Radschnellweg bei Plochingen Initiative will Bürgerentscheid über Streckenführung

Kein Durchkommen – das Foto veranschaulicht absehbare Konflikte zwischen Radfahrern und landwirtschaftlichen Fahrzeugen auf der möglichen künftigen Radschnellwegtrasse. Foto:  

Wo geht es künftig lang für Radfahrer in Plochingen? Über die Route für den neuen Radschnellweg gibt es heftigen Streit. Jetzt wird sogar ein Bürgerentscheid gefordert. Was die Initiatoren damit erreichen wollen.

Schon seit Langem wird über die Trassenführung des Radschnellwegs in Plochingen diskutiert. Bislang konnten Land und Stadt sich nicht auf eine Route einigen. Jüngst hat die Stadt nun einen neuen Vorstoß unternommen, um die Sache voranzubringen: Sie hat dem Land angeboten, die Planung der Unterführung zu übernehmen, die für die von ihr favorisierte Trasse notwendig wäre. Zudem hat sie mit dem Land vereinbart, die für den Radschnellweg geplante Brücke über die Fils auf eigene Kosten solider und tragfähiger zu gestalten, um sie für die Arbeiten am Sanierungsgebiet Fils-West nutzen zu können. Das hat Kritiker auf den Plan gerufen, die sich dagegen aussprechen, die Planungen zum jetzigen Zeitpunkt weiter voranzutreiben. Sie haben ein Bürgerbegehren initiiert mit dem Ziel, einen Bürgerentscheid herbeizuführen.

 

Kritik am Vorgehen von Stadt und Land

Bernd Gutmann ist einer der vier Initiatoren des Bürgerbegehrens. Er ist Landwirt und Besitzer von Teilen der Fläche, über die die derzeit anvisierte Radschnellwegtrasse führen würde. Gutmann ärgert sich darüber, dass die Planungen für die Radschnellwegbrücke vom Nordufer ans Südufer der Fils und für die gegebenenfalls notwendige Unterführung unter der Bahntrasse hindurch nun weiter vorangetrieben werden sollen. Dadurch werde eine ganz bestimmte Route für den Radschnellweg erzwungen, obwohl es noch gar keine rechtliche Grundlage für eine Trassenführung auf dem Filsweg zwischen diesen beiden Bauwerken gebe. „Man kann doch nicht Bauwerke planen ohne zu wissen, wie die Wegführung dazwischen aussehen soll“, echauffiert er sich. Zumal die Grundstücke, auf denen die Route den aktuellen Planungen zufolge verlaufen würde, weder der Stadt noch dem Land gehörten. Und Argumente für eine bessere Trassenführung würden gar nicht berücksichtigt. Dabei sei der Filsweg viel zu schmal für einen Radschnellweg – zumal dort oftmals sehr große landwirtschaftliche Fahrzeuge unterwegs seien.

Daher hat Gutmann zusammen mit drei Mitstreitern ein Bürgerbegehren auf den Weg gebracht mit der Frage: „Sind Sie gegen die Einbindung der Radschnellwegverbindung RS 4 in das Erneuerungsprojekt Filsgebiet-West (südlich der Fils)?“ Denn durch den Mitte Mai getroffenen Beschluss des Gemeinderats zur Einbindung des RS 4 in das Projekt würden vollendete Tatsachen für die Trassenführung des Radschnellwegs geschaffen – das wolle man verhindern. Man habe bereits eine Homepage zu dem Thema erstellt und einige Unterschriften zusammen – Ziel sei es derzeit, bis Mitte Juli die erforderlichen knapp 800 Unterschriften zu sammeln, um einen Bürgerentscheid zu dem Thema beantragen zu können.

Wenig Begeisterung im Plochinger Rathaus

Im Plochinger Rathaus zeigt man sich wenig begeistert von der Initiative. „Die Landesregierung will den Radschnellweg, daher werden wir mit einer Verweigerungshaltung nichts erreichen“, sagt der Bürgermeister Frank Buß. Wenn sich die Stadt nicht konstruktiv verhalte, werde das Land vielleicht gegen ihren Willen Planungsrecht schaffen. „Mir persönlich ist es ganz wichtig, alles dafür zu tun, eine Radschnellwegtrasse durch den Bruckenwasen zu verhindern“, sagt Buß. Auch, weil es in der Bürgerschaft den eindeutigen Wunsch gebe, dass keine vier Meter breite Asphaltschneise durch den Landschaftspark führen solle. Gleichwohl verstehe er die Argumente von Bernd Gutmann und sehe, dass eine mögliche Trasse über den Filsweg Probleme mit sich bringe – aber auf der Nordseite der Fils seien die Probleme noch größer. „Es gibt keine einfache Lösung, sondern nur lauter Lösungsansätze, die mit unterschiedlichen Problemen behaftet sind“, sagt Buß.

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