Radverkehr im Kreis Göppingen Planer müssen Schnellweg abspecken

Ein Radler fährt auf der Brücke über die Jahnstraße in Göppingen. Sie gilt bei der Planung der neuen Verbindung als Nadelöhr. Foto: /Giacinto Calucci

Ohne Kompromisse bei den Vorgaben dürfte die neue Route für Radler nicht durch Göppingen zu führen sein. Insbesondere der enge Bereich rund um die Jahnstraße stellt Fachleute vor eine knifflige Aufgabe. Stadträte sehen Proteste von Anwohnern vorprogrammiert.

Recht genau 22 Kilometer lang wird der Radschnellweg durch den Kreis Göppingen. Sechs Kilometer dieser Strecke liegen auf dem Gebiet der Stadt. Für diesen Abschnitt haben die Planer vor kurzem den konkreten Streckenverlauf sowie die Querschnitte skizziert und die Vorplanung im Ausschuss für Umwelt und Technik des Gemeinderats vorgestellt.

 

Standards für einen Radschnellweg sind teils schwer einzuhalten

Klar wurde: Während der Radschnellweg außerhalb der Stadt sehr oft auf Feldwegen verlaufen kann, wo genügend Platz vorhanden ist, um die geforderten Standards einzuhalten, wird es im Bereich der Kreisstadt zuweilen sehr eng. Das hat auch Konsequenzen, wie der Ingenieur Thomas Kistinger vom Büro BIT erklärte, das im Auftrag des Landkreises und der Stadt Göppingen die Planung übernommen hat. In Göppingen führe die Trasse „einmal quer durch die Stadt“. Für die Planer bedeute dies „eine ganz andere Herausforderung“. Im Klartext: An manchen bebauten Passagen gebe es Probleme, die Standards für einen Radschnellweg einzuhalten, so Thomas Kistinger. Der soll eigentlich möglichst kreuzungsfrei verlaufen, bestimmte Breiten haben, Autos und Fußgängern nicht ins Gehege kommen. Doch in Göppingen sei das nicht zu schaffen. Es müsse Kompromisse geben. Jede einzelne Ausnahme werde man aber begründen müssen, sagte der Ingenieur.

Im Wesentlichen habe man sich an den Trassenverlauf der Machbarkeitsstudie gehalten, erklärte Thomas Kistinger. Sie führt meist auf der Südseite an der Fils entlang. Das bedeutet konkret: In Faurndau verläuft die Trasse auf der Stuttgarter Straße, biegt bei der Bahnbrücke zwischen Faurndau und Göppingen auf die Filsstraße ab. In Göppingen ist die Metzgerstraße bis zum Christophsbad und nach Unterquerung der Jebenhäuser Brücke die Jahnstraße die bevorzugte Trasse. Im Osten der Stadt wird der Radschnellweg dann auf die Ulmer Straße Richtung Eislingen bis zur Kreuzung beim Baumarkt Hornbach geführt.

Letzteres ist auch der am wenigsten problematische Abschnitt. Denn dort gleiche die Straße eher der „Landebahn eines Flugplatzes“ meinte der Chef des Tiefbauamts der Stadt Göppingen, Werner Hauser. Aufgrund der Breite bestehen viele Möglichkeiten, die Auto-Fahrstreifen zu reduzieren, eigene Spuren für Radler einzurichten und dennoch noch Platz für Begrünung zu haben. Mit dem Radschnellweg verbinde die Stadt Göppingen auch die Chance, die kostspielige Umgestaltung der Ulmer Straße finanziell stemmen zu können, denn für den Radschnellweg werden üppige Zuschüsse fließen, erinnerte Hauser. Es werden bis zu 90 Prozent der auf 5,7 Millionen Euro geschätzten Kosten sein, erklärte Salome Maier vom Landratsamt in Göppingen.

Auch die Anbindung des Radschnellwegs an die Innenstadt sei eine Aufgabe, die die Stadt nun angehen müsse. Das mahnten mehrere Ausschussmitglieder an. Beispielsweise in der Jahnstraße. Denn dort könne nun endlich die seit Jahren geplante, aber nie gebaute Fahrrad-Rampe von der Fahrbahn auf den Bahnhofsteg und damit die Verbindung zur Innenstadt hergestellt werden, freute sich Baubürgermeisterin Eva Noller.

Stadträte fürchten Anwohnerproteste wegen Parkplätzen

Die Jahnstraße ist allerdings auch einer der engen Abschnitte des neuen Radschnellwegs. Einen Gehweg werde es deshalb nur noch auf einer Seite geben. Und in dem kurzen Stück von der Jebenhäuser Brücke bis zum Christophsbad werde es zwei zusätzliche Brücken und umfangreiche Rodungen am Filsufer geben müssen, erklärt Kistinger.

Kompromisse müssen die Planer auch auf der Metzgerstraße machen, wo lediglich Schutzstreifen für Radfahrer auf der Auto-Fahrbahn unterzubringen sind. Und in der Filsstraße werden parkende Autos der Anwohner künftig wohl keinen Platz mehr auf der Straße haben. Sie sollen an eigens ausgewiesenen Sammelplätzen abgestellt werden. Bei einigen Stadträten im Ausschuss verursachte das Bauchgrimmen. „Da ist die Revolution der Anwohner programmiert“, unkte etwa Christine Schlenker (SPD) und forderte eine rechtzeitige Bürgerbeteiligung. Elke Caesar (Grüne), die sich über die konkrete Planung freute, ahnte: „Es wird Widerstände geben.“ Sie erkundigte sich nach möglichen Verzögerungen durch rechtliche Schritte von Anrainern: „Ein Anrecht auf einen Stellplatz im öffentlichen Raum bestehe für Anwohner nicht.“ Dennoch sahen auch Dieter Schurr (CDU), Emil Frick (FWG) und Klaus Rollmann (FDP/FW) noch viele Unwägbarkeiten bei der Umsetzung. „Das wird eine harte Nummer“, meinte Frick.

So soll es weitergehen

Prüfung
 Der Landkreis Göppingen als Aufgabenträger für die Planung des Radschnellwegs Filstal hat die Vorplanung kürzlich an das Regierungspräsidium Stuttgart und die betroffenen Kommunen zur Prüfung übergeben, darunter eben auch Göppingen.

Abstimmung
 Stimmt der Göppinger Gemeinderat am Donnerstag der Vorplanung zu, sollen noch in diesem Monat die Gremien des Kreises darüber beschließen.

Planung
 Parallel soll die Entwurfsplanung im Mai starten. Während dieser Entwurfsplanung empfiehlt die Göppinger Stadtverwaltung die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die den Prozess begleitet.

Bauzeit
 Läuft alles gut, könnten 2025 die Arbeiten ausgeschrieben werden und der Bau beginnen.

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