Am Radschnellweg 4 (RS 4), der von Reichenbach nach Stuttgart führen soll, wird seit zehn Jahren herumgeplant. Allerdings will der Landesverkehrsminister Winfried Hermann, wie er am Mittwoch einmal mehr betonte, „das Projekt möglichst zügig voranbringen“. Und er ist guter Dinge, „dass dies jetzt gelingen könnte“. Auf seiner Sommertour machte der Grünen-Politiker unter anderem in Plochingen Station, wo es erheblichen Widerstand gegen die vom Regierungspräsidium (RP) ausgearbeitete Vorzugsvariante gibt, die den Landschaftspark Bruckenwasen durchschneiden würde.
Zuletzt haben sich die Wogen ein wenig geglättet, da das Land die ersten Planungskosten für eine andere, von der Stadt Plochingen bevorzugte Trasse übernimmt. Ob diese tatsächlich kommen könnte, steht in den Sternen – und „möglichst zügig“ käme sie sicher nicht, da eine zusätzliche Bahnunterführung gebaut werden müsste. Zudem würde diese Route mit geschätzten fünf Millionen Euro etwa zehnmal soviel kosten wie die sogenannte Vorzugsvariante. Und es würden, darin waren sich die Baufachleute, die Hermann begleiteten, einig, zehn Jahre bis zu einer Realisierung vergehen.
Minister Hermann zeigt sich optimistisch
Auf der anderen Seite machte der Plochinger Bürgermeister Frank Buß deutlich, dass sich „Plochingen querlegen dürfte“, wenn das Naherholungsgebiet Bruckenwasen an diesem neuralgischen Punkt durch die Radtrasse über Gebühr strapaziert würde. Andererseits stellte der Rathauschef klar, dass die Stadt den RS 4 wolle und dass man, wenn die Vorplanung fertig sei, fachlich vergleichen könne, was technisch umsetzbar sei. „Auch wenn das teurer werden würde, muss darüber nachgedacht werden“, forderte Buß.
Hermann und die Vertreter des RP, darunter dessen Präsidentin Susanne Bay (Grüne), sagten dieses Nachdenken zu, nicht zuletzt, weil bei dem Ortstermin deutlich wurde, dass die Querung von der jetzigen Eisenbahnunterführung aus nach Einschätzung des Ministers „schon ein ziemlicher Einschnitt wäre“. Sein Optimismus, dass es mit dem RS 4 nun rasch vorangehen könnte, hat trotzdem einen Grund. Denn zusätzlich zu den beiden Varianten haben die Planer eine Interimslösung ausgetüftelt.
Obst- und Gartenbauverein muss zustimmen
Dazu würde die Trasse unmittelbar nach der bestehenden Unterführung links abschwenken und entlang der Bahnstrecke bis zu dem Punkt geführt, wo sich die beiden bestehenden Varianten ohnehin vereinen. Ein Problem ist dabei jedoch noch zu lösen: Der dort vorhandene Weg führt direkt am Gelände des Obst- und Gartenbauvereins vorbei, erfordert also dessen Entgegenkommen. Sowohl Hermann und die RP-Vertreter als auch Buß zeigten sich aber zuversichtlich, dass sich da eine Übereinkunft finden ließe.
Seine Erleichterung ließ sich Hermann auch von einem möglichen Bürgerentscheid, den ein Hofladen-Betreiber angestrengt hat, nicht nehmen. Der Entscheid richte sich gegen die Finanzierungsvereinbarung zwischen Stadt und Land und werde gerade geprüft, erklärte Buß. Für den Minister ist dennoch klar, „dass wir beim RS 4 das bauen, was geht“. Und so geht es in Reichenbach, vom Ende der bestehenden Teststrecke bis zum Bahnhof, im nächsten Frühjahr weiter – und in Plochingen „möglichst zügig“.