Radioaktive Abfälle Strahlende Handy-Abfälle nähren die Skepsis

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Radioaktive Abfälle, deren Ursprung im Kongo liegt, wurde vor gut zwei Jahren auf der Vaihinger Deponie Burghof abgelagert. Nun hat sich eine Gruppe gebildet, die auch den 2017 anrollenden Bauschutt vom Kernkraftwerk Neckarwestheim kritischer betrachten will.

Auf der Deponie Burghof bei Vaihingen-Horrheim wurden in den Jahren 2014 und 2015 rund 5000 Tonnen radioaktive Schlacke abgelagert Foto:  
Auf der Deponie Burghof bei Vaihingen-Horrheim wurden in den Jahren 2014 und 2015 rund 5000 Tonnen radioaktive Schlacke abgelagert Foto:  

Vaihingen/Enz - In einem Punkt lässt Landrat Rainer Haas mit sich diskutieren. Ja, es gebe kein zwingendes Argument dafür, dass die Kreis-Abfallverwertung AVL radioaktiv belastetes Material in den Deponien Burghof (Vaihingen/Enz) und Hamberg (Maulbronn, Enzkreis) ablagere. Also: „Wir hätten sagen können: wir wollen dieses Material nicht deponieren“, gibt Haas zu. Denn eine Entsorgungspflicht gebe es nicht.

Gleichwohl ist Haas davon überzeugt, „dass dieses Material strahlenmäßig nicht relevant“ ist – eben, weil es sich nicht um Reststoffe von atomaren Anlagen handle, sondern um Schlacke, die bei der Produktion von Handys entsteht. „Es handelt sich hierbei um natürliche Strahlung“, sagt Haas. Und die sei nun mal allgegenwärtig.

Zentraldeponie für radioaktive Reststoffe?

In Vaihingen gibt es offenbar eine kleine, aber anscheinend wachsende Zahl von Menschen, die dieses Geschäft – in den Jahren 2014 und 2015 wurden rund 5000 Tonnen auf der Deponie Burghof abgelagert – deutlich kritischer sehen. „Soll der Burghof jetzt die zentrale Deponie für radioaktive Reststoffe aus dem ganzen Land werden?“, fragt ein besorgter Bürger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Allein die Kombination der Begriffe „Radioaktives Material“ und „Deponien“ erhitzt mittlerweile die Gemüter.

Vor wenigen Monaten war bekannt geworden, dass die AVL über Jahre hinweg radioaktiven Bauschutt aus atomaren Anlagen aus dem Landkreis Karlsruhe in den Deponien Froschgraben (Schwieberdingen) und Burghof abgelagert hatte. Als kurz darauf eine Gruppe von Schwieberdinger Bürgern auf (mögliche) Mängel bei der Deponierung von Asbest im Froschgraben hinwies, war die Krise perfekt. Der Schwieberdinger Deponieleiter wurde in den Enzkreis, zur Deponie Hamberg, versetzt. Der ehemalige Vizelandrat und AVL-Chef Utz Remlinger übernahm die politische Verantwortung und trat als Chef-Abfallmanager zurück. Mittlerweile hat auch der AVL-Technik-Chef Albrecht Tschackert angekündigt, zum Jahreswechsel in die Privatwirtschaft zu wechseln.

Heikle Herkunft bringt manche auf die Palme

In Schwieberdingen hat die Empörung längst den Gemeinderat erfasst: Einstimmig beschloss das Gremium, dass die Gemeinde die für 2017 anstehende Ablagerung von schwach radioaktivem Bauschutt vom Kernkraftwerk Neckarwestheim abgelehnt wird. Nun scheint sich auch in Vaihingen Widerstand zu formieren – jedenfalls gibt es erstmals eine öffentliche Veranstaltung dazu (siehe „Diskussion über Strahlenabfall“).

Insbesondere die heikle Herkunft des radioaktiven Materials, das 2014/15 auf dem Burghof deponiert wurde, bringt manchen auf die Palme. Wie der Landrat Haas bestätigt, kamen die Rohstoffe, die eine Firma am Sitz in Laufenburg in Südbaden weiterverarbeitete, aus dem Kongo. Das noch immer von Bürgerkrieg geplagte Land gilt als wichtiger Lieferant von Rohstoffen, aus denen sich so genannte Seltene Erden gewinnen lassen, die wiederum für die Produktion von Mikrochips für die Herstellung von Mobiltelefonen werden.

Zumindest eine Konsequenz wird die Diskussion über radioaktive Reststoffe bei der AVL haben. Laut dem Landrat soll demnächst darüber diskutiert werden, „ob wir überhaupt noch Material von außerhalb hier deponieren“, sagt Haas.




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