Radweg bei Böblingen Wird die Spitzkehre trotz klammer Kassen beseitigt?
Die berüchtigte Spitzkehre zwischen Böblingen und Dagersheim sollte 2026 Geschichte sein. Jetzt nimmt die Stadt Abstand von dem Plan.
Die berüchtigte Spitzkehre zwischen Böblingen und Dagersheim sollte 2026 Geschichte sein. Jetzt nimmt die Stadt Abstand von dem Plan.
Fahrradfahrer kennen sie: die Spitzkehre zwischen Böblingen und seinem Teilort Dagersheim. Vom modernen Radweg auf der vor wenigen Jahren erneuerten Autobahnbrücke in der Böblinger Straße muss man – statt geradeaus zu fahren – entgegen der Intuition rechts abbiegen und ein Stückchen steil (gute sieben Meter Höhenunterschied) bergab fahren. Der Radweg führt dann um eine enge 180-Grad-Kurve und zwingt Ungeübte dabei zum Absteigen. Von dort führt ein Brückle über die Schwippe, danach geht es wieder rechts ab und auf Schotterwegen am Fluss entlang bis in den Ortskern. In diesem Jahr sollte diese Stelle nun entschärft werden. Eigentlich. Von der Stadt heißt es jetzt: „Die mit den Gremien beratene große Lösung zur baulichen Beseitigung der Spitzkehre wird derzeit nicht weiterverfolgt.“
Bis vor wenigen Jahren konnten Radler noch direkt an der Kreisstraße entlang von Böblingen in den Teilort fahren, doch am sogenannten Daimler-Knoten wurde mit einer Umgestaltung die Verbindung gekappt, damit sich Fahrradfahrer und die Lastwagen, die zum oder vom Daimler unterwegs sind, nicht in die Quere kommen.
Jahrelang sind immer wieder Haushaltsanträge aus dem Ortschaftsrat eingegangen, die Spitzkehre zu beseitigen. 2023 kam dann die positive Antwort der Verwaltung. Das Ingenieurbüro sbp aus Stuttgart hat sich im Auftrag der Stadt verschiedene Varianten angeschaut. Eine barrierefreie Rampe sollte den Radverkehr weiterhin vom Knoten fernhalten, aber die Strecke trotzdem einfacher und sicherer für Radler machen. Auch der Schwippedeich und der Straßendamm sollten nicht angefasst werden.
Konkret sah der Plan vor, die Spitze der Kehre zu umgehen – jedenfalls für all jene Radler, die nach Dagersheim oder Sindelfingen möchten. Die würden die Kreisstraße dann nach wie vor nach der Brücke Calwer Straße nach rechts auf die Gottlieb-Daimler-Straße verlassen und den Weg bergab nehmen. Dann aber würde eine geschwungene, ausladende Kurve zur Schwippebrücke führen. Der Radius sei dabei so gewählt worden, dass eine Neigung von fünf Prozent nicht überschritten wird. Im aktuellen Zustand wird diese mit acht Prozent angegeben.
Seit dem Grundsatzbeschluss des Böblinger Gemeinderats im Juli 2023 hat sich die finanzielle Lage der Stadt entscheidend verändert. Das hat eine Kette von Ereignissen in Gang gesetzt. Dazu gehört, dass etliche kostspielige Projekte nicht weiter verfolgt werden können. Neben dem Haushaltsdefizit von 85 Millionen Euro gibt die Stadt aber noch einen anderen Grund an, warum sie die „große Lösung“ jetzt doch nicht mehr umsetzen will.
Die Grundstücke, über die die Spitzkehre führt, gehören nämlich nicht der Stadt Böblingen – sondern Sindelfingen, dem Zweckverband Kläranlage, der Wasserwirtschaft sowie der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. „Die hierfür erforderlichen Grundstücks- und Nutzungsfragen konnten bislang nicht belastbar geklärt werden, zudem sind artenschutzrechtliche Anforderungen zu berücksichtigen“, sagt Böblingens Sprecher Fabian Strauch.
„Vor diesem Hintergrund verfolgt die Verwaltung zunächst einen pragmatischen Ansatz: kurzfristig umsetzbare Verbesserungen im Bestand mit Blick auf Sanierung und Verkehrssicherheit“, so Strauch. Was genau das heißt, sei noch in Prüfung. Neben dem Was ist auch die Kostenfrage dieser Alternative noch offen. Ortschaftsrat und Gemeinderat würden informiert, sobald diese beiden Fragen geklärt seien. Die geplante Umsetzung im Jahr 2026 kommt damit allerdings wohl ins Wanken.