Radrennen in Schönaich Eine perfekte 50. Auflage – beim runden Geburtstag läuft alles rund

Viele Zuschauer säumen die Strecke und feuern die Fahrerinnen und Fahrer im Start-/Ziel-Bereich an. Foto: Wolfgang Berger

Der Radklassiker „Rund um Schönaich“ zieht auch beim Jubiläumsrennen die Massen an. Sportlich rufen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einmal mehr Höchstleistungen ab.

Früh übt sich was ein Meister werden will. Etwas abgegriffen wirkt es, dieses Zitat aus Schillers Wilhelm Tell. Und doch hat es seine Berechtigung, wie beim Jubiläums-Radrennen „Rund um Schönaich“ am Ostermontag zu beobachten ist.

 

Während vormittags bei der 50. Auflage des Frühjahrsklassikers die U 19-Junioren um sportliche Meriten ringen, üben die Allerjüngsten spielerisch die Annäherung ans Radeln. Zwei Runden galt es in der Hofstraße zu absolvieren, die beim Laufradrennen den Ein- bis Vierjährigen und ihren stolzen Eltern gehörte, die ihre Sprösslinge enthusiastisch und oft herzlich lachend anfeuerten.

Die Kleinsten machen sich mit dem Osterhasen fit fürs Laufradrennen

Unter den kleinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist auch Mats Krauß. Der dreieinhalb Jahre alte Junge hat im Feld das mit Abstand schnittigste Gefährt – ein Laufrad der Marke „Early Rider“ mit Rennradlenker. Vor dem Startschuss steht aber erst einmal das kollektive Aufwärmen an, mit Hüpfen und Lockerungsübungen zu den Klängen von „Der Osterhase macht sich fit.“ Auch beim Rennen selbst steht nicht so sehr der Ehrgeiz, sondern mehr der Spaß im Vordergrund.

Dann eine Schrecksekunde, als Mats in der zweiten Runde auf der Zielgeraden plötzlich stürzt. Perplex liegt der Junge erst mal am Boden. Doch dann richtet sich die Startnummer 16 auf, steigt wieder aufs Rad und überquert die Ziellinie, nur wenig später bei der Siegerehrung strahlt Mats schon wieder und präsentiert seine Urkunde.

Mats hat einen prominenten Vater aus der Welt des Straßenradsports. Kein Geringerer als der ehemalige Radprofi Sven Krauß, der im Team Gerolsteiner gefahren ist, steht an der Strecke und nimmt mit der Familie den Filius in Empfang. Mats ist im Alltag praktisch jeden Tag mit dem Laufrad unterwegs. Vielleicht noch ein halbes Jahr, so schätzt der gebürtige Herrenberger Sven Krauß, dann wird er wohl schon auf ein Rad mit Pedalen umsteigen.

Bei „Rund um Schönaich“ herrscht Volksfeststimmung

Das Spektakel „Rund um Schönaich“ ist zum einen eine Gaudi für Familien. Mehrere tausend Besucherinnen und Besucher, gute Stimmung, Grillwurst, Steak-Wecken und ein frisch Gezapftes machen es zu einer Art Volksfest. Und dann ist es eine Veranstaltung mit hohem sportlichen Wert. Im süddeutschen Raum sucht das Schönaicher Rennen inzwischen seinesgleichen. „Es ist ein schweres Rennen, sportlich ein totales Highlight“, erklärt Experte Krauß.

Derweil stehen beim Juniorenrennen noch drei Runden auf der Uhr. Nur noch, könnte man versucht sein zu sagen. Doch wer in die abgekämpften Gesichter der schweißnassen Radrennfahrer blickt, verkneift sich das „nur“. Am Ende werden sie 117 Kilometer Tempofahrt in den Knochen haben, das schlaucht. Der tosende Applaus der Radsportbegeisterten entlang des Rundkurses und im Start-/Ziel-Bereich ist da Balsam für die geschundenen Körper.

Im Schatten wärmt sich derweil Nele Büngener auf einem Rollentrainer für ihren Einsatz auf. Die 14-Jährige aus Friedrichshafen startet für den RSV Seerose bei den Schülern U 15. Im Rampenlicht stand Nele Büngener bereits im vergangenen November, als sie bei der von Kai Pflaume moderierten TV-Familien-Spielshow „Klein gegen Groß“ gegen Jan Ullrich antrat. Am Ende schenkte der ehemalige Tour-de-France-Sieger Nele ein signiertes original gelbes Trikot von 1997 – dem Jahr seines Tour-Sieges.

Schülerin vom Bodensee hat Olympia 2040 fest im Blick

Die 14-Jährige scheint es beflügelt zu haben, sie beendet ihr Rennen in Schönaich als Zweite. Sichtlich stolz ist Vater Germar, der seine Tochter begleitet und die Teilnahme bei der Olympiade 2040 als Fernziel steckt. Bis dahin wird zwar noch viel Wasser des Rheins an Friedrichshafen vorbei durch den Bodensee fließen. Doch Nele will hart arbeiten, unterstützt von der Trainerin ihres Heimatvereins, der dreifachen Deutschen Meisterin Liane Lippert.

Am Ende des Ostermontags kann der Radsportclub (RSC) Schönaich als Veranstalter eine erfreuliche Bilanz ziehen. Viel hat der Verein in den vergangenen Jahrzehnten bewegt und sorgt regelmäßig dafür, dass die gut 10 000 Einwohner zählende Gemeinde im Kreis Böblingen für einen Tag zum Mekka des Radsports wird. Dass aus dem runden Geburtstag zum 50. eine rundherum runde Sache geworden ist, daran hatte nicht zuletzt auch das Wetter einen Anteil. Bei Sonnenschein und Temperaturen um die 20 Grad herrschte bestes Fest- und Radsportwetter. Einen Wermutstropfen gab es dennoch mit einem Sturz im Juniorenrennen. Und eines Falschparkers, der zu einem verzögerten Rennstart führte, hätte es ebenfalls nicht bedurft.

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