Der Pop-up-Radweg in der Böblinger Straße in S-Süd rückt näher. Bei der zweiten Vorstellung der Pläne in der Projektgruppe Verkehr und Mobilität des Sanierungsgebiets Kaltental wurde aber auch Kritik laut.

S-Süd - Gute 600 Meter Strecke und rund 25 Höhenmeter gilt es entlang der Böblinger Straße zwischen den U-Bahn-Haltestellen Waldeck und Kaltental zu bewältigen. Damit dies künftig auch für Radfahrer in einem möglichst sicheren Umfeldfunktionieren kann, überlegt die Stadt Stuttgart, einen Pop-up-Radweg zu installieren: „Wir befinden uns hier an der Hauptradroute 1“, erklärte Rainer Wallisch von der Abteilung Verkehrsplanung und Stadtgestaltung der Stadt Stuttgart beim vergangenen digitalen Treffen der Projektgruppe Verkehr und Mobilität des Sanierungsgebiets Kaltental. „Entsprechend viele Radfahrer sind hier bereits unterwegs und auch ganz klar erwünscht.“ Allerdings ist es trotz des Schutzstreifens für Radfahrer auf Grund der Enge der Straße in diesem Bereich aktuell nicht möglich, dass Autofahrer mit den vorgeschriebenen 1,5 Meter Abstand überholen können. Dies führt vor allem bergaufwärts zu gefährlichen Situationen. Auch die erst vor kurzem angebrachte neue Beschilderung, die auf das Überholverbot hinweist, werde laut Wallisch das Problem nicht dauerhaft lösen. „Hier ist ganz klar Druck vorhanden, eine verkehrliche Lösung zu finden“, so Wallisch zu den mehr als 50 Teilnehmern bei dem Projektgruppen-Treffen.

Der Pop-up-Radweg könnte zeitnah kommen

Wie diese Lösung aussehen könnte, hat die Stadtverwaltung bereits beim vorherigen Treffen im Oktober dargestellt: Ein sogenannter Pop-up-Radweg, der als Verkehrsversuch sehr zügig umgesetzt werden kann und rund zwei Jahre andauern soll. „Diese Zeitspanne ermöglicht uns einmal zu evaluieren, ob das Konzept angenommen wird und gibt uns die Möglichkeit, mit der eigentlichen Zielplanung voranzukommen“, erklärte Wallisch den Hintergrund.

Schon bei der ersten Vorstellung der Pläne hat das Konzept allerdings nicht nur Begeisterung hervorgerufen. Immerhin müssen rund 105 Parkplätze entlang der Böblinger Straße weichen. Ein Thema, das schnell die Emotionen hochkochen lässt. Entsprechend wurde neben der Beantwortung verschiedener Detailfragen aus der ersten Vorstellungsrunde vor allem die Parkplatz-Erhebung beim Projektgruppen-Treffen mit Spannung erwartet. Die Stadtverwaltung hat diese am 16. Dezember im Bereich der Fuchswald-, Burg-, Belchen- und Böblinger Straße durchgeführt. „Insgesamt stehen hier circa 283 Parkplätze zur Verfügung“, sagte Carolin Spiesberger von der Abteilung Verkehrsplanung und Stadtgestaltung der Stadt Stuttgart. Um 22 Uhr waren rund 240 Parkplätze belegt – 180 mit PKW, 18 mit Anhängern, zwölf mit Wohnmobilen, 22 mit gewerblichen Fahrzeugen und sieben mit Motorrädern. Fallen 105 Parkplätze raus, wären in dem Gebiet rund 60 Parkplätze zu wenig vorhanden. „Allerdings besteht die Möglichkeit, temporär rund 30 Parkplätze auf dem Gelände der Böblinger Straße 447 und in der Christian-Belser-Straße zu schaffen“, so Spiesberger. Abzüglich der rund 30 abgestellten Wohnwägen und Anhänger wäre so auch nach dem Wegfall von 105 bisherigen Parkplätzen rechnerisch ausreichend Abstellfläche vorhanden.

Es gibt auch Kritik an den Plänen

Trotz der positiven Zahlen gab es auch Kritik an den Plänen der Stadtverwaltung: Die Fußwege zu den Parkplätzen seien zu lang, wie wolle man die Anhänger und Wohnwägen denn „loswerden“. Und auch unabhängig von den Parkplätzen wurde das Festhalten an Tempo 50 in der Böblinger Straße oder auch die Länge des Verkehrsversuchs mit mindestens zwei Jahren kritisiert: „Warum kann man nicht früher, nach mehreren Wochen oder wenigen Monaten, schon nachsteuern“, lautete ein Einwand. Großer Aufwand für die Radfahrer, aber wenig für die Anwohner vor Ort, so war teilweise der Unterton. Dem in der Diskussion jedoch auch breit widersprochen wurde. Denn der Wunsch nach mehr Sicherheit für die Radfahrer, zum Beispiel in Form stärkerer baulicher Trennung oder eben durch die Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit für Autofahrer, wurde geäußert. „Für eine Temporeduzierung gibt es aktuell noch keine rechtliche Handhabe“, so Wallisch, da es sich um eine Vorbehaltsstraße handelt und die Luftqualität in Kaltental gut ist. Man werde die Möglichkeit aber nochmals genau prüfen. Stärkere bauliche Eingriffe, zum Beispiel in den Kreuzungsbereichen, können zudem erst für die langfristige Zielplanung umgesetzt werden. „Der Pop-up-Radweg funktioniert vor allem über Markierungsarbeiten und ermöglicht so eine baldige Umsetzung“, sagte Wallisch.

Bevor es soweit ist, werden allerdings noch weitere Diskussionen anstehen. Wann genau, ist derzeit noch unklar. Eigentlich sollten die Pläne am 8. Februar im Bezirksbeirat und am 15. Februar im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik des Gemeinderats vorgestellt werden. Allerdings finden die Bezirksbeiratssitzungen Corona-bedingt derzeit digital statt und das genutzte Format lässt keine Fragen von Zuschauern zu. Um bei diesem heißdiskutierten Thema jedoch Fragen zu ermöglichen, soll die Sitzung unbedingt in Präsenz stattfinden. Ob dies für die Sitzung am kommenden Dienstag, 8. Februar, durchführbar ist, wird gerade geprüft. Falls nicht, wird der Programmpunkt auf den 8. März verschoben.

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