Radfahren in Esslingen Acht Fahrradplätze für 3000 Burg-Besucher

Die Möglichkeiten, Fahrräder in der Nähe zur Burganlage sicher abzustellen, sind bislang rar. Foto: Roberto Bulgrin

Damit das Publikum lieber mit dem Fahrrad zu großen Events auf die Burg kommt, will die FDP/Volt mehr Fahrradständer. Die Stadt bietet aber nur eine kleine Lösung.

Als Beitrag zur Verkehrswende möchte die Stadt Esslingen möglichst viele Menschen ermuntern, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, zu Fuß zu gehen – oder aufs Fahrrad umzusteigen. Viele würden den eigenen Drahtesel gerne häufiger für Alltagsfahrten nutzen, doch dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Ganz oben auf dem Wunschzettel vieler Radlerinnen und Radler stehen mehr sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder im Stadtgebiet. Weil viele gern die Esslinger Burg ansteuern, hatte die Ratsfraktion von FDP und Volt im vergangenen November beantragt, „auf dem Gelände der Esslinger Burg ausreichend moderne Fahrradstellplätze zu installieren“.

 

Die Verwaltung hat diesen Wunsch geprüft und auf dem gesamten Burggelände Platz für vier Fahrradbügel gefunden, wo künftig insgesamt acht Fahrräder abgestellt werden könnten. Die Antragstellerinnen waren damit gar nicht glücklich – sie hatten sich deutlich mehr erhofft.

Beitrag zu zeitgemäßer Mobilität in Esslingen

Die FDP/Volt-Stadträtinnen Rena Farquhar und Anita Maticevic hatten ihren Antrag damit begründet, dass das Burggelände regelmäßig für Veranstaltungen wie das Open-air-Kino und Konzerte genutzt wird. Bis zu 3000 Besucherinnen und Besucher werden dort an jedem Abend gezählt. Daraus zogen die FDP/Volt-Rätinnen den Schluss: „Angesichts der wachsenden Begeisterung, Veranstaltungen mit dem Fahrrad zu besuchen, ist es notwendig, die Infrastruktur entsprechend anzupassen.“

Das Publikum kommt stets in Scharen zu den Konzerten auf der Burg. Foto: hr

Das könne helfen, den CO₂-Ausstoß im städtischen Verkehr zu reduzieren, die Burg für ein breiteres Publikum zugänglich zu machen, das Engagement der Stadt für Klimaschutz und zeitgemäße Mobilität zu unterstreichen und die angespannte Parksituation im Bereich der Burg zu entspannen. Die neuen Fahrradstellplätze sollten nach den Vorstellungen der Antragstellerinnen an zentraler und gut zugänglicher Stelle unmittelbar in der Nähe des Eingangs zum Burggelände installiert werden.

Doch die Hoffnung der FDP-Volt-Fraktion auf einen großen Wurf erhielt unlängst im Ausschuss für Bauen, Mobilität und Klima des Gemeinderats einen herben Dämpfer: Teresa Engel, die Leiterin der städtischen Stabsstelle Mobilität, ließ die Ratsmitglieder wissen, man habe potenzielle Standorte für Fahrradabstellanlagen wie den Parkplatz der Burg, den äußeren Burgplatz und den Burghof unter die Lupe genommen. Der Burg-Parkplatz habe sich als nicht geeignet erwiesen, weil die Entfernung zum Eingang relativ groß sei und zudem einer oder mehrere der ohnehin raren Auto-Abstellplätze weichen müssten.

Standorte für Fahrräder in Esslingen werden im Einzelfall geprüft

Überall in der Esslinger Innenstadt werden Fahrradabstellmöglichkeiten gebraucht. Foto: Roberto Bulgrin

Aus denkmalschutzrechtlichen Erwägungen habe man sich auch gegen Fahrradabstellanlagen im Burghof entschieden. Für das unmittelbare Umfeld der zentralen Hauptzugänge zur Burg gelte Umgebungsschutz. Und im weiteren äußeren Bereich der Burg seien nur wenige Flächen für Fahrradabstellanlagen vorhanden, da Feuerwehrzufahrten freigehalten und Grünflächen erhalten werden müssten.

Eine zusätzliche Versiegelung von Grünflächen werde als kritisch betrachtet. Deshalb entschied sich die Verwaltung in enger Abstimmung der betroffenen Ämter für einen Standort in der Nähe des nördlichen Eingangs zur Burg: Auf den Rasengittersteinen im Schönenbergweg werden vier Fahrradbügel installiert. „Dies bietet somit Platz zum Abstellen von acht Fahrrädern“, ließ Teresa Engel die Ratsmitglieder wissen.

FDP/Volt fordert mehr Fahrradstellplätze für Esslinger Burg

Die FDP/Volt-Fraktion ließ deutlich werden, dass sie sich wesentlich mehr erhofft hatte als vier Bügel für das sichere Abstellen von gerade mal acht Fahrrädern. Gerade bei Großveranstaltungen sei das kaum ein Tropfen auf den heißen Stein. Und auch die anderen Ratsfraktionen hätten sich erklärtermaßen ganz andere Größenordnungen erhofft.

Baubürgermeister Hans-Georg Sigel konnte die Enttäuschung vieler in der Ratsrunde nachvollziehen, verwies aber auch die zahlreichen Faktoren, die bei der Standortwahl für Fahrradabstellplätze eine Rolle spielten. Die Verwaltung habe bereits eine Reihe weiterer Standorte im Stadtgebiet auf der Rechnung und wolle die Augen offenhalten, sollten sich auf der Burg noch etwas mehr tun lasse. So konnten sich manche in der Ratsrunde auch temporäre Angebote vorstellen, die speziell bei Großveranstaltungen mehr Möglichkeiten schaffen könnten, Fahrräder in der Nähe zur Burg sicher abzustellen.

Mehr Radabstellanlagen für Esslingen

Bedarf
 Viele Menschen würden im Alltag gern aufs Fahrrad umsteigen, doch sie wollen Gewissheit, dass sie ihre Drahtesel sicher abstellen können. Das gilt nicht nur an Bahnhöfen, wo so mancher Radler auf die Schiene umsteigt, sondern auch an zentralen Orten im Stadtgebiet wie in er Innenstadt. Deshalb ist die Suche nach Standorten für neue Radabstellanlagen ein kontinuierlicher Prozess. Mögliche Standorte werden unter anderem von Bürgerausschüssen, Verkehrsverbänden wie VCD und ADFC, dem Stadtmarketing sowie verschiedenen städtischen Ämtern und Stabsstellen genannt.

Prüfung
Die vorgeschlagenen Standorte werden zunächst von der städtischen Stabsstelle Mobilität federführend geprüft. Gibt es konkrete Pläne, werden sie den beteiligten Ämtern zur genaueren Prüfung vorgelegt. Gefragt ist nicht nur die Meinung von Baurechtsamt, Feuerwehr, Stadtplanungsamt, Tiefbauamt, Ordnungsamt, Liegenschaftsamt und Grünflächenamt. Auch von so genannten Leitungsträgern wie den Stadtwerken oder den Telekommunikationsunternehmen werden Stellungnahmen eingeholt.

Standorte
Durch dieses so genannte Umlaufverfahren wurden weitere Standorte bestätigt – am Kesselwasen, an der Tiefgarage Küferstraße, am Kreisverkehr in der Wäldenbronner Straße, an der Wäldenbronner Straße 14, bei Edeka in der Wäldenbronner Straße, am Zollernplatz, am Schulzentrum Nord, beim Café Kauz, in der Olgastraße, in der Hindenburgstraße, in der Ehnisgasse, am Blarerplatz und in der Obertorstraße. Bei Standorten, denen im Ämterumlaufverfahren nur unter Vorbehalt zugestimmt wurde, werden die Abstimmungen mit den entsprechenden Ämtern weiter vertieft. So kann etwa die Anzahl der Fahrradbügel an bestimmten Standorten reduziert werden, um umliegende Bäume nicht durch wild abgestellte Fahrräder zu beschädigen.

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