Radschnellweg bei Ehningen Das Lieblingsprojekt des Verkehrsministers

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Ein neuer Abschnitt des Radschnellwegs ist eingeweiht. Die gesamte Strecke führt von Stuttgart nach Ehningen – mit Unterbrechung. Aber in der Stadt Böblingen werden die Lücken jetzt zumindest mit normalen Radwegen geschlossen.

Der Verkehrsminister Winfried Hermann (Mitte) muss den Radschnellweg „erradeln“ – und wird von Entscheidungsträgern aus dem Landkreis Böblingen begleitet. Foto: factum/Jürgen Bach
Der Verkehrsminister Winfried Hermann (Mitte) muss den Radschnellweg „erradeln“ – und wird von Entscheidungsträgern aus dem Landkreis Böblingen begleitet. Foto: factum/Jürgen Bach

Böblingen - Eigentlich ist der neue Radschnellweg zwischen Böblingen und Ehningen bereits seit Wochen befahrbar. Trotzdem hat der Landesverkehrsminister Winfried Hermann den Abschnitt jetzt offiziell eröffnet. „Es ist mit Abstand mein Lieblingsprojekt“, sagte der Grüne am Mittwoch. Er wollte die Strecke persönlich „erradeln und erspüren“ und sich nicht mit der virtuellen Einweihung im Mai abfinden. Der neue Abschnitt parallel zur Herrenberger Straße sei zwar nur zwei Kilometer lang, räumte er ein. Aber mit der Strecke von Stuttgart nach Böblingen habe Baden-Württemberg schon sieben Kilometer an Radschnellwegen vorzuweisen, zählte er auf. Und der klare Plan ist es, bald bis Herrenberg zu kommen.

Viel Lob für den Landrat

Viel Lob hat der Verkehrsminister für Böblingens Landrat übrig. Roland Bernhard (parteilos) setzte schließlich in Höchstgeschwindigkeit die Idee um, solche breiten Radwege für Pendler zu bauen – mit der Asphaltierung der denkmalgeschützten Panzerstraße im Wald zwischen Böblingen und Stuttgart-Rohr. „Für mich war wichtig zu zeigen, dass Radschnellwege in Baden-Württemberg möglich sind“, erklärte Winfried Hermann seine Begeisterung. Mittlerweile werden zehn solcher Strecken im Land geplant, sie sollen bis 2030 realisiert werden. Anders als in Böblingen seien die anderen Landkreise und Kommunen aber „noch weit davon entfernt, einen Kilometer zu bauen“.

Roland Bernhard fühlt sich durch die Zahlen bestätigt: Bis Mittwoch wurden auf dem im Mai 2019 eingeweihten Radschnellweg 285 000 Fahrradfahrer registriert. „Damit werden alle Lügen gestraft“, die das Projekt in Zweifel gezogen hätten, findet er. Radfahren habe eine zunehmende Bedeutung, und dies rechtfertigt seiner Meinung nach die Ausgaben. Knapp zwei Millionen Euro hat der Ausbau nach Ehningen gekostet, der bis zur Böblinger Straße reicht. Gefeilt werden soll noch an einem Nadelöhr: Auf der Brücke über die Autobahn haben die Radfahrer nicht die gewünschten vier Meter Platz. Ansonsten wird an der Fortführung bis nach Gärtringen schon geplant, spätestens in drei, vier Jahren soll auch Herrenberg erreicht sein.

Ein Faktor bei der Arbeitsplatzwahl

In Böblingen arbeite die Verwaltung tatkräftig an der Mobilitätswende, erklärte der Oberbürgermeister Stefan Belz – unter anderem mit dem Bau neuer Radwege. Sie seien in Teilen der Bevölkerung zwar durchaus umstritten. „Aber wir blockieren nichts, wir teilen den Verkehrsraum nur gerecht auf“, betonte der Grüne. Der Bau der Radwege koste viel Geld, für den Autoverkehr werde jedoch viel mehr ausgegeben, fügte er an. Der Anteil Böblingens am Ausbau der Autobahn 81 betrage allein 35 Millionen Euro. Mit dem anstehenden Umbau des Elbenplatzes wird für Radfahrer in Böblingen bald wieder eine Lücke geschlossen: Am verkehrsreichsten Knotenpunkt Böblingens, den täglich 35 000 Fahrzeuge passieren, sollen durchgängige Radstreifen Platz finden.

Lukas Rosengrün (SPD), Ehningens neuer Bürgermeister, fährt seit 10. Mai fast täglich auf dem neuen Radschnellweg zu seinem Arbeitsplatz. Mit dem Fahrrad braucht er für die Strecke von Böblingen aus 15 Minuten. „Mit dem Auto gibt es keine Zeitersparnis“, sagte er. Menschen, die mit dem Rad zur Arbeit pendelten, seien die gesündesten und lebten am längsten, zitierte er eine Studie. Roland Schmitt vom örtlichen Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) berichtete von einem Workshop im Sindelfinger Daimler-Werk: Das Unternehmen sei an einer guten Erreichbarkeit für Fahrradfahrer interessiert, denn für die jungen Ingenieure seien Lebens- und Aufenthaltsqualität wichtige Faktoren bei der Arbeitsplatzwahl.




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