Zwei Männer fordern von einem Bekannten in Böblingen ein Auto – und schlagen und bedrohen ihn, als er nicht liefert. Nun stehen sie vor Gericht.
Bereits zum dritten Mal hat vor der 18. Großen Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts ein Raubprozess gegen zwei 24 und 27 Jahre alte Männer begonnen. Beim ersten Anlauf vor gut einem Jahr hatte sich herausgestellt, dass der 24-Jährige seit knapp zehn Jahren Drogen konsumiert und statt einer Gefängnisstrafe möglicherweise auch die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt in Betracht kommt. Daher hat die Kammer nunmehr für diesen Prozess einen Gutachter eingeschaltet.
Beim zweiten Anlauf im Mai dieses Jahres verhinderte eine längere Erkrankung die Fortführung des Prozesses. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Angeklagten räuberische Erpressung und gefährliche Körperverletzung vor, dem 27-Jährigen zudem noch Raub und Computerbetrug.
Verhängnisvolle Disko-Bekanntschaft
Laut Anklage haben die beiden Männer im Januar oder Februar vergangenen Jahres einen Bekannten, den sie in einer Diskothek in Böblingen kennen gelernt hatten, bedroht und von ihm gefordert, ihnen ein Auto beziehungsweise dessen Verkaufserlös von 35 000 Euro zu übergeben. Der Autofahrer habe ihnen an einem alkoholseligen Abend erklärt, er werde das Auto verkaufen – tatsächlich habe er dies aber nie vorgehabt, zumal es ihm auch nicht gehörte, heißt es in der Anklage weiter. Die beiden Angeklagten sollen ihr Opfer mit einem Messer bedroht und angekündigt haben, ihm den Kopf abzuschneiden. Letztlich habe er den beiden Männern 1000 Euro übergeben, die er sich von seiner Mutter geliehen habe.
Wenige Tage später sollen die beiden Angeklagten sich erneut mit dem Mann getroffen haben – angeblich, um ihm die 1000 Euro zurückzugeben. Tatsächlich seien sie jedoch mit einer Frau aufgetaucht und zu dritt zu dem Mann in ein Auto gestiegen. Danach hätten sie die fehlenden 34 000 Euro von ihm gefordert und zur Untermalung der Bedrohung mit einer goldenen Schreckschusspistole herumgefuchtelt. Zudem hätten sie erklärt, sie hätten Messer dabei. Weil der Mann ihnen kein Geld geben konnte, sollen sie mit Fäusten und einem Stemmeisen auf ihn eingeschlagen haben, sodass das Opfer eine Platzwunde am Kopf und eine Schädelprellung erlitt. Als es dem Mann gelang, das Auto zu starten, seien die Angeklagten und die Frau geflohen.
Der Angeklagte hat eine Wiedergutmachung bezahlt
Während sich die beiden Angeklagten zu diesem Tatkomplex nicht äußern wollten, räumte der 27-Jährige über seinen Verteidiger den zweiten Tatvorwurf des Raubes und Computerbetruges im Mai vergangenen Jahres ein. Er gestand, einem betrunkenen Mann in Sindelfingen, der mit einer fremden EC-Karte Geld aus einem Zigarettenautomaten holen wollte und die Geheimnummer stets vor sich hersagte, an eine Wand gedrückt und ihm die Karte aus der Jackentasche genommen zu haben. Anschließend habe er auf einer Bank damit 265 Euro abgehoben.
Er sei an dem Abend deutlich angetrunken gewesen, da er zwischen 20 Uhr und 3 Uhr fünf bis sechs Gläser „Jacky Cola“ und vier Schnäpse getrunken habe. „Ich war enthemmt, aber das soll keine Entschuldigung sein“, führte der Verteidiger für den Angeklagten weiter aus. Bei der Vernehmung des Opfers und des Inhabers der Bankkarte beim zweiten Anlauf im April hatte sich der 27-Jährige bei den beiden Männern entschuldigt und ihnen 1800 Euro als Wiedergutmachung bezahlt.
Viel Frustration in jungen Jahren
Zu seiner Person erklärte der 27-Jährige, ihm sei bei zwei Ausbildungen während der Probezeit gekündigt worden, was ihn überaus frustriert habe. Der 24-Jährige berichtete, er habe mit 14 Jahren erstmals zu Drogen gegriffen, da sich seine Eltern getrennt hätten und er nicht gewusst habe, wo er hingehöre. Cannabis und Kokain konsumiere er bis heute, seit September mache er eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik. Zu einer Therapie sei er grundsätzlich bereit.
Der Prozess wird am 11. Dezember fortgesetzt, das Urteil soll am 19. Dezember verkündet werden.