Radroutenkonzept für Ludwigsburg kommt nicht voran Streit um Radweg an Marbacher Straße

Der geplante Radweg an der Marbacher Straße lässt auf sich warten. Foto: factum/Archiv
Der geplante Radweg an der Marbacher Straße lässt auf sich warten. Foto: factum/Archiv

Der Radweg in der Marbacher Straße ist beschlossene Sache. Im Juni soll der Umbau beginnen, doch jetzt funken die Freien Wähler dazwischen: Sie versuchen noch einmal, den Beschluss vom Vorjahr zu kippen.

Ludwigsburg: Ludwig Laibacher (lai)
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Ludwigsburg - An der Marbacher Straße soll ein durchgängiger Radweg gebaut werden. Das hat der Gemeinderat im vergangenen Juli beschlossen. Die Freien Wähler hatten dagegen votiert und wollen sich auch jetzt noch nicht mit der Abstimmungsniederlage abfinden. Darum haben sie ihren Antrag vom Vorjahr erneuert. Sie möchten den Radweg verhindern – oder ihn nur als Provisorium gebaut sehen. Dann werde sich zeigen, dass der Radweg nur Staus produziere, aber kaum einen Radler anlocke. Die neuerliche Debatte hält Baubürgermeister Michael Ilk für völlig unnötig: „Wir haben das alles schon mehrfach durchdiskutiert.“ Die Angst vor zusätzlichen Staus sei unbegründet.

Angst vor Staus und Schleichverkehr

Der Radweg Marbacher Straße wäre der erste Abschnitt eines großen Konzepts, mit dessen Umsetzung es in Ludwigsburg Routen gäbe, auf denen Radler die Stadt gefahrlos queren könnten. Doch das Vorhaben will nicht in Gang kommen: 2015 war das von den Stadträten überwiegend positiv begleitete Projekt überraschend gescheitert: im Bauausschuss fand sich keine Mehrheit für den Radwegbau. Erst nach einer neuerlichen Debatte 2016 konnte ein korrigierter Bauplan die Hürden des Stadtparlaments nehmen. In der abgewandelten Version hatte die Verwaltung vor allem den von der CDU vorgebrachten Sicherheitsbedenken Rechnung getragen. Die Grünen haben geschlossen und die SPD mehrheitlich dafür gestimmt.

Der Baubürgermeister verweist darauf, dass die Umbauarbeiten demnächst beginnen sollen, aktuell liefen die Ausschreibungen. Bevor die Verwaltung Fakten schaffe, sollten noch einmal Kosten und Nutzen gegeneinander gerechnet werden, meint Gabriele Moersch. „Wir sind nicht generell gegen Radwege“, so die FW-Stadträtin, „aber die 1,4 Millionen Euro könnte man an anderer Stelle sinnvoller ausgeben.“ Die Freien Wähler wähnen viele Bürger hinter sich. Allen voran die Interessengemeinschaft Neckarstraße, die befürchtet, dass nach einem Radwegebau viele Autofahrer auf ihr Viertel ausweichen werden.

Ein Provisorium sei ein guter Indikator, um die Wahrheit herauszufinden, meint Moersch: Nach einer Testphase von einem Jahr wisse man, ob der Radweg angenommen werde oder ob es mehr Staus und Schleichverkehr verursache. Ilk hält nichts von einem Radweg auf Probe. „Man muss den Radfahrern schon einen gewissen Komfort bieten“, sagt er. Wenn man sie aber nur auf eine Piste aus Baken und gelben Linien schicke, werde man nicht erfahren, wie groß die Akzeptanz für einen Radweg ist: „Das haben wir aber alles schon diskutiert, die Mehrheit hat es abgelehnt.“

Land fördert den Radweg

CDU-Stadtrat Klaus Herrmann kann sich sehr wohl vorstellen, den Antrag der Freien Wähler zu diskutieren. Bisher gebe es zwar noch kein einheitliches Meinungsbild in seiner Fraktion, aber vielleicht könne man bei der Gelegenheit noch einmal die von der CDU vorgeschlagene Alternative eines über die Reichertshalde statt über die Marbacher Straße geführten Radweges in Betracht ziehen. Die Angst der Bürger vor mehr Feinstaub und einer größeren Lärmbelastung müsse man Ernst nehmen: „Im Übrigen sind wir nicht im Zeitdruck.“

Das sieht Ilk allerdings ganz anders: Im Juni möchte er dem Bauausschuss das Ergebnis der Ausschreibungen vorlegen. Außerdem habe er eine gute Nachricht zu verkünden: „Wir sind in die Radwegförderung aufgenommen worden, wir bekommen dafür einen Zuschuss vom Land.“




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