Ein Temposünder muss tief in die Tasche greifen. Der 18-Jährige hat auf der B 10 einen Blitzer mit seinem Schweißgerät demontiert.

Lokales: Christine Bilger (ceb)
Stuttgart - Das wird teuer für den Fahranfänger: Auf einen 18 Jahre alten Raser, der in einer eisigen Januarnacht auf der Bundesstraße 10 bei Wangen von einer Blitzanlage kalt erwischt wurde, kommen Kosten in Höhe von 20.000 Euro zu, sagt der Leiter der Stuttgarter Verkehrsüberwachung, Joachim Elser.

Das liegt aber nicht daran, dass die Stadt die Strafen für zu schnelles Fahren über Gebühr erhöht hätte, sondern an einem zusammen mit zwei 15 und 16 Jahre alten Freunden verübten Racheakt, den sich der junge Mann besser verkniffen hätte. Nachdem er von der Geschwindigkeitsüberwachungsanlage geblitzt worden war, kehrte er mit einem Schweißgerät an den Tatort zurück und trennte den Auslegerarm der Anlage ab.

Die Polizei hatte keine große Mühe, den Mann kurz nach der Aktion dingfest zu machen: Er hatte dort seinen Wagen auf dem Seitenstreifen abgestellt. Als er zum Auto zurückkam, in dem die Beamten das Schweißgerät entdeckt hatten, gestand der Mann die Tat. Das Ordnungsamt der Stadt erstattete eine Anzeige wegen Sachbeschädigung. "Das Bußgeld wäre natürlich deutlich günstiger ausgefallen als der Schaden, den er nun begleichen muss", sagt Elser. Wie schnell der Mann unterwegs war, erlaubt sind Tempo 80, ist aus Datenschutzgründen nicht bekannt.

Bis der Blitzer wieder einsatzbereit ist, werden noch einige Tage ins Land ziehen. Einen Termin, wann die Anlage wieder einsatzbereit sein wird, gibt es noch nicht. Denn die Tiefbaufirma, die den Pfosten setzen muss, hat wegen der trockenen Witterung zurzeit viel zu tun. Der Verkehrsüberwachung liegt mittlerweile ein Kostenvoranschlag vor.

Das Beweisfoto ist unbeschädigt


Bei der Attacke sei nicht nur der Ausleger beschädigt worden, sondern auch das sensible Innenleben der digitalen Verkehrsüberwachungsanlage, so Elser. Wer auf der B10 unterwegs ist, darf sich jetzt dennoch nicht in Sicherheit wiegen: Der Blitzkasten für die stadteinwärtige Fahrbahn ist intakt. Und jenseits der Otto-Hirsch-Brücken steht noch einmal eine Blitzanlage für beide Richtungen.

Ob alle dauerhaft "scharf" geschaltet sind, bleibt Elsers Geheimnis. Im gesamten Stadtgebiet stehen 26 Messmasten, dafür hat die Stadtverwaltung 17 Messsysteme, die reihum installiert werden. An den Messstationen blitzt es ständig. Im vergangenen Jahr mussten allein die Temposünder, die zwischen Wangen und Hedelfingen erwischt wurden, 327.000 Euro Verwarnungs- und Bußgelder bezahlen. Alle 26 Stationen berücksichtigt, beliefen sich die Einnahmen der Landeshauptstadt immerhin auf 489.000 Euro.

Ein solche massiver Angriff auf eine Blitzanlage sei "zum Glück ein Einzelfall", sagt Joachim Elser. Und den vom Täter gewünschten Effekt hatte die Tat auch nicht. "Der Chip, auf dem das Foto des Temposünders gespeichert ist, ist gut in die Technik eingebettet. Dem ist nichts passiert, die Aufnahme haben wir", sagt der Leiter der Verkehrsüberwachung.