Radfahren in Stuttgart "Wir brauchen keine rosa Klamotten zum Biken"

Von dane 

Die deutsche Meisterin im Fourcross, Katrin Karkhof, hat erst mit 24 Jahren ihre Leidenschaft fürs Mountainbiken entdeckt. Mit dem Rad ging es beim Downhill von da an rasant bergab, mit der Karriere steil bergauf. Als ehemalige WM-Teilnehmerin setzt sich die Wahl-Stuttgarterin heute dafür ein, dass sich mehr Mädels was trauen in dem einstigen Männersport.

Vergoldetes Fahrkönnen bei der deutschen Meisterschaft! Bikerin Katrin Karhof hält stolz ihre Medaille in die Kamera. Foto: Katrin Karkhof 5 Bilder
Vergoldetes Fahrkönnen bei der deutschen Meisterschaft! Bikerin Katrin Karhof hält stolz ihre Medaille in die Kamera. Foto: Katrin Karkhof

Bei einer Weltmeisterschaft mitgefahren zu sein, das macht Katrin Karkhof zurecht stolz. 2014 in Norwegen war das. Damals war die heute 36-jährige Mountainbikerin nach Adam Riese bereits 31. Alles eine Frage der Fitness. Will die gebürtig aus dem Ruhrgebiet stammende Wahl-Stuttgarterin es doch noch rollen lassen, bis sie 70 ist. "Beim Biken bestimmst du dein Tempo selbst", nennt sie einen der Gründe, die für sie den Radsport bis ins höhere Alter reizvoll machen. "Du musst eben schauen, dass du deinen Körper mit Krafttraining, Bergauf- und Rennradfahren in Schuss hältst." Das gelte auch fürs Downhillfahren, das nicht nur bedeute, im Rausch der Geschwindigkeit den Berg hinabzusausen. "Vielmehr machst du fünf Minuten Liegestütze auf dem Lenker und kommst unten mit einem Puls von 180 an."

Nicht die "Omi" im weiblichen Teilnehmerfeld

Als Katrin Karkhof mit 27 Jahren begonnen hat, Rennen zu fahren, war sie keinesfalls "die Omi" im weiblichen Teilnehmerfeld. Die meisten Frauen würden erst in ihren Zwanzigern mit dem Bilken beginnen. "Das liegt meist daran, dass sie zuvor gar nicht mit dem Sport in Berührung kommen", sagt Katrin Karkhof. Viele würden sich vor allem vom Rowdie-Image des Downhillfahrens abschrecken lassen. "Dabei ist das an den Haaren herbeigezogen", sagt die deutsche Meisterin im Fourcross.

Auch die Probleme mit Wanderern und Radfahrern etwa auf Waldwegen sieht sie nicht. "Es gibt immer Idioten. Aber die meisten Biker halten sich an Regeln", weiß Katrin Karkhof aus reicher Erfahrung. Denn schließlich ist sie oft auf zwei Rädern unterwegs. Auch hier in Stuttgart, wo sie aufgrund der Topografie der Landeshauptstadt ihren Bikepark quasi vor der Haustür hat. Öfter zieht es sie mit ihrem Zweirad aber auch in die Ferne. Empfehlen kann Katrin Karkhof In Deutschland etwa den Geisskopf in Bischofsmais oder die Bikeparks in Todtnau und Bad Wildbad. Doch ihr ganz persönlicher "Happy Place" ist Finale Ligure. In dem italienischen Mountainbike-Mekka trifft Katrin Karkhof meist viele bekannte Gesichter und genießt beim Fahren den Blick aufs Meer.

Als Exotin fühlt sie sich nicht mehr

Mittlerweile hat sich Katrin Karkhof aus dem aktiven Rennsport zurückgezogen. Sie setzt sich nun stark dafür ein, dass andere Frauen in ihre Pedale treten. Die Physiotherapeutin - und als solche Fachlehrerin an einer Körperbehindertenschule - leitet in ihrer Freizeit den Bike-Nachwuchs an. Fühlte sie sich früher in Bikeparks oft als einzige Frau unter Männnern als Exotin, biete sich dort heute ein ganz anderes Bild. Auch die "Women's Bike Camp" würden sehr gut angenommen werden. Bei so einem Team-Training lernen Frauen von Frauen. "Wenn eine Frau einen Sprung macht, dann denke ich viel eher, das kann ich auch, als wenn ich von einem Mann etwas auf dem Bike gezeigt bekomme", erklärt Katrin Karkhof die Philosophie dahinter. "Außerdem können wir die gleichen Räder fahren wie die Jungs und brauchen zum Biken auch keine rosa Klamotten", fügt sie lachend hinzu. Den Bike-Sport früher an die Frau beziehungsweise an die jungen Mädels zu bringen, das ist eines von Katrin Karkhofs Zielen. "Außerdem wäre es toll, wenn in Stuttgart mehr dafür getan würde, Mountainbiken als mögliche Freizeitgestaltung besser zu vermarkten."

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