Radsport Im Strohgäu geht’s rund

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Die Streckenführung der nationalen Titelkämpfe 2020 sieht sieben Runden von Korntal-Münchingen über Hemmingen nach Ditzingen vor, bevor es nach Stuttgart geht.

Der Titelverteidiger Maximilian Schachmann wird im Elite-Rennen im kommenden Jahr zu den Favoriten gehören. Foto: dpa/Ion Alcoba Beitia
Der Titelverteidiger Maximilian Schachmann wird im Elite-Rennen im kommenden Jahr zu den Favoriten gehören. Foto: dpa/Ion Alcoba Beitia

Leonberg - Stuttgart wird zur deutschen Rad-Hauptstadt, wenn dort vom 19. bis 21. Juni 2020 die nationalen Meisterschaften ausgetragen werden. Mit der Landesmetropole rückt auch die gesamte Region in den Fokus. So wird das Elite-Rennen der Männer am Sonntag, 21. Juni, um 11.45 Uhr in Korntal-Münchingen gestartet und führt siebenmal durch weitere Strohgäu-Gemeinden, bevor das Feld Richtung Stuttgart abbiegt. Die Einzelzeitfahrwettbewerbe zum Auftakt am Freitag finden in Gäufelden-Öschelbronn statt, die Frauen treten samstags in Filderstadt in die Pedale.

Die Idee

Dass das Elite-Rennen der Männer durch das Strohgäu führt, geht auf die Initiative des Bürgermeisters von Korntal-Münchingen, Joachim Wolf, zurück. „Ich bin gleich hellhörig geworden, als klar war, dass Stuttgart die Deutsche Meisterschaft bekommt. Der Gedanke war, anlässlich dieser Veranstaltung auch für das Strohgäu etwas auf die Beine zu stellen“, sagt Wolf. Er meldete das Interesse der Stadt an, ging aber auch gleich auf seine Amtskollegen Michael Makurath (Ditzingen) und Thomas Schäfer (Hemmingen) zu, in dem Bewusstsein, dass ein Wettbewerb alleine in Korntal-Münchingen wenig Sinn macht. Mit seinem Ansinnen rannte er offene Türen ein. Ursprünglich war auch angedacht, das Zeitfahren im Strohgäu stattfinden zu lassen. Das ließ sich nicht umsetzen, weil für den Freitag Nachmittag verkehrsbedingt keine Strecke gefunden wurde, die auch angemessen sicher wäre.

Die Strecke

Sieben Runden werden beim Elite-Rennen der Männer im Strohgäu absolviert, dann geht’s weiter nach Stuttgart. Foto: STZ-Grafik/loc
Den Männern steht in ihrem Wettbewerb eine Gesamtdistanz von 203 Kilometern bevor. Dabei müssen in den Anstiegen rund 2600 Höhenmeter bewältigt werden. Gestartet wird das Rennen in Korntal-Münchingen am Saalplatz. Ein Rundkurs von 18 Kilometern Länge führt über Münchingen, Hemmingen nach Ditzingen. Er wird siebenmal durchfahren, dann geht es über die Bergheimer Steige vorbei am Schloss Solitude nach Stuttgart. Nach der ersten Zieldurchfahrt über die Theodor-Heuss-Straße wartet hier eine weitere Runde über 10,3 Kilometer mit dem Anstieg am Herdweg (bis zu 14 Prozent Steigung), die fünfmal absolviert wird.

Das Rahmenprogramm

Vor dem Start werden in Korntal die Fahrer präsentiert. Dort soll voraussichtlich auch eine Bühne stehen. „Vielleicht gibt es Musik, vielleicht gibt es einen verkaufsoffenen Sonntag. Wir müssen alles noch mit den Vereinen abstimmen“, sagt Joachim Wolf. Weil im kommenden Jahr der Musikverein Münchingen seinen 100. Geburtstag feiert, laufen die Planungen hier schon auf Hochtouren. Ganz so konkret sind die Überlegungen in Ditzingen noch nicht. Jens Schmukal, der im Rathaus mit der Koordinierung des Projekts betraut ist, kann sich aber durchaus vorstellen, dass auch den Zuschauern in Ditzingen ein über den Radsport hinaus gehendes Programm geboten wird. In der Organisation von Zweirad-Großereignissen hat die Stadt Erfahrung. Alle zwei Jahre findet in Heimerdingen der Charity-Bike-Cup statt. Schmukal: „Wir haben zum Glück einen großen Stamm an Helfern und hoffen, dass die Bereitschaft da ist, sich zweimal im Jahr zu engagieren.“ In Hemmingen wurde das Radrennen zu Wochenbeginn in der Vereinsbesprechung vorgestellt. Die Landfrauen haben spontan zugesagt, dass es ein Bewirtungsangebot am zentralen „Alten Schulplatz“ geben wird. Der Bürgermeister Thomas Schäfer geht davon aus, dass sich weitere Vereine beteiligen.

Die Kosten

„Von uns wird kein finanzieller Beitrag verlangt“, sagt Korntals Bürgermeister Joachim Wolf, „aber wir erbringen Leistungen, die indirekte Kosten darstellen.“ So werden die Mitarbeiter des Bauhofes im Einsatz sein, um beispielsweise Strom zu legen, Parkplätze auszuweisen oder Absperrungen einzurichten. Auch in Hemmingen und Ditzingen werden Bau- beziehungsweise Betriebshof benötigt, um die Voraussetzungen für den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung zu stemmen.

Der Stellenwert

Der Blick geht über die nationalen Titelkämpfe hinaus. „Wir werden in Stuttgart und in der Region nicht nur die Protagonisten der eine Woche später beginnenden Tour de France erleben, sondern die Landeshauptstadt Baden-Württembergs wird auch ein weiterer Indikator für die Olympiaqualifikation für die Radsport-Wettbewerbe der Olympischen Spiele in Tokio sein, die auf ähnlich anspruchsvollen Kursen ausgetragen werden“, sagt Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer.