Damit Radfahren in der kalten Jahreszeit für Lust statt Frust sorgt, sollte einiges beachtet werden. Tobias Dannenmann, Inhaber und Gründer der Bike-Schule Besserbiken in Stuttgart, weiß, wie man trotz Eis, Schnee und Matsch cool bleibt.

Stuttgart - Viele motten ihr Fahrrad im Winter ein und holen es erst wieder im Frühjahr ans Tageslicht, um bei schönem Wetter zaghafte Runden zu drehen. Denn sowohl die Radelnden als auch das Bike selbst sind nach solch einer langen Pause eingerostet und benötigen eine Generalüberholung.

Dabei ist eine derart lange Abstinenz überhaupt nicht notwendig. Wer Lust hat sich in der kalten Jahreszeit in den Sattel zu schwingen, nur zu. Mit den Tipps von Tobias Dannenmann machen die winterlichen Touren nicht nur Spaß. Der Sport- und Gymnastiklehrer sowie Gründer und Inhaber von Besserbiken in Stuttgart, weiß aus eigener Erfahrung und aus den zahlreichen Kursen, die er anbietet und leitet, wie Mountainbikende zudem sicher ans Ziel und heil durch den Winter kommen.

Tipp 1: Für Grip sorgen

"Das Allerwichtigste zuerst, besorgt euch gute Matsch- und Schlammreifen, denn die sorgen für den nötigen Grip bei winterlichen Bodenverhältnissen."

Tipp 2: Pommes-Schachtel montieren

"Investiert in einen Marsh-Guard. Sieht aus wie ne kleine Pommes-Schachtel und ist ein Schutzblech, das vorne unterhalb der Gabel montiert wird."

Tipp 3: Durchblick behalten

"Unbedingt eine Klarsichtbrille tragen, als Schutz gegen den schneidend kalten Wind, Schneeflocken oder Matschspritzer" - wichtig dabei ist der optimale Sitz der Brille. Ein Beschlagen kann zwar nie ganz vermieden, aber durch eine gute Passform minimiert werden.

Tipp 4: Tschüss, eiskaltes Händchen

"Der Knackpunkt für viele Mountianbikenden im Winter sind die Hände. Früher oder später kühlen diese bei einer Tour aus. Warme Handschuhe sind daher extrem wichtig. Mittlerweile gibt es welche mit integriertem Akku-Wärmesystem, feine Sache."

Tipp 5: Kleinen Tod sterben

"Die Fahrradkleidung sollte unbedingt wasserdicht sein. Das bedeutet aber, dass die Klamotten nicht atmungsaktiv sind. Dazu kann ich nur sagen: einen Tod muss man sterben. Eine lange, leichtgefütterte Hose empfiehlt sich. Die lässt sich vielseitig einsetzen. Etwa auch zum Wandern. Ein heißer Tipp ist der Dirtlej von einem Hersteller aus Freiburg. Ist ein Ganzkörperanzug, der ein bisschen aussieht wie ein "Blauer Anton". Das Beste, was es für den Winter gibt."

Tipp 6: Schicht für Schicht

"Kurz und knapp: setzt beim Anziehen im Winter auf das Zwiebelprinzip. Dazu muss sicher nicht viel erklärt werden."

Tipp 7: Wärme kommt von innen

"Ein warmer Tee bei Wintertouren ist ein ganz heißer Tipp (lacht). Am besten in einen Rucksack mit Trinksystem einfüllen, dadurch wird während der Fahrt auch noch euer Rücken gewärmt. Aber keinen Zucker rein in den Tee, sonst verklebt das Trinksystem."

Tipp 8: Ohne Fleiß...

"Vor allem im Winter ist es wichtig, sein Fahrrad regelmäßig zu warten. Besonders Lager und Kette werden durch Salze und Dreck stark angegriffen. Daher sollte das Bike nach jeder Fahrt abgewaschen werden. Am besten geht das in einer Auto-Selbstwaschanlage mit dem Hochdruckreiniger. Aber dabei nicht in die Lager zielen, sonst suppt alles dort rein und sie sind futsch. Danach schmieren. Am besten mit Ballistol. Das ist aus Tannenharz und zu 100 Prozent biologisch."

Tipp 9: Darf's noch ein Jäckchen mehr sein?

"Für das Bierchen mit den Freundinnen oder Kumpels danach: noch eine Jacke drüber- oder drunterziehen. Gegen das Auskühlen nach einer schweßtreibenden Tour."

Tipp 10: Dehnen, dehnen, dehnen

"Vor allem die Muskellängen müssen gestreckt, das Muskellängenwachstum trainiert werden, nicht nur das Volumen. Damit erreicht ihr einen Kraftzuwachs ganz ohne Gelenkschmerzen und Verspannungen."

Tipp 11: Runterkommen

"Die Tiere machen es vor. Viele halten Winterschlaf. Von daher ein bisschen ruhiger angehen lassen bei den Touren und stattdessen auf Ausgleichstraining setzen. Für Radfahrende bieten sich da besonders Pilates, Yoga, Gymnastik, Zirkeltraining oder Trailrunning an. Auch prima ist Nordic Walking. Dabei kommen vor allem Bikende raus aus ihrer üblichen gebückten Haltung. Gut fürs Rückentraining. Beim Nordic Walking trainiert man die Muskeln in der Länge. Vom DSV gibt es gute Lehrvideos zu Nordic Walking auf Youtube.

Auch gut: entspanntes Trailrunning und Gyrotonic. Das ist eine Mischung aus Yoga, Qi Gong und Tai Chi. Bei den runden, dreidimensionalen Bewegungen wird ebenfalls in die Körperlänge gearbeitet. Balancieren auf der Slackline oder dem Wackelpad sind zudem gute Stabi-Übungen."

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