Radfahren im Strohgäu Schon ein Radständer ist ein Fortschritt

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Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub ist im Strohgäu ein relativ junger Verein. Seit 2004 versuchen die Radfahrer, auf der politischen Ebene und vor Ort Verbesserungen zu erreichen – nicht nur Abstellplätze.

Wiebke von der Foehr (Mitte) zeigt Radlern den Weg – hier zwei Vereinskollegen. Foto: factum/Bach
Wiebke von der Foehr (Mitte) zeigt Radlern den Weg – hier zwei Vereinskollegen. Foto: factum/Bach

Strohgäu - Die Innenstadt von Korntal ist für Wiebke von der Foehr kein Problem. „Da gilt eh überall Tempo 30.“ Und die Stadt setzt das Langsamfahren der Autos mit Kontrollen rigoros durch. Also alles ideal für Radfahrer? Wenn man sich an einem Montagvormittag in der Johannes-Daur-Straße umschaut – dann sieht man fast nur Autos. In der Haupteinkaufsstraße von Korntal ist kaum ein Radler unterwegs, lange nicht alle Geschäfte haben Radparkplätze. Nur hie und da stehen grüne t-förmige Streben aus Metall, an denen ein Rad angeschlossen werden kann. Wiebke von der Foehr ist eines der sehr aktiven Mitglieder des ADFC Strohgäu, der hiesigen Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs. Sie gibt es zwar erst seit 15 Jahren, aber immerhin mit 190 Mitgliedern. Bundesweit ist der Verein seit 1979 präsent.

Von der Foehr besitzt drei Fahrräder („eines mit Korb zum Einkaufen, ein Trekkingrad und ein Spaßrad“), damit fährt sie zur Arbeit in der Stadtbücherei. Ihr ADFC-Kollege Volker Gardain aus Ditzingen verfügt gar über fünf Räder („darunter ein Oldtimer und ein Faltrad“); eines davon nimmt der Softwareingenieur für die Fahrt zur Arbeit bei einem Technikkonzern in Stuttgart-Feuerbach. Die Radparkplätze dort in der Tiefgarage, die Duschen und Umkleiden seien gut genutzt, erzählt er. Alles gut also für die Radfahrer im Strohgäu? Beileibe nicht, meinen die beiden Radler-Lobbyisten – obwohl E-Bikes dazu beitrügen, hartnäckigen Autofahrern das Umsteigen aufs Rad schmackhaft zu machen. Das funktioniere noch eher, als Autofahrer in die Bahn zu bekommen.

Politisch und örtlich aktiv

Gardain und von der Foehr haben sich ihr Engagement aufgeteilt: Der 52-Jährige ist als stellvertretender Vorsitzender des ADFC-Landesverbandes mit 21 600 Mitgliedern auf der politischen Ebene tätig, Wiebke von der Foehr örtlich. Sie organisiert Treffen, hält Kontakte zu anderen Aktiven und zur Stadtverwaltung, betreibt Öffentlichkeitsarbeit und leitet Radtouren.

Die „Feierabend-Touren“ sind beliebt, die erste der Saison 2019 hat sie am vergangenen Donnerstag angeführt: „Wir sind zum Kaiserstein und über Stammheim und Kallenberg zurück. Dann waren die Füße kalt.“ Die 53-Jährige kennt sich aus im Strohgäu; viele Wege seien mit dem Rad schneller zu bewältigen als mit dem Auto.

Probleme mit Radparkplätzen

Der durchschnittliche Weg eines Radfahrers sei kürzer als fünf Kilometer. „Der ADFC fordert geschützte Bereiche für Radler mit Pollern“, sagt sie. Die immer häufiger markierten sogenannten Radschutzstreifen – mit gestrichelter Linie abgeteilte schmale Radspuren auf der Autofahrbahn – seien „Verlegenheitslösungen“.

Wo drückt die organisierten Radler im Strohgäu der Schuh ? Am Bahnhof in Korntal gebe es „massive Probleme“ mit Radabstellplätzen, meint von der Foehr. „Wir sind mit der Stadt dran, annehmbare Lösungen zu finden.“ Das am Ditzinger Bahnhof geplante Radparkhaus sei ein Vorzeigeprojekt, die Rad-Gitterboxen an der U-6-Station in Gerlingen „auch in Ordnung“.

Schlechter Radweg

Schlecht sei der Radweg von Gerlingen nach Ditzingen – auch der neue Teil der Ditzinger Straße mit dem schmalen Radschutzstreifen. „Mehr Platz fürs Rad“ lautet eine Kampagne des Vereins – auf den Straßen. Positiv sei die Radwegebeschilderung im Strohgäu. Damit die Räder jetzt zum Saisonbeginn wieder rollen, kooperiert der ADFC mit dem Repaircafé. Vorläufig nur in Korntal am 17. April. „Da steckt aber Entwicklungspotenzial drin“, meint Volker Gardain. Sprich: Mitarbeit in Sachen Rad bei anderen Reparaturtreffs.

Termine für Radfahrer

Treffen und Radtouren
An jedem zweiten Dienstag im Monat ist Radlertreff um 19.30 Uhr im Bürgertreff Korntal, Görlitzstraße 4. Feierabendtouren sind jeden Donnerstag, Start ist um 18.30 Uhr am S-Bahnhof Weilimdorf.

Jubiläumstour
Am Sonntag, 2. Juni, bietet der ADFC eine Tour in die Stadtteile von Korntal-Münchingen an mit Einblicke in die Geschichte der Stadt, nicht nur der 200 Jahre von Korntal. Start ist um 13 Uhr am Saalplatz.

Per Pedal zur Poesie
Bei einer 60-Kilometer-Tour mit der Volkshochschule am 30. Mai gibt es Texte von Schiller und Schubart. Auskunft dazu bei der VHS, Telefon 07 11/83 86-511.

Vorstellung Der ADFC erstellt jedes Jahr bundesweit einen Fahrradklima-Test. Auch im Strohgäu wurden dazu Radfahrer befragt. Die Ergebnisse werden an diesem Dienstag, 9. April 2019, vorgestellt: Am Mittag in Berlin bundesweit, am Abend dann in Korntal. Der Beginn ist um 19.30 Uhr im Bürgertreff in der Görlitzstraße 4.