Stuttgart geriert sich gerne als Sportstadt. Dem Spardiktat der Stadt könnte nun ein bekanntes Event zum Opfer fallen. Im Haushalt wurde der Zuschuss für das Brezel Race, dem bekanntesten Radrennen in der Region, gestrichen. Im Herbst hatten Zehntausende an der Strecke gestanden, das Profi-Damen-Rennen Women‘s Cycling Grand Prix, das wie das Amateurrennen in der Landeshauptstadt endete, wurde live im Fernsehen übertragen.
Kurz vor Weihnachten teilte der Veranstalter mit, dass das Breitensport-Radrennen „nicht in der geplanten Art und Weise am 13. September in Stuttgart stattfinden kann. Gleiches gilt für Deutschlands einziges Profi-Radrennen für Frauen, den Women‘s Cycling Grand Prix“. Wie es weitergeht, ist unklar.
Wird das Brezel Race deutlich kleiner?
Von der Stadt Stuttgart hatte es bislang einen Zuschuss von einer halben Million Euro gegeben, das Geld fehlt nun. Die Veranstaltung sei in ihrer gewohnten Form „aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht darstellbar“, hieß es. Mitte September war die Region wieder einmal im Radsportfieber. Bei der vierten Auflage gingen rund 4000 Hobbyradsportler an den Start, die zwei unterschiedlich lange Rundkurse (circa 60 und 120 Kilometer) absolvierten. Bim wichtigsten Frauen-Radrennen im Profi-Kalender waren anschließend 120 Fahrerinnen dabei.
„Wir nehmen die aktuelle Situation mit Bedauern wahr“, teilte der Veranstalter mit. „Gleichzeitig blicken wir mit großem Dank auf die letzt- und diesjährige Veranstaltungsausgaben, hieß es weiter. „Wir versuchen derzeit eine Lösung zu finden“, sagt Reinald Achilles vom Veranstalter Inflame Events. Dabei sei im Grunde alles möglich. Überlegt wird, das Rennen zu verkleinern, es beispielsweise auf einem kürzeren Kurs mit mehreren Runden stattfinden zu lassen. So könnte man Geld für Absperrungen und Streckenposten sparen. Dass das Brezel Race „mittelfristig“ pausiert, ist denkbar, es an einen anderen Ort zu verlegen ebenfalls.
Findet das Brezel Race Foto: Archiv/Lichtgut/Ferdinando Iannone
„Für uns ist aber klar, dass wir in der Region bleiben wollen“, sagt Achilles. Das vergangene Brezel Race war in Filderstadt gestartet, die Strecke hatte die Teilnehmer durch die Landkreise Göppingen, Esslingen, Ludwigsburg und den Rems-Murr-Kreis geführt. Wie viel Geld für eine Fortsetzung notwendig ist, lässt sich derzeit nicht genau beziffern. Das hänge auch davon ab, in welcher Form es stattfinden wird. Mit dem Verband Region Stuttgart, dem zweiten große Geldgeber der Veranstaltung, hat es bereits Gespräche gegeben. Auch dort ist man offenbar gewillt, das Radrennen nicht komplett sterben zu lassen.
Entscheidung soll spätestens im Februar fallen
Weil auch in anderen Städten die Haushaltslage angespannt ist, wird wohl versucht, die finanzielle Last auf mehreren Schultern zu verteilen. Welche Städte als Ausrichter in Frage kommen, ist noch nicht bekannt. Um die Landeshauptstadt könnte das Brezel Race aber künftig einen Bogen machen.
Klar ist: Ewig Zeit haben die Organisatoren nicht, um zu konkretisieren, wie es weitergehen soll. „Wir brauchen genug Vorlauf, auch für die Anmeldungen und das Drumherum“, sagt Achilles. Spätestens im Februar will sich der Veranstalter festlegen, in welcher Form das Brezel Race stattfinden soll.