Im Landkreis Böblingen ist ein Motorrad aufgetaucht, von dem aus möglicherweise 1977 Siegfried Buback erschossen worden ist.
11.10.2010 - 12:10 Uhr
In der vorigen Woche hatte ein Zeuge des Bundeskriminalamtes bei dem Prozess eingeräumt, dass das Motorrad, das nach den Morden entdeckt worden war, nicht mehr in den Asservaten ist. Nun stellt sich heraus, dass der Bund die Maschine im Jahr 1982 an einen heute 50 Jahre alten Mann aus dem Kreis Böblingen zum Preis von 1900 Euro verkauft hatte. Die Firma, die die Suzuki GS 750 unwissentlich an die Terroristen kurz vor dem Buback-Mord verliehen hatte, war nach der Beschlagnahmung finanziell entschädigt worden. "Als die spurentechnischen Untersuchungen abgeschlossen waren und mit Knut Folkerts im Jahr 1980 ein Täter verurteilt, wurde die Maschine verkauft", erklärt ein Pressesprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Er räumt aber ein, dass dieser Schritt möglicherweise "etwas voreilig" gewesen sei. Denn im Jahr 1985 wurden mit den ehemaligen RAF-Terroristen Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt zwei weitere Beteiligte wegen des Mordes an Buback zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.
Motorrad wurde umlackiert
Das Motorrad wurde am vergangenen Freitag von der Böblinger Polizei sichergestellt und zum Landeskriminalamt nach Stuttgart gebracht. Zehn Jahre lang stand die Maschine des Familienvaters eingemottet in seiner Garage. Zuvor war der Eigentümer das Motorrad 18 Jahre lang gefahren. Außerdem ließ er das Gefährt umlackieren. Anhand der Fahrzeugpapiere habe er schon früh geahnt, dass es sich um die RAF-Maschine handeln müsse.
Offen ist weiterhin der Verbleib des Alfa Romeo, in den die Täter damals auf ihrer Flucht umgestiegen waren. Der Wagen wurde kurz danach in Sachsenheim (Kreis Ludwigsburg) entdeckt. Auch an ihm könnten noch DNA-Spuren der Mörder haften. Laut der Bundesanwaltschaft sei es denkbar, dass auch der Alfa verkauft worden sei.