Radfahren in Stuttgart Der Radverkehr wächst immer schneller

Von Jürgen Löhle 

Im vergangenen Jahr wurde an den beiden Radzählstellen in der Stadt eine Zunahme von 21,2 Prozent an Fahrten gezählt. Daraus ergeben sich für die Zukunft auch viele Themen für die neue Radbeauftragte Eva Adam.

Zählstelle auf der Neckarbrücke beim Leuze Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Zählstelle auf der Neckarbrücke beim Leuze Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Die Entwicklung lässt grünen Verkehrsplanern das Herz aufgehen. Der Radverkehr in Stuttgart hat 2018 gewaltig zugelegt. An der Zählstelle auf der Neckarbrücke beim Leuze wurde im vergangenen Jahr die Millionengrenze nur ganz knapp verfehlt. 990 866 Radfahrten sind insgesamt gezählt worden, das sind 2715 Bewegungen pro Tag im Durchschnitt. Zusammen mit der anderen Zählstelle an der Böblinger Straße in Kaltental (315 741) wurden somit 1 306 607 Radfahrten (3580 im Schnitt) an der Hauptradroute 1 registriert, die Stuttgart von Südwest nach Nordost quert. Das sind stolze 21,2 Prozent mehr als 2017, als 1 078 265 Radfahrten zusammenkamen. Der steile Anstieg ist allerdings sicher nicht nur auf den Umsteigewillen vom Auto aufs Rad der Menschen in der Region zurückzuführen - der lange und vor allem extrem regenarme Sommer war auch ein wichtiger Faktor für den rapiden Anstieg. Von Mitte April bis Mitte Oktober waren die Bedingungen für das Radfahren schließlich nahezu ideal.

Mehr Tempo bei Fertigstellung der Radwege

Die Entwicklung des Radverkehrs in Stuttgart ist also durchaus erfreulich, zumal seit Beginn der Zählungen 2014 ein stetiger Anstieg zu verzeichnen ist, im Schnitt etwa acht Prozent pro Jahr. Das Tempo beim Bau neuer Radstrecken oder Infrastrukturmaßnahmen wie Parkflächen oder Servicestationen ist aber steigerbar, zumal Geld dafür vorhanden ist. Im Doppelhaushalt 2018/2019 sind 11,2 Millionen Euro für Investitionen in das Radwegenetz vorgesehen, von denen bis Ende November 2018 aber nur 2,1 Millionen abgeflossen sind. Das Tempo der Entwicklung beklagt auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). Cornelius Gruner, der Vorsitzende des ADFC in Stuttgart, freut sich zwar über das Geld und hat auch Verständnis dafür, dass sich die erst vor einigen Monaten eingestellten Radwegeplaner noch einarbeiten müssen. Gruner sagt aber auch: „2019 sollte jetzt das Tempo bei der Fertigstellung neuer Radwege gesteigert werden.“

Impulse dafür sollen auch von einer neuen Kraft in der Verwaltung ausgehen. Zum 1. Januar hat Claus Köhnlein das Amt des Fahrradbeauftragten der Stadt nach 15 Jahren aufgegeben. Seine Nachfolgerin Eva Adam kommt aus Leonberg und hat als Verkehrsplanerin bis Ende 2018 für die Große Kreisstadt in der Entwicklung des Radverkehrs gearbeitet. In Leonberg betreute die Diplom-Geografin den Aufbau von Radstationen und hat das „Radhäusle“, ein geplanter Veloparkplatz am Bahnhof, vorangebracht. Zusammen mit ihrem Vorgänger Köhnlein hat sie sich auch für einen Radweg zwischen Leonberg und Stuttgart entlang der Mahdentalstrecke starkgemacht, der aber derzeit nicht durchsetzbar ist.

Projekt Transportrad ein voller Erfolg

Im Moment arbeitet sich die 40-jährige Verkehrsplanerin ein. Adam nutzt auch das Rad bei der Fahrt von ihrem Wohnort Fellbach in die Stadt, kennt deshalb auch schon die neuralgischen Punkte an der Hauptradroute 1 zwischen Cannstatt und Vaihingen. 2019 sollen noch einige von Köhnlein angestoßene Projekte realisiert werden, wie der Radwegstreifen an der Filderstraße und die Fertigstellung der Hauptradroute 2 vom Stuttgarter Osten nach Hedelfingen – Projekte, die eine Radbeauftragte unterstützen, aber über die sie nicht entscheiden kann. Im Moment informiert sich Eva Adam über den Status quo, wozu auch Radstationen und Parkmöglichlkeiten gehören, die besonders bei der immer größer werdenden Zahl von Lastenrädern immer wichtiger werden.

Im Bereich Transportrad war eine Initiative der Stadt 2018 sehr erfolgreich. Im Oktober wurde ein Förderprogramm aufgelegt, das Stuttgarter Familien und Alleinerziehende zum Ein- oder Umstieg auf Lastenräder animieren sollte. Das Programm war mit 250 000 Euro ausgestattet und sah eine Förderung pro Kauf um bis zu 2000 Euro vor. Nachdem etwa 300 Anträge gestellt wurden, erhöhte die Stadt die Summe noch einmal um 184 000 Euro, so dass alle förderfähigen Anträge den Basiszuschuss von 1500 Euro erhielten. Dazu kommen in drei Jahren noch einmal 500 Euro, wenn in dieser Zeit kein Auto im Haushalt angemeldet war oder eines ersatzlos abgemeldet wurde. Der Gemeinderat wird noch darüber entscheiden müssen, ob das Programm auch 2019 fortgesetzt wird. Auch das Land hat in Stuttgart Zuschüsse für Lastenräder gewährt, allerdings für Unternehmer und Freiberufler, die mit den Rädern Lieferfahrten unternehmen. 2018 wurden insgesamt 134 Anträge mit bis zu 3000 Euro Zuschuss genehmigt. Damit rangiert Stuttgart im Land auf Platz zwei hinter Freiburg.

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