Die einen – darunter die Kreisgruppe des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und die Grünen im Gemeinderat – beantworten die Frage klar mit Ja. Andere – darunter einige Einzelhändler und vorrangig die CDU-Fraktion – meinen: Das Auto dürfe in Ludwigsburg nicht verteufelt werden. Wer weniger Verkehr rund um den Bahnhof, den Arsenal- und den Schillerplatz zulasse, der beschädige damit die Innenstadt nachhaltig. Die Befürchtung, die dabei immer wieder aufs Neue geäußert wird: Es kommen weniger Menschen zum Einkaufen, Geschäften, Cafés und Restaurants geht die Kundschaft flöten.
Parken in der Innenstadt – das soll weiterhin möglich sein
Die neu gegründete Initiative „Ludwigsburg – gut zu Fuß!“, die aus dem VCD hervorgegangen ist, will nun die Diskussion vorantreiben und für eine Umgestaltung der Innenstadt zugunsten der Fußgänger beim Einzelhandel und der Kommunalpolitik werben.
Die Initiative wünscht sich eine „verkehrsberuhigte Innenstadtachse mit hoher Aufenthaltsqualität, die sich von der Wilhelmstraße über Arsenal- und Schillerplatz bis zur Myliusstraße und dem Bahnhof erstreckt“. Sprecherin Roswitha Matschiner ist überzeugt, dass das Konzept genau den gegenteiligen Effekt dessen hätte, was die Kritiker befürchten. Der Einzelhandel sei dort erfolgreich, „wo er für Fußgänger und Fahrradfahrer attraktiv ist und wo ausreichend Parkplätze in fußläufiger Entfernung vorhanden sind.“
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Was die Initiative fordert, dürfte für viele Autofahrer aber beinahe radikal klingen. Denn vom Bahnhof über die Mylius-, Schiller- und Arsenalstraße sowie in weiten Teilen der Wilhelmstraße soll nur noch Tempo 20 gelten. Fußgänger, Radfahrer, Busse und Taxen sollen sich die Straßen dann teilen. Was die Initiative fordert, kommt de facto einem Autoverbot gleich. Es sei allerdings deutlich, dass „die fußgängerfreundlichen Bereiche geradezu von einer Wolke aus Parkplätzen umgeben sind“, sagt Anne Kuhn. „Niemand muss befürchten, mit dem Auto nicht mehr in die Innenstadt zu kommen. Alle Parkhäuser und natürlich auch der Bahnhof und das Ärztehaus in der Myliusstraße bleiben gut mit dem Auto erreichbar.“
Auf der Wilhelmstraße soll erst einmal Tempo 30 kommen
Ein wenig überraschend kommt der Vorschlag der Initiative auch deshalb, weil der Gemeinderat am Mittwoch einen geänderten Lärmaktionsplan auf den Weg gebracht hat. Er sieht nun vor, dass Autofahrer in der Wilhelmstraße ohnehin bald nur noch 30 Kilometer in der Stunde fahren dürfen. Das ist der Initiative offenbar noch nicht genug.
Die Vorschläge haben – wenig überraschend – nicht nur Fans. Zu den Skeptikern gehört unter anderem Klaus Herrmann, Fraktionsvorsitzender der CDU. Er möchte nicht von „Durchfahrtsverkehr“, wie es die Initiative tut, sprechen. „Da fährt doch keiner durch, der nach Bietigheim oder Stuttgart will“, sagt Herrmann. Tempo 20 in der Wilhelmstraße sei „völlig weltfremd“.
Für die Verwaltung sind die Vorschläge zunächst einmal ein „Denkanstoß“. Die angedachten Lösungen könnten nur funktionieren, „wenn Gastronomie, Einzelhandel und Kundschaft dafür gewonnen werden, dass dies ein Element für eine lebenswerte und pulsierende Innenstadt ist“, sagt Oberbürgermeister Matthias Knecht.
Viel hängt vom Umbau des Arsenalplatzes ab
Auch Margit Liepins (SPD), die den Plänen prinzipiell aufgeschlossen gegenübersteht, hält zumindest Zebrastreifen in der Wilhelmstraße für notwendig. Dass beispielsweise Senioren, die nicht gut zu Fuß sind, oder auch kleinere Kinder die Straße mit Rad- und Busverkehr so queren können, hält sie für gefährlich. Laut der Initiative hat der Stadtseniorenrat die Pläne aber für gut befunden.
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Christine Knoß (Grüne) begrüßt den Vorstoß der Initiative. Menschen, die in Ludwigsburg zu Fuß gehen, seien „viel zu lange vernachlässigt worden“. Knoß hofft, dass die Innenstadtakteure erkennen, dass sie davon profitieren, wenn sich Fußgänger wohl fühlen. „Denn wenn man aus dem Auto ausgestiegen ist, dann ist schließlich jeder Fußgänger.“ Ihrer Meinung nach hängt viel davon ab, wie es mit dem Projekt Zentrale Innenstadtentwicklung (ZIEL) weitergeht. Über die Um- und Neugestaltung von Arsenal- und Schillerplatz, die die Stadt aufgrund der finanziellen Situation abschnittsweise angehen möchte, wird erst im Herbst entschieden.
Reichen Schilder und Kontrollen?
Im Rahmen des Projekts Pop-Up-Innenstadt soll der Arsenalplatz vorübergehend so umgestaltet werden, dass er „zu einem Platz wird, der von allen Bevölkerungsgruppen gern genutzt wird“. Die Initiative schlägt vor, dass ihr Konzept dabei berücksichtigt wird. Sie verspricht sich beispielsweise schon von neuen Ampelschaltungen, die besser auf den Bedarf von Fußgängern zugeschnitten sind, eine Verbesserung. Nötig seien zur Umsetzung sonst „nur eine gute Beschilderung und ausreichende Kontrollen“.