Radfahrer in Fußgängerzonen sorgen vielerorts für Diskussionen – auch in Esslingen. Nun fordert die CDU-Ratsfraktion in einem Antrag an den Gemeinderat, „dass Fußgängerzonen vorrangig auch als solche zu behandeln sind“. Auch die Fraktion Die Linke meldet sich zu Wort. Gemeinderat Tobias Hardt mahnt eine echte Mobilitätswende in der städtischen Verkehrspolitik an.
Das Nebeneinander von Fußgängern und Radfahrern könne sich bei rücksichtsvoller Fahrweise der Radfahrer bewähren, schreibt die CDU. Problematisch werde es, „wenn Radfahrer zu schnell, nebeneinander oder ohne Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer fahren“. CDU-Fraktionschef Tim Hauser verweist darauf, dass es in Esslingen immer wieder massive Beschwerden gebe und dass diese Problematik auch an andere Fraktionen herangetragen worden sei. Erst kürzlich hatte die SPD der Verwaltung einen Fragenkatalog zu „Regeln für Radverkehr in den Fußgängerzonen“ vorgelegt. Nun macht die CDU in ihrem Antrag eigene Vorschläge.
Kontrollen durch die Verwaltung
In vielen Städten seien Fußgängerzonen nur nach Ladenschluss und während der Lieferzeiten für Radler befahrbar, erklärt Hauser. Die CDU fordert deshalb, die Verwaltung solle dem Rat klare Zeitfenster vorschlagen, in denen das Radfahren in Esslinger Fußgängerzonen nicht erlaubt sein soll – etwa zu Zeiten, in denen diese Bereiche stark frequentiert sind. Die Verwaltung müsse solche Einschränkungen klar kommunizieren und deren Einhaltung kontrollieren.
Die Linke meint, Radverkehr löse bei Menschen in den Esslinger Fußgängerzonen Unsicherheit aus. Doch Radfahrer dürften auch nicht in Sippenhaft genommen werden, „wenn sich etwa zehn Prozent Rowdys dort nicht an eine angemessene Geschwindigkeit, in der Regel Schritttempo, halten“. Der Verkehrsordnungsdienst sei gefragt, der wegen Personalmangel und zu weniger Stellen seinen Aufgaben nicht hinterherkomme.
Echte Mobilitätswende gefordert
Kritisiert wird auch die Verkehrssituation in der Stadt. Die Fußgängerzonen müssten nicht nur den Quell- und Zielverkehr aufnehmen, sondern längst auch den Durchgangsradverkehr: „Dieses Problem könnte durch eine Radspur auf der Kiesstraße gelöst werden.“ Der motorisierte Individualverkehr müsse sich zurücknehmen und eine von vier Spuren für den Radverkehr abgeben. Denn bei einer echten Mobilitätswende, so Tobias Hardt, müsse der Autoverkehr weitgehend aus der Altstadt verbannt werden.
Die Linke hat weitere Anregungen für eine Entschärfung der Problematik in petto: Die Fahrradstraße in der Hindenburgstraße solle nicht nur über die Kiesstraße verlängert werden, sondern auch über die Urban- und die Hauffstraße auf den nördlichen Ring gebracht werden. Durch eine dortige Einbahnstraßenlösung könne Platz für den Radverkehr frei werden, der wiederum den Menschen zu Fuß Platz lasse: „Eine solche Politik benötigt allerdings Mut und kann nicht ausgesessen werden.“