Querbahnsteig in den Startlöchern Wechselnde Wege durch den Hauptbahnhof

Die Passagiere müssen längere Strecken in Kauf nehmen Foto: Michael Steinert 13 Bilder
Die Passagiere müssen längere Strecken in Kauf nehmen Foto: Michael Steinert

Mitte Juli beginnt im Zuge des Projektes Stuttgart 21 die heiße Phase beim Umbau der Bahnsteige und der Verschiebung der Prellböcke um 120 Meter – nicht ohne Folgen: Wegen der Sperrungen fallen teilweise Züge aus.

Stuttgart - Etwa 240 000 Menschen bewegen sich jeden Tag durch den Stuttgarter Hauptbahnhof – demnächst auf wechselnden Wegen. Nachdem der Umbau des gesamten Bahnsteigbereichs an den beiden Flanken bereits begonnen wurde und an dem verschobenen Gleis 1 sichtbar ist, wohin die Reise geht, beginnen in wenigen Tagen nun auch die Hauptarbeiten im Herzen der Halle. Dabei werden die nächsten Monate bis zum Herbst auch für die Deutsche Bahn selbst eine „bisher einmalige Erfahrung“ sein, so Sven Hantel, Regionalbereichsleiter Südwest und als solcher für alle 671 Bahnhöfe im Land zuständig.Um Platz für den neuen Tiefbahnhof von Stuttgart 21 zu schaffen, dessen Baugruben sich quer durch den Hauptbahnhof hinein in den Mittleren Schlossgarten ziehen, müssen die alten Prellböcke bekanntlich etwa 120 Meter nach vorne verschoben werden. An Gleis 1 sind diese Arbeiten bereits abgeschlossen. Auf der anderen Seite wird derzeit an einer Rampe für Baustellenfahrzeuge gearbeitet, weshalb Gleis 16 bis Ende Juni gesperrt bleibt. Mitte Juli beginnt dann mit den Arbeiten am Gleispaar 2 und 3 die eigentliche Herausforderung für Reisende und Bautrupps, die überwiegend nachts im Einsatz sind und eine ehrgeizige Vorgabe haben: den kompletten Querbahnsteig im laufenden Betrieb bis Mitte Oktober zu verlegen.

Ein Leitsystem zeigt die neuen Wege

Vom 15. bis zum 22. Juli sollen dabei die Gleise 2 und 3 zurückgebaut werden, vom 29. Juli bis 14. August die Gleise 4 und 5, vom 19. bis 29. August die Gleise 6/7. Zwischen den Versetzungen der einzelnen Prellböcke hat die Bahn jeweils etwa eine Woche für den Bau eines neuen Stückchens Querbahnsteig eingeplant, zudem muss die alte Halle ausgeräumt und etwa auch der Teil des Dachs abmontiert werden, der im Bereich der Baugrube steht. Die Fern- und Regionalzüge müssen während der einzelnen Bauphasen andere Bahnsteige als gewohnt anfahren, wobei am Tag maximal zwei Gleise gleichzeitig gesperrt werden sollen. Teilweise fallen Züge auch aus oder enden und beginnen in Ludwigsburg und Vaihingen statt in Stuttgart. „Wir versuchen, die Beeinträchtigung so gering wie möglich zu halten“, sagt Sven Hantel. „Aber wir leben hier auf einer Großbaustelle.“

Golfcaddys für Reisende

Ein Leitsystem aus Spanntransparenten, Plakaten und Schildern soll den Reisenden die Wege aus dem Bahnhof und zu den Gleisen zeigen, zudem setze man zusätzliche Servicemitarbeiter und Reisendenlenker ein, um etwa über geänderte Abfahrtsgleise zu informieren und die neue Wegführung zu erklären, so Hantel. Um die Bahnsteighalle auch während der Umbauarbeiten möglichst barrierefrei zu gestalten, hat die Bahn zudem eine Kooperationsvereinbarung mit Behindertenverbänden geschlossen, mit denen im Vorfeld bei diversen Sitzungen notwendige und sinnvolle Maßnahmen diskutiert wurden. So sollen nun etwa am Querbahnsteig Blindenleitstreifen angebracht werden, die neuen Brückenzugänge werden mit speziellen Handläufen und die Bauzäune mit einem massiven Abschluss nach untenausgestattet. Außerdem lässt die Bahn nach Vorgabe zur Orientierung auch akustische Wegweiser entwickeln und schafft zwei Golfcaddys an, mit denen mobilitätseingeschränkte Reisende vom Zug abgeholt oder auf den Bahnsteig gebracht werden. In 13 Bauphasen ist die Verlegung des Querbahnsteigs aufgeteilt, als letzte große Maßnahme beginnt am 13. Oktober der Umbau des Gleispaars 14/15. Als Termin für die Inbetriebnahme ist der 22. Oktober angesetzt. Bis dahin soll auch der neue Eingang bei der LBBW-Zentrale auf Höhe des Prellbocks von Gleis 1 geöffnet sein. Über den gegenüberliegenden Zugang aus dem Mittleren Schlossgarten ist der Hauptbahnhof erst ab November erreichbar, so Hantel, da zuvor noch ein Fußgängersteg und diverse Rampen gebaut werden müssen. In der Bahnhofshalle selbst werden zudem zwei zehn Meter breite Brücken über die Tiefbahnhof-Grube gespannt, über die Reisende den neuen Querbahnsteig erreichen. Da diese erst im Frühjahr 2014 fertig sind, führt der Weg zu den Zügen bis dahin über die heutigen Bahnsteige.

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