Wann kommt der Radschnellweg durch das Remstal bis Stuttgart? Für Fellbach (Foto) ist ohnehin nur eine sogenannte „stadtverträgliche Lösung“ vorgesehen. Foto: Gottfried Stoppel
Die Planung des Radschnellwegs RS5 im Remstal ist komplex. Trotz aller Hürden nennt die Kreisverwaltung nun ein konkretes Ziel für die ersten befahrbaren Teilabschnitte.
Dirk Herrmann
13.01.2026 - 14:12 Uhr
Attraktive Strecken für Pedaleure, Biobitumen als nachhaltiger Asphalt, zusätzlich weitere 3,5 Kilometer sind realisiert – der sukzessive Weiterbau des Radschnellwegs kommt voran, zur Freude aller, die eines Tages dort mal unterwegs sein möchten.
Das Problem: Der Fortschritt ist zwar durchaus erkennbar – allerdings nur auf dem Radschnellweg Nummer vier im Filstal (RS 4) nahe dem Bahnhof in Reichenbach. Im Remstal hingegen ist weiterhin Geduld gefragt. Bis der Radschnellweg Nummer fünf (RS 5) für die erwarteten 2500 Radelnden täglich befahrbar sein wird, dürften noch einige Jahre vergehen.
Das passt natürlich so manchem Berufspendler, der gerne etwa aus dem mittleren Remstal bequemer in Richtung Stuttgart und zurück strampeln würde, nicht besonders. Ein Leser nimmt dabei speziell den Rems-Murr-Landrat Richard Sigel und den Verkehrsdezernenten Stefan Hein aufs Korn. „Das Duo Sigel/Hein muss sich fragen lassen“, schreibt er per E-Mail an unsere Redaktion: „Während in anderen benachbarten Landkreisen bereits Abschnitte umgesetzt sind (RS 14 Filstal Süßen-Eislingen), hat der Rems-Murr-Kreis bisher nicht einen einzigen Millimeter hinbekommen. Wie kann das sein?“
Schlafmütziges Planen, kein Engagement bei der Umsetzung? Wird es womöglich frühestens 2030 etwas mit dem Radschnellweg zwischen Schorndorf und Stuttgart? Derart kritische Anmerkungen laufen durchaus immer wieder im Landratsamt am Alten Postplatz in Waiblingen ein.
Dezernent Hein hat auf entsprechende Vorhaltungen kürzlich im Verkehrsausschuss des Rems-Murr-Kreistags mit dieser Argumentation reagiert: „Jetzt stellen Sie sich mal vor, es würde eine neue Straße quer durch das Remstal geplant. Da würden Sie ja auch nicht erwarten, dass diese nach acht Jahren fertig gebaut ist. Aber bei einem Radschnellweg, der zum Teil noch mitten durch Innenstädte geführt werden muss , erwartet man das.“
Also, welchen Fortschritt darf man beim RS 5 erwarten? Auf entsprechende Nachfragen unserer Redaktion übermittelt die Landkreis-Pressestelle etliche Antworten von Karen Schäfer, Leiterin der Stabsstelle Radwege im Landratsamt.
Viel breiter wird es nicht auf dem künftigen Radschnellweg durch Fellbach. Foto: Dirk Herrmann
Schäfers wichtigste Auskunft gleich mal am Anfang: „Wir verfolgen weiterhin das Ziel, dass im Jahr 2028 die ersten Räder auf Teilabschnitten des RS5 rollen.“ Derzeit läuft noch die für die weitere Planung notwendige Umweltverträglichkeitsstudie für die Trasse des RS 5. Nach dem aktuellen Zeitplan wird das Landratsamt diese im Frühjahr 2026 abschließen und dann in die nächste Phase der Entwurfsplanung einsteigen.
Radschnellverbindungen sind im Straßengesetz Baden-Württemberg den Landes- beziehungsweise Kreisstraßen gleichgestellt – dies ist wichtig für die Einordnung der Dauer des Verfahrens. Die Dimensionierung einer Radschnellverbindung mit beispielsweise außerorts mindestens sechs Metern Breite (getrennte Führung Rad- und Fußverkehr) ist nach Schäfers Angaben vergleichbar mit einem Straßenneubau – und im dicht besiedelten Remstal eine planerische Herausforderung.
Die Abläufe sind wie bei einem Straßenneubauprojekt
Im Planungsverfahren müssen die gleichen Abläufe wie auch bei einem Straßenneubauprojekt eingehalten werden. „Mit dem Bau oder Ausbau eines normalen Radwegs mit einer Breite von 2,5 Metern ist das nicht vergleichbar“, so die Expertin.
Schäfer ist überzeugt: „Wir sind auf dem Weg zu einer leistungsfähigen Radschnellverbindung schon ein sehr großes Stück vorangekommen.“ Zu Beginn der Planung war es eine Herausforderung, eine Vorzugstrasse zu finden, die eine breite Zustimmung in den Gremien der Anliegerkommunen erreicht. Hierfür waren umfangreiche Untersuchungen und eine Vielzahl an Abstimmungsterminen auch mit den Anliegern, Gewerbetreibenden und Landwirten notwendig. Ebenso eine umfassende Bürgerbeteiligung wurde in diesem Verfahrensschritt durchgeführt.
Der RS 14 im Filstal zwischen Süßen und Eislingen – hier ist man schon weiter als im Remstal. Foto: Johanna Lohr Fotografie, Aktivmobil BW
Im nächsten Schritt sind nun umfassende umweltfachliche Untersuchungen der Trasse notwendig. Auf die insgesamt ein Jahr dauernde faunistische Kartierung folgt derzeit die Umweltverträglichkeitsstudie. Erst wenn die umweltfachliche Umsetzbarkeit der Vorzugstrasse festgestellt ist, darf der Landkreis in die Phase der Entwurfsplanung eintreten.
Die Gesamttrasse ist wegen des hohen planerischen Aufwands in einzelne Planungs- und Bauabschnitte aufgeteilt. Obwohl alle Bauabschnitte kontinuierlich weiter geplant werden, liegt der Fokus der Kreisverwaltung auf der schnellstmöglichen Umsetzung des ersten Bauabschnitts zwischen Weinstadt-Endersbach und Fellbach mit einer Länge von rund sechs Kilometern – dies entspricht einem Drittel der Gesamtstrecke.
Es handelt sich dabei um den verkehrswirksamsten Abschnitt des RS 5, da es derzeit keine direkte Verbindung für den Radverkehr von Weinstadt nach Fellbach gibt. Da es sich bei dem Abschnitt um eine Landesstraße handelt, müssen alle Ergebnisse, also Vorplanung und Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsstudie, dem zuständigen Regierungspräsidium und dem Verkehrsministerium zur Prüfung und Freigabe der Ausschreibung vorgelegt werden.
Entwurfsplanung startet 2026, Grunderwerb erfolgreich
Die Ausschreibung der Entwurfsplanung ist von der Stabsstelle Radwege bereits vorbereitet. Sie erfolgt so bald wie möglich im Jahr 2026. Währenddessen wird der Grunderwerb für die Trasse mit großem Erfolg weiter vorangetrieben.
Die Standards für einen Radschnellweg sind sehr hoch. Bei einer getrennten Führung von Rad- und Fußverkehr außerorts ist eine Mindestbreite von sechs Metern erforderlich. Bei einer Führung innerorts auf der Fahrbahn im Zuge von beidseitigen Radfahrstreifen müssen diese jeweils drei Meter breit sein. Diese Beispiele machen für Karen Schäfer deutlich: Vorgegebene Standards entlang der dicht besiedelten Hauptverkehrsachse im Remstal stellen eine große Herausforderung dar.
Der Remstalradweg
Fast 20 Kilometer Die Gesamtstrecke des Remstalradwegs wird von der Stabsstelle Radwege im Waiblinger Landratsamt mit exakt 18,34 Kilometern angegeben – der Radweg reicht bis kurz vor Fellbach, denn dort hat man sich auf eine abgespeckte, sogenannte stadtverträgliche Lösung geeinigt, die unter den eigentlichen Kriterien liegt.
Eingeschränkter Standard Nach aktuellem Planungsstand wird auf insgesamt 760 Metern der Gesamtstrecke vom hohen Qualitätsstandard abgewichen, das entspricht circa vier Prozent. In diesen Bereichen ist der Standard auf kurzen Abschnitten nicht umsetzbar, da beispielsweise der Straßenkörper der Schorndorfer Straße in Weinstadt zu schmal ist. Die Planung erfolgt in enger Abstimmung mit dem Fördermittelgeber, also dem Land Baden-Württemberg.