Radwegplanung In Stuttgart-Süd könnten bis zu 97 Parkplätze wegfallen

Bald soll hier rechts ein Radstreifen gebaut werden. Der Gehweg gegenüber wird verbreitert und Bäume sollen gepflanzt werden. Foto: Sybille  Neth
Bald soll hier rechts ein Radstreifen gebaut werden. Der Gehweg gegenüber wird verbreitert und Bäume sollen gepflanzt werden. Foto: Sybille Neth

Die Hohenstaufenstraße bekommt einen neuen Belag und gleichzeitig einen Radweg – dafür könnten aber alle Parkplätze entfallen. Der Bezirksbeirat Süd will Bedenkzeit.

Lokales: Sybille Neth (sne)
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Stuttgart-Süd - Im Zweifel für die Anwohner. Nach dieser Maxime handelte der Bezirksbeirat Süd bei seiner jüngsten Sitzung vor wenigen Tagen. Weder ein Stimmungsbild und schon gar keine Abstimmung über die Radwegführung in der Hohenstaufenstraße konnte das Gremium abgeben. Rainer Wallisch und Carolin Spiesberger vom Amt für Stadtplanung und Wohnen hatten zwei Varianten für diesen bereits 2009 geplanten Abschnitt der Hauptradroute 64 von Stuttgart-Süd nach Stuttgart-West vorgestellt. Doch keine stieß – außer bei der Fraktion der Grünen – auf Gegenliebe. Der Grund: Bei der ersten Variante würden alle 97 Parkplätze in der Hohenstaufenstraße wegfallen. Bei der zweiten Variante könnte nur ein geringer Teil erhalten bleiben.

Anwohner sind ahnungslos

Was aber noch schwerer wog bei der Entscheidung, den Tagesordnungspunkt nach langer Diskussion zu vertagen, war die Tatsache, dass die Anlieger nicht von dem Vorhaben unterrichtet wurden. Es seien Anwohner zu beiden Varianten befragt worden, betonte Wallisch. Aber der Wegfall der Parkplätze sei nicht diskutiert worden. Außerdem wurde im Gremium unisono kritisiert, dass eine Planung für Radfahrer am Marienplatz immer noch aussteht, diese sei aber mit Blick auf die vorgestellten Varianten notwendig. „Die Radler fahren die Straße runter und bleiben dem Chaos auf dem Marienplatz überlassen“, brachte es Sabine Vogel ( Linke) auf den Punkt.

Der Fahrbahnbelag in der Hohenstaufenstraße soll 2022 erneuert werden und so können gleichzeitig die Radwege gebaut werden. Die Finanzmittel dafür stehen bereit. Derzeit gibt es im Abschnitt Marienplatz bis Mörikestraße 86 Parkplätze. Bei beiden Varianten ist das Pflanzen von Bäumen auf der verbreiterten Gehwegseite vorgesehen. Ob dies an allen Stellen wie gewünscht möglich sein wird, sei noch unsicher, denn unterirdisch verlaufen zahlreiche Versorgungsleitungen, die eventuell deshalb verlegt werden müssen, erklärte Wallisch.

Breiter Gehweg und Bäume

Bei der ersten Radweg-Variante wird der jetzt 1,90 Meter schmale Gehweg auf 3,40 Meter verbreitert, sodass auch die Bäume dort Platz haben. Der andere Gehweg bergabwärts wird wie gehabt bei 2,30 Meter bleiben. Daneben verläuft der zwei Meter breite Radstreifen mit einem halben Meter breiten Begleitstrich in Türkis. Alle Parkplätze auf beiden Straßenseiten fallen weg. In der Radweg-Variante zwei bleiben 29 Parkplätze neben dem auf lediglich 2,40 Meter verbreiterten und mit Bäumen bepflanzten Gehweg erhalten. Die Fahrbahn verengt sich auf sechs Meter und in Richtung Mörikestraße bergaufwärts wird ein zwei Meter breiter Radstreifen gebaut. Im Abschnitt von der Mörike- zur Silberburgstraße sieht der Verwaltungsentwurf einen Radstreifen mit 2,25 Meter sowie einen 0,50 Meter breiten Schutzstreifen vor. Die Fahrbahn muss hier wegen der Buslinien 41 und 43 sieben Meter betragen. In diesem Bereich entfallen elf Parkplätze.

Ausweichen auf Quartiersgaragen

Christian Altmann (FDP) votierte für die „Variante drei“– also den Status quo. „Der Parkplatz-Kahlschlag ist verheerend. Es sind dort Freiberufler und Ärzte ansässig.“ Es gebe jetzt schon eine extreme Parkplatznot, bemerkte Roland Petri (CDU). Der Bezirksbeirat habe keine geringe Verantwortung bei dieser Entscheidung. Das Gremium benötige weitere Bedenkzeit. Die vorgelegten Varianten seien nicht vertretbar, sagte Reinhard Kühn (SPD). Insbesondere deshalb, weil die Anwohner nicht informiert worden seien.

Jens Hermann (Puls) sieht in der Planung eine „ziemliche Härte“ und ein großes Dilemma. Bezirksvorsteher Raiko Grieb wies darauf hin, dass die Anwohner mit Blick auf das Mobilitätsangebot in diesem Quartier privilegiert seien, aber manche Menschen dennoch auf ein Auto angewiesen seien. Er verwies wie Philipp Buchholz (Grüne) auf die Quartiersgaragen als mögliche Lösung. „Die Anwohner in der Hauptstätter Straße haben auch keine Stellplätze vor dem Haus“, argumentierte Buchholz. Eine Lösung – sagte Grieb – seien Dauerparkplätze in der Garage des neuen Rewe. Der Zugang zur Hohenstaufenstraße sei über die Staffeln nicht weit. Am 19. Oktober soll die Diskussion zu diesem Projekt im Bezirksbeirat weitergehen.




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