Radball – Bundesliga Fünfer-Radball: mehr Spieler, mehr Tempo, viel Spaß
Das Fünfer-Radball steht klar im Schatten der Zweier-Variante, hat aber seine Reize – wie beim Bundesliga-Spieltag in Reichenbach zu sehen ist.
Das Fünfer-Radball steht klar im Schatten der Zweier-Variante, hat aber seine Reize – wie beim Bundesliga-Spieltag in Reichenbach zu sehen ist.
Die Szene hatte etwas von Uwe Seeler – jedenfalls war sie spektakulär. Ein hoher Ball kam vor das Tor der SG Oberesslingen/Reichenbach und Patrick Bühler beförderte ihn – in eben Seeler-Manier – mit dem Hinterkopf ins Tor. Es war der 4:2-Siegtreffer für den favorisierten RV Gärtringen. „Das ist unheimlich schwer zu verteidigen“, erklärte SG-Torhüter Hendrik Höger und ärgerte sich nur ein bisschen. Denn Oberesslingen/Reichenbach hatte gegen den deutschen Meister ein gutes Spiel geboten. Applaus gab es für beide Mannschaften. Die Zuschauer hatten Spaß, ebenso die Athleten beim 2. Spieltag der Fünfer-Radball-Bundesliga in der schicken Sporthalle am Lützelbach in Reichenbach.
Fünfer-Radball ist eine ziemlich deutsche Angelegenheit und steht klar im Schatten der Zweier-Variante. Jeder will gewinnen, aber das Kameradschaftliche hat hier eine noch größere Bedeutung als sonst randsportartentypisch in der Szene. „Wir spielen ja auch im Training immer gegeneinander, beim Fünfer kann man auch mal zusammenspielen“, sagt Höger, der dafür ein gutes Beispiel ist. Beim Zweier hat der Reichenbacher seine Karriere beendet und konzentriert sich ganz auf die Schiedsrichterei, aber beim Fünfer ist er noch dabei. „Es ist mehr so das Mannschaftsding“, betont auch Valentin Notheis, der in der Woche davor mit seinem Partner Felix Weinert noch im Trikot des RKV Denkendorf Vierter bei den deutschen Meisterschaften im Zweier geworden war und nun für die SG Denkendorf/Kemnat statt in blau im ungewohnten gelben Trikot auf dem Feld fuhr. „Wir spielen schon so lange gegen die Kemnater und haben festgestellt, dass wir uns gut verstehen“, sagt Notheis. Warum dann nicht beim Fünfer zusammenspielen? „Viele Vereine würden alleine gar keine Mannschaft zusammenbekommen“, erklärt Höger, der im Spiel gegen Gärtringen auf Radballer traf, die er sonst in der Bundesliga pfeift: „So sieht man sich immer wieder.“
Gespielt wird beim Fünfer pragmatischerweise auf dem Handballfeld mit einer Bande drumherum und im Gegensatz zum Zweier auch auf Handballtore. Es gibt mehr hohe Bälle und es geht aufgrund der Größe des Spielfeldes schneller zu als beim Zweier, da ist auch mal ein Sprint an der Seitenlinie entlang zu sehen. Entsprechend kracht es auch öfter mal. Aber sofort ist die Hand des Gegenspielers da, die einem aufhilft. Apropos Gegenspieler. „Es ist schon anders. Wenn man beim Zweier einen ausgespielt hat, hat man nur noch den Torwart vor sich“, erklärt Notheis, „hier kommt dann gleich ein anderer.“ Zudem sei es ungewohnt, auch mal draußen zu sitzen. Gewechselt wird fliegend. Auch Notheis, gibt er zu, ist die Zweiervariante wichtiger. „Fünfer macht Spaß und ist ein schöner Ausgleich am Ende der Saison.“
Es gibt kaum Spieler, die nicht auch in Zweierteams unterwegs sind – Ausnahme sind etwa Zweier-Rentner wie Höger. Andererseits gibt es Radballer, die keine Lust auf Fünfer haben oder nicht noch mehr Training und Termine wollen. Es gibt aber auch Spezialisten. Die Gärtringer und der RSV Waldrems etwa haben sich zu den Top-Teams entwickelt und gelten auch in diesem Jahr als Favoriten im Kampf um die Meisterschaft.
Nach der Niederlage trotz starker Leistung gegen Gärtringen gelang der Spielgemeinschaft aus Oberesslingen und Reichenbach später doch noch ein Coup. Sie gewann, erneut als wenn auch nicht so krasser Außenseiter, das Derby gegen Denkendorf/Kemnat mit 1:0. Die Denkendorfer und Kemnater werden sich das demnächst bei Trainingsspielen noch ein paar Mal anhören müssen.
Oberesslingen/Reichenbach hatte zuvor gegen Waldrems mit 1:5 verloren und gegen die RSG Ginsheim 0:0 gespielt, Denkendorf/Kemnat schlug Ginsheim mit 2:1 und unterlag Waldrems mit 1:4. Beide Teams haben nun vor dem letzten Rundenspieltag gute Chancen, als zurzeit Fünfter beziehungsweise Vierter beim Saisonfinale der besten Fünf am 22. November in Gärtringen dabei zu sein. Vielleicht gibt es da wieder ein Hinterkopfballtor in Uwe-Seeler-Manier.