Das würde nicht nur vielen Schülern aus den Ortsteilen komfortablere Möglichkeiten bieten, zu ihren Schulen zu gelangen. Vor allem die Nord-Erweiterung wäre für die Gartenschau-2029-Stadt auch unter touristischen Aspekten reizvoll: als attraktive Verbindung zwischen Kleinglattbach und Vaihingen, als Anbindung zum Enztalradweg aus Richtung Sersheim und auch als Verknüpfung mit dem Vaihinger Fernbahnhof aus den Richtungen Sersheim und Ensingen. Auch zusätzliche Anbindungen, etwa aus Rosswag, wo der westliche Enztalradweg verläuft, sind denkbar.
Die Stadt hofft auf satte Zuschüsse
Die genaue Wegführung hat der Vaihinger Gemeinderat noch nicht beschlossen, doch das Gremium hat der Verlängerung des Radwegs grundsätzlich seinen Segen gegeben. „Der Fördertopf für Radwege ist gut gefüllt“, sagte der Oberbürgermeister Gerd Maisch mit Blick auf finanzielle Unterstützung des Vorhabens. Er halte das Potenzial, erkleckliche Subventionen für das Vorhaben zu bekommen, für groß. Das Büro Schwarzingenieure, das eine Machbarkeitsstudie mit verschiedenen Varianten erarbeitet hat, soll jetzt konkrete Entwürfe planen.
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So stellt sich unter anderem die Frage, wie und bis an welchen Punkt der Radweg in Enzweihingen verlaufen soll: Auf der alten Bahntrasse noch weiter in den Ort hinein, Richtung ehemaliger Bahnhof und mit der Option einer regionalen Anbindung Richtung Unterriexingen, Schwieberdingen und Stuttgart? Oder nur bis kurz nach der Enzbrücke, mit einer Querung über die B 10, um die westlichen Wohngebiete des Ortes und wiederum den Enztalradweg zu erreichen?
Wie kommen die Radler über die B 10?
Wie die Radler am besten auf die andere Seite der Bundesstraße kämen, will jedenfalls gut durchdacht sein. Eine Unterführung, ein Steg oder eine Ampel-Lösung wären denkbar. Die Unterführung wäre laut Planungsbüro topografisch schwierig, eine Ampel zum Seitenwechsel „nicht vergnügungssteuerpflichtig“, so Gerd Maisch. Wegen der Taktung mit anderen B-10-Ampeln könnte es zu langen Wartezeiten kommen, die Radler möglicherweise nicht akzeptierten und stattdessen womöglich riskante Querungsmanöver riskierten. Es dürfte auf einen Steg über die Bundesstraße hinauslaufen.
Die Bundesstraße ist aber ohnehin eine Unbekannte in der Rechnung. Vaihingen harrt eines Bescheides aus dem Regierungspräsidium zur Enzweihinger Umfahrung. Kommt sie, könnte der Radweg zunächst mit reduziertem Ausbaustandard angelegt werden. Später müsste der Verlauf mit der Umgehung in Einklang gebracht werden, also würde in der Streckenführung etwas abgeändert werden.
Bis 2002 fuhren auf der Trasse noch Züge
Unbekannte gibt es also noch viele. Den Schritt, die Länge des rund drei Kilometer langen Trassen-Rad- und Fußweg in etwa zu verdoppeln – die ursprüngliche Strecke der einstigen WEG-Nebenbahn, die 1904 eröffnet und 2002 eingestellt wurde, betrug 7,3 Kilometer – halten die Vaihinger Stadträte aber für richtig. Wenngleich in der Sitzung manche Bedenken aufploppten.
In Kleinglattbach, sagte Freie-Wähler-Fraktionschef Eberhard Zucker, führe der Radweg durch bewohntes Gebiet, „da werden die Leute not amused sein, wenn ihnen sonntags bei schönem Wetter Hunderte Leute am Wohnzimmer vorbeifahren“. Es werde Privatsphäre verloren gehen. Der OB erinnerte daran, dass man vor wenigen Jahren sogar noch überlegt habe, dort wieder eine Bahn fahren zu lassen. „Das ist aber dann eine Abwägungsentscheidung, die der Gemeinderat treffen muss“, meinte er.
Belästigung für die Anwohner?
Roland Zitzmann (FDP) fand: „Wenn wir das eine wollen, müssen wir das andere auch nehmen. Der Ausbau nach Norden und Süden macht absolut Sinn.“ Inwieweit Radfahrer im Vergleich zu einer vorbeiratternden Bahn eine Belästigung seien, das müsse man sich schon fragen.
Die Bahn ist in der Debatte um den Radweg allerdings nach wie vor gegenwärtig. Die Mitglieder der Fraktion Bürger bewegen Vaihingen etwa legen Wert darauf, die WEG-Trasse als Bahnlinie grundsätzlich zu erhalten: Es sei wichtig, dass die Option einer Reaktivierung zumindest prinzipiell gewährleistet bleibe.
Kosten würde der Ausbau, je nach Varianten, eine Million Euro aufwärts. „Je regionaler wir die Trasse auslegen, desto besser sind die Chancen für die Zuschüsse“, sagte der Stadtplaner Norbert Geissel. Die Entscheidung über die Trassenführung sei also auch eine strategische.