Radsportverein in Stuttgart-Vaihingen Bezirksbeirat fühlt sich übergangen

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Weil Drees und Sommer seine Hauptverwaltung im Gewerbegebiet Obere Waldplätze erweitern möchte, muss der Radsportverein weichen. Die Sportler empfinden das als Chance, der Bezirksbeirat frelich ist sauer.

Der RSV hat mehr als 300 Mitglieder und ist der führende Radsportclub in Stuttgart. Foto: Alexandra Kratz
Der RSV hat mehr als 300 Mitglieder und ist der führende Radsportclub in Stuttgart. Foto: Alexandra Kratz

Vaihingen - Der ein oder andere Lokalopolitiker fühlt sich auf den Schlips getreten. „Es ist herzzerreißend schön, wie das Unternehmen Drees und Sommer, der Radsportverein und die Stadt miteinander reden und sich alle einig sind. Nur der Bezirksbeirat wurde dabei vergessen“, sagte Ulrich Bayer (CDU) in der jüngsten Sitzung. Bereits seit dem Sommer sei bekannt, dass das Planungs- und Beratungsbüro seine Hauptverwaltung im Gewerbegebiet Obere Waldplätze erweitern wolle und dazu die Fläche des RSV bekommen soll. Es sei genügend Zeit gewesen, um das Projekt im Bezirksbeirat vorzustellen, sagte Bayer. „Ich spüre da eine gewisse Eile, als ob die Stadt das Projekt noch kurz vor Weihnachten durchschieben will“, ergänzte Eyüp Ölcer (Freie Wähler). Gerhard Wick (SÖS/Linke-plus) fügte hinzu: „Der Bezirksbeirat muss die Verlagerung des Radsportvereins tagesordnungsgemäß behandeln. Und das Thema stand nicht drauf.“

Das stimmte, laut Tagesordnung sollte es nur um einen neuen Bebauungsplan für das Gebiet Obere Waldplätze gehen. Allerdings war Horst Jesinger extra in die Sitzung gekommen, um zu berichten. „Es war nicht unsere Absicht, das Thema am Bezirksbeirat vorbei zu behandeln“, sagte der stellvertretende Leiter des Sportamts und ergänzte: „Deswegen bin ich heute hier. Wir wollen uns der Situation stellen und aktiv informieren.“ Das Problem sei gewesen, dass der zuständige Bürgermeister die Vorlage spät unterzeichnet habe. Am selben Tag noch sei diese im Sportausschuss behandelt worden.

Stadt will einen neuen Bebauungsplan vermeiden

Der RSV ist seit 1984 im Gewerbegebiet Obere Waldplätze beheimatet. Der Verein hat das Grundstück von der Stadt gemietet. Die Gebäude auf dem Areal wurden von den Radlern selbst gebaut. „Das Vereinsheim ist für die Sportler wichtig. Es ist ein zentraler Treffpunkt und Ausgangspunkt für Ausfahrten“, sagte Jesinger. Der Verein sei auf ein Gelände in Vaihingen angewiesen. Darum soll der RSV ins etwa 800 Meter entfernte Sportgelände Vaihingen-West ziehen. Das neue Vereinsheim soll dort entstehen, wo eigentlich eine Tennishalle geplant war. Derzeit habe aber niemand mehr ein Interesse an einer Tennishalle, sagte Jesinger. Das neue Vereinsheim wäre etwas größer, als der gültige Bebauungsplan es zulässt. Dennoch will die Stadt keinen neuen Bebauungsplan aufstellen, sondern lediglich Befreiungen beantragen. „Das ist aber keine Sonderbehandlung, sondern im Sportbereich so üblich, weil man auf Veränderungen reagieren können muss“, sagte Jesinger. Neben dem neuen Vereinsheim will die Stadt ein Baufeld für ein überdachtes Kleinspielfeld freihalten.

Das Projekt schlägt mit etwa 937 000 Euro zu Buche. Die Kosten für die Verlagerung der Bestandsgebäude übernimmt die Stadt. Für die geplante Erweiterung des Vereinsheims bekommt der RSV einen städtischen Zuschuss in Höhe von 50 Prozent der Gesamtsumme.

Bezirksbeirat verweist auf Parkplatzproblematik

Auch der RSV-Vorsitzende Charly Liebemann ergriff kurz das Wort. Am alten Standort platze der Verein aus allen Nähten, betonte er und ergänzte: „Wir wollen diesen gern zugunsten besserer Entwicklungsmöglichkeiten auf dem Sportgelände Vaihingen-West aufgeben. Für uns wäre das ein Gewinn.“ Positiv gestimmt seien auch die auf dem Sportgelände Vaihingen-West beheimateten Vereine: 1. FC Lauchhau-Lauchäcker, GFV Omonia Vaihingen und Bürgerforum Lauchhau-Lauchäcker.

Der Bezirksbeirat war dennoch dagegen. Er verwies auf das Parkplatzproblem. Da half es auch nichts, dass Liebemann beteuerte, dass die RSV-Mitglieder überwiegend mit dem Rad kommen würden. Viel entscheidender war für die Lokalpolitiker ohnehin, dass das Thema nicht auf der Tageordnung gestanden hatte. „Sollte die Verlagerung des RSV wie vorgesehen ohne Beteiligung des Bezirksbeirats vom Umwelt- und Technikausschuss beraten und vom Verwaltungsausschuss beschlossen werden, wird der Bezirksbeirat in seiner Mitwirkung beschnitten“, heißt es in dem von der CDU formulierten Antrag. Die Lokalpolitiker fordern, dass die Verwaltung die beiden Vorlagen zur Erweiterung der Hauptverwaltung von Drees und Sommer und zur Verlagerung des RSV noch einmal zusammen im Bezirksbeirat vorstellt. Das Gremium nahm den Antrag bei zwei Enthaltungen an.

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