Queerfeministisches Kino im Kessel: „Through her* eyes" zeigt ab 3. Juni internationale FLINTA-Perspektiven: Dokumentationen, Kurzfilme und Diskussionen. Der Eintritt ist frei.

Filderzeitung: Sandra Belschner (sbr)

Filmfans (und Sommer-Muffel, die keine Lust auf Freibad und Co. haben) aufgepasst: Ab Mittwoch, 3. Juni verwandeln sich drei Orte im Kessel in Kinos mit Haltung. Die queerfeministischen Filmtage „Through her* eyes“ sind zurück und bringen internationale Perspektiven auf die Leinwand, die sonst oft unsichtbar bleiben. Das gibt es zu sehen.

 

An drei Abenden zeigt das Feministische Frauen*Gesundheitszentrum Stuttgart sechs verschiedene Filme aus aller Welt – von Nepal über Bolivien bis Großbritannien. Die Filme erzählen von FLINTA-Realtitäten und kämpfen für deren Sichtbarkeit und Rechte. Zu sehen gibt es Geschichten von Aktivismus und Alltag, von Kampf und Humor, von Schmerz und Selbstermächtigung.

Das ist noch nicht alles: Nach jeder Veranstaltung wird diskutiert, entweder mit den Filmschaffenden selbst oder Expert:innen vor Ort. Zusammen werden die Filme also nicht einfach nur konsumiert, sondern gemeinsam erlebt, hinterfragt und weitergedacht.

Diese vier Kurzfilme sind am Mittwoch zu sehen

Los gehen die queerfeministischen Filmtage diesen Mittwoch beim Württembergischen Kunstverein um 20 Uhr. Was gezeigt wird? Vier Kurzfilme, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch alle von der Kraft des Sichtbarmachens erzählen:

  • May Ziadés „Neo Nahda“ (UK, 2023) ist eine filmische Archivreise: Die Regisseurin entdeckt Fotografien arabischer Frauen aus den 1920er-Jahren, die sich als Männer kleideten.
  • Isa Schieches „Die Räuberinnen“ (Österreich, 2023) dreht Geschlechterperformance mit einem Augenzwinkern um: Drei trans Frauen planen einen Raubüberfall – und verkleiden sich dafür als Männer. Eine clevere Persiflage auf Geschlechterstereotype.
  • Miriam Guttmanns „Seahorse Parents“ (Niederlande, 2023) widmet sich schwangeren trans Männern – benannt nach Seepferdchen, bei denen die Männchen die Jungen austragen. Wie navigieren diese werdenden Eltern durch eine Welt, die nur cis Frauen mit Babybauch erwartet?
  • Emmalie El Fadlis „You and Me Makes Three“ (UK, 2026) bringt Humor: Alannah und ihre Frau Amara wollen ein Baby. Was folgt, ist ein wilder Ritt durch Samenspenden-Websites und peinliche Arztgespräche.

Gesicht der Überlebenden sexualisierter Kriegsgewalt in Nepal

Am Mittwoch, 17. Juni zeigt Subina Shresthas um 20 Uhr im Museum Hegel-Haus ihren Dokumentarfilm „Devi" (Nepal/Südkorea/UK, 2024). Darin porträtiert sie Devi Khadka, eine nepalesische Aktivistin, die für Gerechtigkeit kämpft – und dabei ihr eigenes Trauma öffentlich macht. 1997 wurde die damals siebzehnjährige Devi während des nepalesischen Bürgerkriegs verhaftet, gefoltert und vergewaltigt. Heute ist sie das Gesicht der Überlebenden sexualisierter Kriegsgewalt in Nepal. Sie sammelt Zeugnisse und konfrontiert eine Regierung, die diese Verbrechen lieber verschweigen würde.

Der Film zeigt Devi als Aktivistin, die nicht aufgibt – aber auch als Mutter, deren Tochter sich eine „normale" Mama wünscht. Ein intimer Blick auf den Preis von Aktivismus: Was kostet es, die eigene Geschichte immer wieder öffentlich zu erzählen?

Sexarbeit radikal neu denken - Kamera drehen

Den Abschluss der queerfeministischen Filmtage macht María Galindos mit „Revolución Puta“ (Bolivien, 2023). Der Film provoziert schon mit dem Titel und denkt Sexarbeit radikal neu. Die Mitbegründerin des feministischen Kollektivs Mujeres Creando stellt eine entscheidende Frage: Wie filmt man über Sexarbeit, ohne in die üblichen Fallen zu tappen?

Ihre Antwort: Indem man die Kamera den Sexarbeiterinnen selbst gibt. Entstanden sind vier verwobene Kurzfilme in visueller Poesie. Die Sexarbeiterinnen erzählen ihre eigenen Geschichten – und zwingen das Publikum dabei, die eigene Position zu reflektieren. Wer schaut hier wen an? Wer spricht über wen?

Der Eintritt zu allen drei Abenden ist frei. Spenden werden gerne gesehen.