Der Ausbau des Radverkehrs in Stuttgart stockt, die selbst gesteckten Ziele werden fast sicher weit verfehlt. Die Linken im Gemeinderat drücken nun aufs Tempo.

Reporter: Alexander Müller (ale)

Laut den Zahlen aus dem jüngsten Verkehrsbericht ist der Anteil des Radverkehrs in der Landeshauptstadt zwischen 2017 und 2025 gerade einmal von acht auf neun Prozent gestiegen. Zu wenig für die Fraktion von Linke SÖS Plus im Stuttgarter Gemeinderat. Sie fordern von der Stadtverwaltung ein Maßnahmenpaket, wie der Ausbau des Radverkehrs schneller vorangetrieben werden kann und welche finanziellen und personellen Ressourcen dafür benötigt werden. Denn sollte das bisherige Tempo beibehalten werden, würden die selbst gesteckten Ziele „erst im Jahr 2153 erreicht werden“, rechnen die Linken-Politiker vor.

 

Noch keine Hauptradroute fertiggestellt

Die Fraktion verweist in ihrem Antrag dabei auf den im Jahr 2019 vom Gemeinderat mehrheitlich beschlossenen Radentscheid. Mit insgesamt 18 bereits beauftragten Maßnahmen soll der Zweiradverkehr in Stuttgart deutlich gesteigert werden. Ein Wunsch auch aus der Bevölkerung, wie die damals gesammelten mehr als 34 000 Unterschriften belegen.

Das Ziel ist klar: Der Anteil des Radverkehrs in Stuttgart soll bis zum Jahr 2030 auf insgesamt 25 Prozent gesteigert werden. Unter soll dafür auch der geplante Ausbau der Hauptradrouten sorgen – und „zwar alle“, wie es in dem Antrag heißt. „Stand jetzt ist aber keine einzige Hauptradroute komplett fertig gebaut“. Aus Sicht des linken Lagers bestünden daher berechtigte Zweifel, dass die jetzige Ausbaugeschwindigkeit zur Fertigstellung bis zum Stichdatum ausreichen werde.

Mit einer Verzögerung von 123 Jahren wollen sich die Stadträte nicht abgeben. Noch vor den anstehenden Beratungen für den kommenden Doppelhaushalt 2026/2027 soll die Stadtverwaltung daher darlegen, was sie an Geld und Personal benötigt, um den Kurs noch korrigieren zu können. Denn für die Linken ist eines klar: „Das Schneckentempo in Sachen Umsetzung des Radentscheids muss endlich ein Ende haben“.