Radfahrverbot im Höhenpark Killesberg Ordnungsamt verschärft Kontrollen im Park

Von Eva Funke 

Trotz Verbots wird in der historischen Anlage am Killesberg Fahrrad gefahren. Damit soll bald Schluss sein. Das Stuttgarter Ordnungsamt macht Schwerpunktkontrollen.

So klein, dass es beim Vorbeiradeln nicht zu erkennen ist: das Piktogramm, das beim Naturfreundehaus auf das Radfahrverbot  im Park hinweist Foto: Eva Funke
So klein, dass es beim Vorbeiradeln nicht zu erkennen ist: das Piktogramm, das beim Naturfreundehaus auf das Radfahrverbot im Park hinweist Foto: Eva Funke

Stuttgart-Nord - Radfahren im Höhenpark Killesberg erlauben oder verbieten: Obwohl es die Forderung nach einer Aufhebung des Radfahrverbots auf Platz sechs im Bürgerhaushalt geschafft hat, stimmten die Bezirksbeiräte geschlossen gegen eine Aufhebung des Verbots. Das war vor rund einem Jahr. Doch sind seither weniger Radler im Park unterwegs?

„Nein, im Gegenteil“, sagt Torsten Koritke und stellt fest, dass der Radfahrverkehr im Höhenpark von Jahr zu Jahr zunimmt. „Bei schönem Wetter habe ich an einem Sonntag in 35 Minuten 35 Radler gezählt“, sagt er. Darunter auch E-Biker, Fahrer von Elektrorollern und Lastenrädern. Der Angestellte wohnt in der Nähe des Parks und geht dort regelmäßig mit seinem Hund spazieren. Vor allem morgens zwischen 6 und 8 Uhr und vom Spätnachmittag bis zum Abend machen nach seinen Beobachtungen Radfahrer die Wege im Höhenpark für Spaziergänger gefährlich: Die Biker kommen von hinten, sind nicht zu hören und fahren dicht an den Fußgängern vorbei. Manche Radfahrer scheinen den Park für eine Downhill-Strecke zu halten. Neben der Treppe zum Primelgarten und auf den Grünflächen zeigt Koritke auf Reifenspuren. „Einige bleiben nicht mal auf den Wegen, sondern brettern querfeldein durch den Park.“

Kontrolliert werden Radpendler und Freizeitradler

Besonders gefährlich sei die Strecke vom Park durch die Unterführung Richtung Naturfreundehaus. Koritke: „Der Weg ist abschüssig, dadurch bekommen die Radfahrer ein enormes Tempo.“ Und noch etwas bemängelt er: Bei der Unterführung ist beim Parkzugang zwar ein schönes neues Schild mit Piktogrammen angebracht, die darauf hinweisen, was alles im Park verboten ist. Auch das Radfahrverbot ist zu sehen. Doch die Piktogramme sind kaum größer als eine Zwei-Euro-Münze und vom Rad aus nicht zu erkennen. „Da müssten die Radfahrer absteigen und sich die Tafel genau angucken. Aber das macht doch keiner“, kritisiert Koritke und fordert Tafeln, die nicht zu übersehen sind.

Derzeit fährt die Polizei zwar öfter Streife im Park als sonst. „Allerdings, um zu kontrollieren, ob die Parkbesucher die Sicherheitsabstände wegen der Coronakrise einhalten. Radler werden nicht angehalten“, will Koritke festgestellt haben. Er ist überzeugt, dass das Radfahrverbot nur durch regelmäßige Kontrollen und Bußgelder durchzusetzen ist. Denn was nutzten Verbote, wenn deren Einhaltung nicht überwacht werde, fragt er und hat sich bereits ans Ordnungsamt gewendet.

Mit Erfolg: „Von nächster Woche an wird es im Park Schwerpunktkontrollen geben“, versichert Regina Berndt, die Leiterin des städtischen Vollzugsdiensts beim Ordnungsamt. Vier von ihren 63 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seien dann dort im Einsatz. Die Kontrollen sollen vor allem am Morgen, am späten Nachmittag und am frühen Abend stattfinden, wenn die Radler zur Arbeit und wieder nach Hause fahren. Am Wochenende soll mittags kontrolliert werden, wenn die Freizeitradler unterwegs sind. In der ersten Woche werden die Radler mündlich verwarnt. Doch danach wird es ernst. Berndt: „Dann werden wir Anzeigen wegen ordnungswidrigen Verhaltens erstatten.“ Das Bußgeld liegt bei immerhin 25 Euro. Auch in der Diskussion sei es, durch größere Piktogramme deren Sichtbarkeit zu erhöhen. Eventuell soll das Radfahrverbot bei den Parkzugängen auf dem Boden aufgebracht werden.

Die Polizei verzichtet auf Schwerpunktkontrollen. „Sind viele Radler im Park unterwegs, können uns die Parkbesucher auf dem Revier anrufen“, sagt Ralf Perrey, der stellvertretende Leiter des Polizeireviers Wolframstraße. Sofern eine Streife frei ist, werde die dann in den Park geschickt, verspricht er. Seine Kollegen fahren derzeit „mindestens einmal täglich“ durch den Höhenpark – aber hauptsächlich, um die Einhaltung der Coronaverordnung zu kontrollieren. „Reicht die Zeit, werden auch Radler zum Absteigen aufgefordert und auf das Fahrverbot hingewiesen“, sagt Perrey und weiß von seinen Kollegen, dass die Radler sich dann oft darüber beschweren, dass die Polizei im Park Streife fährt.

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