Radkulturtag in Fellbach Codieren, waschen und checken lassen

Andreas Schwager codiert am Stand des ADFC Fahrräder. Das macht Dieben den Weiterverkauf schwerer. Foto: Gottfried Stoppel

Eine Art Wohlfühlprogramm fürs Fahrrad hat es in Fellbach beim Radkulturtag gegeben. Er war Abschluss der kreisweiten Umweltaktion Stadtradeln. Radfahrer zeigten aber auch auf, wo es an der Streckenführung hapert.

Rems-Murr: Eva Schäfer (esc)

Bikergang Schmiden, Zweiohrradler – manche Namen der Gruppen, die in die Pedale traten, blieben schnell im Gedächtnis. Bei den Kaffeeradlern assoziierte man, dass es die Teilnehmer wohl recht entspannt angehen. Doch just in diesem Team radelte jeder Teilnehmer bisher stattliche rund 530 Kilometer. Die Gruppe von elf Radlern lag jüngst mit insgesamt rund 5800 gefahrenen Kilometern auf Platz 51 im kreisweiten Ranking. Drei Wochen galt es bei der Umweltaktion Stadtradeln, möglichst viele Alltagswege auf dem Fahrrad zurückzulegen, das Auto stehen zu lassen und Radkilometer zu sammeln.

 

Am Samstag wurde zum Abschluss des dreiwöchigen Wettbewerbszeitraums ein Radkulturtag im Fellbacher Rathausinnenhof geboten, organisiert von der Stadt Fellbach und der Initiative Radkultur. Salopp gesagt, gab es eine Art Wohlfühlprogramm rund ums Rad – codieren, waschen, checken lassen, lautete das Motto. Schon um 10 Uhr beim offiziellen Start im Rathausinnenhof standen die Radler Schlange an dem Stand des ADFC, an dem Andreas Schwager Fahrräder codierte. Michael Pollak aus Korntal-Münchingen war dafür eigens nach Fellbach geradelt. „Das Angebot gibt es nicht so oft, und so habe ich die Chance genutzt“, sagte er, „mit der Codierung hat man ein besseres Gefühl.“ Zur Erklärung: Wer sein Fahrrad codieren lässt, macht es Dieben schwerer, gestohlene Fahrräder zu verkaufen.

Andrang bei der mobilen Waschanlage für Räder

Andrang herrschte ebenso an der Waschanlage für Fahrräder. Ulrich Lenk aus Schmiden reihte sich ein, um sein Rad auffrischen zu lassen. Der Kölner Maschinenbauer Sachin Kumar hat mit seiner Firma Cycle Wash eine mobile Waschanlage entwickelt. In wenigen Minuten wird das Rad mithilfe von Bürsten und Wasser, angereichert mit Bioreiniger, geputzt. „Wir haben inzwischen 200 Maschinen in 17 Ländern“, sagte Kumar. Wenige Meter weiter waren die Radmechaniker gefragt, die einen kostenlosen Radcheck und kleinere Reparaturen boten. Teamleiter Christopher Hauk mit seinen Mitarbeitern Ayo und Ivan überprüften Lichter, Bremsen und vieles mehr. „Wir checken, ob das Rad sicher ist. 90 Prozent der Räder haben beispielsweise zu wenig Luft“, sagte Christopher Hauk. Die Bandbreite war groß, um Fans des Radelns Freude zu machen.

Stadtradeln-Star Carmen Brauer wünscht sich ein besseres Radwegenetz

Auch Carmen Brauer aus Schmiden, die als einziger Stadtradeln-Star im Kreis drei Wochen lang komplett auf das Autofahren verzichtete und in einem Blog darüber berichtete, war da. Ihr Fazit: „Es war eine tolle Erfahrung, doch das Netz an Radwegen muss besser ausgebaut werden. Immer wieder endet ein Radweg einfach so.“

Schwachstellen für Radfahrer unter die Lupe genommen

Die Schwachstellen im Radnetz nahm speziell auch die Gruppe in den Fokus, die sich mit Tadeusz Rzedkowski von der Fellbacher Ortsgruppe des VCD aufgemacht hatte. Neuralgische Punkte sind, so ihre Erkenntnis, unter anderem die Streckenführung am Stuttgarter Platz. „Ein sehr gefährliches Nadelöhr durch die Baustelle“, sagte ein Teilnehmer. Brisant sei aber auch die Situation am Ende der nördlichen Bahnhofstraße, wenn Radler von der Straße wieder abrupt auf den Radweg wechseln müssen, machte ein Radfahrer deutlich. Als „Höllenstrecke“ wird die Hauptstraße in Oeffingen erachtet. Aber auch der gesperrte Radweg in Verlängerung der Lindenbergstraße aufgrund der SDK-Baustelle sorgte für Kopfschütteln. „Diese wichtige Radachse ist seit zwei Jahren gesperrt“, sagte Rzedkowski. „Wir nehmen die Anregungen auf“, sagte Julia Dickow von der Stabsstelle Radmobilität in Fellbach, die mit dem Lastenrad die Tour begleitete. „Die zwölf Kilometer sind die letzten, die ich jetzt fürs Stadtradeln eintrage“, sagte eine Teilnehmerin am Ende der Rundtour, die für das Team Weltladen Fellbach Kilometer sammelte. In Fellbach wurden insgesamt bisher rund 115 000 Kilometer gestrampelt.

Das Schulzentrum Rudersberg liegt bisher wieder ganz vorne

Auf Platz eins der kreisweiten Auswertung liegt übrigens bisher das Team Schulzentrum Rudersberg. Mit 219 aktiv Radelnden sind die Schüler ganz vorne. „Sie haben auch im vergangenen Jahr den ersten Platz geholt“, teilte Felicia Wurster, Leiterin der Stabsstelle Klimaschutz des Landkreises, mit. Wie es derzeit aussehe, liege die Summe der gestrampelten Kilometer insgesamt bei rund 1,1 Millionen Kilometern. Im vergangenen Jahr hatten rund 5000 Menschen aus dem Landkreis teilgenommen und 1,2 Millionen Kilometer zurückgelegt. Auch nach dem offiziellen Ende am 23. Juli können die gefahrenen Kilometer nachgemeldet werden. „Manche schreiben ihre Kilometer drei Wochen lang auf und teilen sie dann in der Summe mit“, sagte Felicia Wurster. Nachmeldungen seien noch eine Woche möglich.

Die Daten sind abrufbar auf der Homepage des Stadtradelns. Die Kilometer werden dokumentiert, aber auch wie viel an CO2 und Benzin gespart wurde. Weitere Radcodierungen bietet der ADFC am 30. Juli in Waiblingen und am 9. Oktober in Winnenden an. Mehr Infos unter www.stadtradeln.de/rems-murr-kreis.de

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