Gala-Essen im Buckingham Palace

Und am Sonntag empfing der neue König der Briten im Buckingham-Palast noch schnell eine illustre Runde von Commonwealth-Repräsentanten, bevor er am Abend einen großen Staatsempfang für alle hohen Gäste der britischen Regierung gab. Zu diesem Gala-Essen zu stoßen, ließ sich auch Joe Biden nicht nehmen – zu Ehren der verstorbenen Königin.

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