Radprofis vs. Tennisstar Nadelstiche gegen Nadal

Der Gigant von Paris: Tennisprofi Rafael Nadal Foto: dpa/Michel Euler

Warum die Radprofis Thibaut Pinot und Guillaume Martin die Injektionen kritisieren, die sich der „Weltmeister der Schmerzen“ beim Turnier in Paris regelmäßig hat verpassen lassen.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Rafael Nadal (36), daran gibt es keine Zweifel, ist ein sensationeller Tennisspieler. Natürlich nicht nur, aber erst recht auf dem Sand von Paris. 14 seiner 22 Grand-Slam-Titel hat er bei den French Open geholt, dort gewann er 112 von 115 Matches – auch weil er bereit ist, an seine körperlichen Grenzen zu gehen. Und manchmal darüber hinaus. Für seinen Onkel und Ex-Trainer Toni Nadal ist er deshalb der „Weltmeister der Schmerzen“. Ein fragwürdiger Titel? Aus Sicht von zwei Radstars auf jeden Fall.

 

Die Franzosen Thibaut Pinot und Guillaume Martin setzten jedenfalls verbale Nadelstiche gegen Nadal, nachdem dieser im Anschluss an seinen Finalsieg in Paris erstaunlich freimütig über den Einsatz schmerzlindernder Medikamente gesprochen hatte. „Ich habe ohne Gefühl im Fuß und mit einer Spritze in den Nerv gespielt. Der Fuß war wie taub“, erklärte Nadal, der unter einer degenerativen Fußverletzung leidet. Er habe vor jedem Match Spritzen bekommen, anders sei an eine Teilnahme nicht zu denken gewesen.

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„Das sind die Helden von heute“, kommentierte Pinot süffisant. Der Satz war allerdings nicht nur spöttisch gemeint. Er hat durchaus einen ernsten Hintergrund.

Ratlose Radprofis

Im Profiradsport wurde schon 2011 der Einsatz von Injektionsnadeln verboten. Kein Wunder, dass die Causa Nadal, der in Paris die Frage, wie viele Spritzen er während der French Open erhalten habe, mit einem Lachen unbeantwortet gelassen hatte („Es ist besser, wenn Sie das nicht wissen“), die Pedaleure ratlos zurücklässt. Und gleichzeitig mit dem Gefühl, dass die Wahrnehmung, was in den diversen Sportarten richtig und falsch ist, nicht zusammenpasst. „Wenn ein Radprofi dasselbe tun würde wie Rafael Nadal, wäre das illegal“, sagte Guillaume Martin der „L’Equipe“, „und selbst wenn es nicht verboten wäre, würde jeder über den Radler herfallen und ihn als Doper bezeichnen.“

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Zur Klarstellung: Weder Pinot noch Martin, beide bei Mannschaften angestellt, die der Bewegung für sauberen Radsport (MPCC) angehören, haben Nadal des Dopings bezichtigt. Und sie stellen Schmerzmittel auch nicht auf eine Stufe mit leistungssteigernden Substanzen. Was sie aber extrem stört, ist die Diskrepanz in Diskussionen über Doping in den Ausdauer- und den Spielsportarten. Da geht es ihnen wie Ralph Denk, der die Kontroverse um Nadal ähnlich beurteilt. „Es schaut so aus, als ob hier mit zweierlei Maß gemessen wird“, sagt der Chef des deutschen Rennstalls Bora-hansgrohe, „bei uns haben die Ärzte Nadeln nur in ihren Notfallkits, sie gehören nicht zum täglichen Handwerkszeug.“ Was in anderen Sportarten passiere, findet Denk „erstaunlich“.

Turnier in Wimbledon ohne neuerliche Tortur

Ein Umdenken gibt es nun auch bei Rafael Nadal – weil er spürt, dass er seinem Körper mit den Injektionen nichts Gutes tut. Für das Turnier in Wimbledon, sagte der „Weltmeister der Schmerzen“, werde er eine ähnliche Tortur nicht erneut auf sich nehmen.

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